Das Warten hat bald ein Ende: Am 11. Juni startet die Fußball-WM in Mexiko, den USA und Kanada. Für deutsche Fans dürfte der kommende Sommer nicht nur sportlich zur Nervensache werden. Denn wenn Tore, Elfmeter oder Abseitsentscheidungen erst nach langen Sekunden vom Video-Assistenten bestätigt oder einkassiert werden, steigt auf den Rängen und vor den Bildschirmen die Anspannung.
Wie sehr gerade deutsche Fußballfans auf solche Unterbrechungen reagieren, zeigt eine von der Schokoriegelmarke Snickers in Auftrag gegebene und auf Opta-Data-Analysen basierende Studie: Demnach fühlen sich 69 Prozent der befragten deutschen Fans während des Wartens auf eine VAR-Entscheidung aufgeregt. Damit liegt Deutschland deutlich über dem Durchschnitt der untersuchten Länder Deutschland, Frankreich, Niederlande, Polen und Großbritannien, der insgesamt bei 55 Prozent liegt. In Polen können sich beispielsweise nur 36 Prozent über die VAR-Wartezeit aufregen.
Blickt man auf das kommende Turnier, sollten deutsche Fans besonders gut vorbereitet sein: Schließlich waren laut Opta-Data mit 343 Sekunden die Fan-Herzen keiner anderen Nation bei den letzten drei internationalen Großereignissen so lange in VAR-Warteschleifen gefangen wie die deutschen.
Bundesliga-Daten zeigen die VAR-Wartezeit
Ein Blick auf die Bundesliga erklärt, warum sich diese Sekunden für Fans oft so quälend lang anfühlen: Allein in der jüngst zu Ende gegangenen Saison 2025/26 kamen bei 126 VAR-Vorfällen insgesamt mehr als 78 Minuten zusätzliche Wartezeit zusammen.
Spitzenreiter unter den Vereinen ist übrigens der VfB Stuttgart: Der Klub kommt in der Saison 2025/26 mit 8,2 Minuten auf die höchste summierte VAR-Wartezeit. Dahinter folgen Borussia Mönchengladbach mit 6,9 Minuten und der Hamburger SV mit 6,5 Minuten. Beim FC Augsburg waren es hingegen nur 1,5 Minuten und beim Heidenheim sogar nur 1,3 Minuten.
Warum der Videobeweis so viele Fans nervt
Die Umfrage von Snickers zeigt zudem, warum der Videobeweis bei Fans so viele Emotionen auslöst. 50 Prozent der Befragten stören sich daran, dass VAR-Entscheidungen zu lange dauern und den Spielfluss unterbrechen. 35 Prozent bemängeln, dass der VAR den Fans spontane Jubelausbrüche nimmt, 34 Prozent empfinden die Entscheidungen von Spiel zu Spiel als uneinheitlich. Als häufige Emotionen beim Warten werden unter anderem Gleichgültigkeit (72 Prozent), Wut (62 Prozent), Verwirrung (60 Prozent), Misstrauen ((56 Prozent), Angst (51 Prozent) und Frustration (45 Prozent) genannt.
Ganz unumstritten ist der Videobeweis damit weiterhin nicht. Nur 37 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass die Einführung des VAR das Spiel verbessert habe. 33 Prozent würden sogar lieber Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern akzeptieren, als lange auf eine Überprüfung durch den VAR zu warten. Auch die typische Handbewegung für den Videobeweis kommt schlecht an: Das VAR-Signal nervt 35 Prozent der Befragten beim Fußballschauen am meisten – klar vor der Geste für eine Rote Karte mit 27 Prozent.
Was Fans tun, während der Schiedsrichter wartet
Um die Wartezeit zu überbrücken, greifen viele Fans zu einfachen Ablenkungsstrategien. Beim Schauen im Stadion holen sich 36 Prozent etwas zu trinken, 18 Prozent etwas zu essen oder einen Snack, 21 Prozent legen eine Toilettenpause ein. Vor dem Fernseher oder online ist der Griff zum Getränk mit 38 Prozent ebenfalls die häufigste Reaktion, 22 Prozent holen sich etwas zu essen – auch hier liegt die Toilettenpause mit 28 Prozent dazwischen auf Rang 2.
Für die Studie wurden 10.000 Fußballfans ab 18 Jahren in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Polen und Großbritannien befragt.
(obr/jmk/spot)
Bild: Joshua Kimmich diskutiert beim WM-Testspiel gegen die USA mit dem Schiedsrichter – in diesem Fall ohne VAR-Unterstützung. / Quelle: IMAGO/Sports Press Photo




