„Körperwelten“-Erfinder Gunther von Hagens ist tot

„Körperwelten“-Erfinder Gunther von Hagens ist tot

Gunther von Hagens (1945-2026) ist tot. Der Erfinder der Plastination starb bereits am Freitag, 24. Juli, im Alter von 81 Jahren. Seine Familie bestätigte den Tod unter anderem gegenüber der „B.Z.“. Öffentlich wurde die Nachricht erst an diesem Montag, 27. Juli.

Einen Tag vor seinem Tod war von Hagens laut der Berliner Zeitung wegen einer Gehirnblutung in eine Heidelberger Klinik eingeliefert worden. Ob diese offiziell als Todesursache festgestellt wurde, ist bislang nicht bekannt. Von Hagens litt seit 2008 an Parkinson, öffentlich machte er die Diagnose zwei Jahre später. Beweglichkeit und Sprache waren zuletzt stark eingeschränkt, Auftritte in der Öffentlichkeit selten. An der Verbesserung seines Plastinationsverfahrens arbeitete er nach Angaben seines Umfelds dennoch weiter.

Der letzte Wunsch des Anatomen

Von Hagens wollte nach seinem Tod selbst zum Plastinat werden. Über Jahre hatte er das öffentlich angekündigt, seine Ehefrau Angelina Whalley stimmte nach anfänglichem Zögern zu. „Wir werden diesen Wunsch respektieren und ausführen“, zitiert die Boulevardzeitung die Familie. Ob ein Ganzkörperplastinat entsteht oder einzelne Präparate, ob der Körper überhaupt gezeigt wird und an welchem Ort ist bislang ebenso noch nicht bekannt.

Geboren wurde er 1945 als Gunther Gerhard Liebchen in Alt-Skalden bei Posen, im heutigen Polen. Den Namen von Hagens übernahm er später von seiner ersten Ehefrau. 1965 begann er in Jena ein Medizinstudium, doch nach Protesten gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings und einem Fluchtversuch aus der DDR saß er in Cottbus und Jena in Haft. 1970 kaufte die Bundesrepublik ihn für 40.000 D-Mark frei.

In Heidelberg promovierte er, dort gelang ihm 1977 auch der Durchbruch: die Plastination, ein Verfahren zur dauerhaften Konservierung biologischer Präparate, wie das Unternehmen in seiner offiziellen Mitteilung schreibt. In den 1990er Jahren gründete er das private Institut für Plastination, aus den Werkstattstücken wurden Ausstellungsstücke. Mehr als 58 Millionen Menschen haben seine „Körperwelten“-Schauen nach Angaben der Firma inzwischen gesehen.

Streit um Menschenwürde und ein Museum am Alexanderplatz

Fasziniert und empört hat er dabei stets gleichzeitig. Kritiker sahen in den ausgestellten Leichen die Menschenwürde verletzt. In Berlin eröffnete 2015 ein Museum mit Plastinaten am Alexanderplatz, gegen das der Bezirk Mitte von Anfang an vorging: Auch konservierte Körper seien Leichen und müssten bestattet werden, lautete das Argument. Erst nach Gerichtsurteilen passte das Haus seine Schau an.

Die Präparate stammen von Körperspendern, die zu Lebzeiten verfügt haben, dass ihr Körper der Wissenschaft zur Verfügung steht. 2017 waren nach Angaben des Instituts für Plastination rund 16.680 Menschen in dem Programm registriert. In Guben führt heute Sohn Rurik von Hagens die Geschäfte der Gubener Plastinate GmbH, dort entstehen auch Tierplastinate, und Besucher können durch eine gläserne Werkstatt bei der Herstellung zusehen.

(dr/spot)

Bild: Gunther von Hagens wurde 81 Jahre alt. / Quelle: imago/Panthermedia / PBecher

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