Günther Jauch wird 70 – und blickt auf eine Karriere zurück, die für mehrere Fernsehleben reichen würde. Vom Radiojournalisten über den Sportmoderator bis zum Quizmaster der Nation: Sieben Rollen zeigen, warum er bis heute zu den prägenden Figuren des deutschen Fernsehens gehört – und warum er auch abseits des TVs beeindruckt.
1. Der Durchstarter im Radio
Bevor Günther Jauch zum Fernsehgesicht wurde, begann seine Karriere beim Hörfunk. Mitte der 1970er brach er sein Jurastudium ab und wechselte an die Deutsche Journalistenschule in München, die er zwei Jahre später abschloss. Anschließend arbeitete er als Sportmoderator beim Bayerischen Rundfunk. Von 1983 bis 1985 war Jauch Hörfunk-Korrespondent in Bonn. Ein parallel begonnenes Studium der Politik und Neueren Geschichte gab er wegen seiner journalistischen Tätigkeit wieder auf.
Ab 1985 wurde er an der Seite von Thomas Gottschalk zur Stimme einer erfolgreichen Radioshow: Bis 1989 moderierten die beiden gemeinsam die „B3-Radioshow“. Gottschalk legte auf und unterhielt, Jauch informierte. „Er war der lustige Unterhaltungsfuzzi, ich der langweilige Informationsonkel. Diese beiden Pole haben wir sehr bedient“, erklärte Jauch im „OMR Podcast“ rückblickend den damaligen Erfolg des Duos.
2. Der Sportsmann
Im Alter von 29 Jahren wechselte Jauch ins TV. Er war zunächst als Reporter und Moderator für den SDR, den BR und das ZDF tätig. Bei letzterem moderierte er von 1987 bis 1989 die Unterhaltungssendung „Na siehste!“. Bereits 1988 führte er erstmals durch „das aktuelle sportstudio“. Mit Sportübertragungen sammelte Jauch früh Erfahrung als Live-Moderator und knüpfte an sein Interesse für Sportthemen an.
1990 folgte der Wechsel zu RTL, wo Jauch in den folgenden Jahren zu einem der prägenden Gesichter des Privatsenders wurde. Besonders legendär ist bis heute der sogenannte Torfall von Madrid: Beim Champions-League-Halbfinale zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund im April 1998 brach vor dem Anpfiff ein Tor zusammen. Jauch überbrückte die lange Verzögerung gemeinsam mit Marcel Reif live im Fernsehen.
Auch später blieb der Sport ein wichtiger Teil seiner RTL-Karriere. Von Januar 2000 bis Dezember 2006 moderierte Jauch zusammen mit Experte Dieter Thoma die Skisprung-Übertragungen des Senders. Das Duo wurde zum Publikumsliebling und sorgte regelmäßig für starke Quoten.
3. Der Aufklärer von „stern TV“
Von 1990 bis zu seinem Abschied im Januar 2011 führte Günther Jauch mit großem Erfolg durch das TV-Magazin „stern TV“. Er begrüßte namhafte Gäste wie Angela Merkel, Gerhard Schröder, Céline Dion, Sylvester Stallone, David Copperfield oder Claudia Schiffer. „Wir wollten etwas völlig Neues im deutschen Fernsehen machen: Eine Mischung aus Information und Unterhaltung. Wir wollten keinerlei Berührungsängste gegenüber Politik, Show, Komik oder Lebenshilfe haben“, erklärte der Moderator in einem Interview zum 30. Jubiläum des Formats. Jauchs großes Erbe übernahm Steffen Hallaschka.
4. Der Quizmaster der Nation
Einer Sendung ist Günther Jauch bis heute treu: 1999 übernahm er die Moderation von „Wer wird Millionär?“ – und wurde spätestens damit zu einem der beliebtesten Moderatoren Deutschlands. Wie lange er das RTL-Quizformat noch präsentieren wird, lässt Jauch bewusst offen. Einen klassischen Vertrag mit dem Sender habe er nicht, sondern lediglich einen Handschlag-Vertrag. Jedes Jahr „committen wir uns einfach wieder neu“, erklärte er im „OMR“-Gespräch.
Grundsätzlich habe er nie Sendungen für ein halbes Jahr oder auch nur für zwei Jahre machen wollen, sagte Jauch vor zwei Jahren im Vaunet-Podcast. Die RTL-Jahresrückblicke seien bis dahin seine längste Moderationstätigkeit gewesen. Dass eine Zusammenarbeit auch abrupt enden kann, erlebte er beim ZDF: Das „Sportstudio“ habe der Sender nicht mit ihm fortsetzen wollen, weil er parallel auch Fußball bei RTL moderierte. Damals habe er ein Fax bekommen, dass er am folgenden Samstag nicht mehr kommen müsse. „Das fand ich nicht so großartig, aber es ist verjährt“, sagte Jauch rückblickend.
5. Der Show-Moderator
Günther Jauch ist bis heute auch der Mann für große TV-Abende. Egal ob Jahresrückblicke, Spendenaktionen oder Sonderformate: Der Moderator wurde über Jahrzehnte zum verlässlichen Anker großer Primetime-Sendungen. Er präsentierte „Die 5-Millionen-SKL-Show“ oder „500 – Die Quiz-Arena“ bei RTL oder führte durch den ZDF-Jahresrückblick „Menschen“ und den „Deutschen Fernsehpreis“. Auch der RTL-Jahresrückblick „Menschen, Bilder, Emotionen“ (1996-2021) gehörte lange Zeit in sein Portfolio. Die Sendung hat Jauch über die Jahre stets beschäftigt, wie er einmal im Interview mit der DFB-Akademie verriet: „Ab 1. Januar muss ich jedes Mal, wenn irgendwo in der Welt was passiert, mir Gedanken darüber machen. Wird das ein Thema im Jahresrückblick sein? Muss ich jetzt bereits Verträge machen mit den Menschen, die ich einladen will? Wie bin ich der Erste, der die Konkurrenz hinter sich lässt? […] Die Verantwortung müssen Sie immer tragen und können im Grunde nie abschalten.“
6. Der politische Moderator
Mit seinem ARD-Talk „Günther Jauch“ wechselte Jauch zeitweise ins politische Fernsehen (2011 bis 2015). Es war nicht sein dauerhaft erfolgreichstes Kapitel, aber ein für ihn persönlich wichtiges, wie er im „OMR Podcast“ verriet. „Das war für mich sehr interessant und faszinierende Jahre“, erklärte er über die Phase. Gleichzeitig sei die Zeit „sehr anstrengend“ gewesen. Immer wieder habe es innerhalb der ARD Auseinandersetzungen darüber gegeben, was möglich sei. Letztlich habe er die Sendung auch deshalb aufgegeben, weil er dort nicht die journalistische Freiheit gehabt habe, „die vorher eigentlich mit mir abgesprochen war“.
7. Der Privatmann von Potsdam
Günther Jauch beherrscht die Kunst, berühmt zu sein, ohne permanent öffentlich stattzufinden. Sein Privatleben hält der Moderator weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus, mit seiner Familie lebt er in Potsdam. In seiner fernsehfreien Zeit hat er sich zudem ein zweites Standbein aufgebaut: als Winzer. Das Weingut von Othegraven an der Saar wurde 1805 von Jauchs Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater gegründet. Später ging es an den Bruder seiner Großmutter und schließlich an seine Großtante. Diese habe vor ihrem Tod 1995 eine Nichte aus ihrer Familie adoptiert, „sodass das Gut für 15 Jahre aus unserer direkten Familienlinie heraus war“, erklärte Jauch im Interview mit „About Drinks“. „Vor 15 Jahren hörte ich dann durch einen Zufall, dass es verkauft werden soll. Meine Frau und ich betreiben es jetzt in 7. Generation.“
Auch als Winzer ist Jauch erfolgreich: Vom „Vinum Weinguide“ wurde er bereits zum „Winzer des Jahres“ gewählt. Solche Auszeichnungen seien „Lohn für ebenso harte wie kompromisslose Arbeit“, sagte er. Sie bedeuteten seinem Team sehr viel – und ihm persönlich sogar „mehr als die meisten Preise“, die er fürs Fernsehen bekommen habe.
Ein weiteres Projekt von Jauch ist die Villa Kellermann am Heiligen See in der brandenburgischen Landeshauptstadt, die er 2016 kaufte und denkmalgerecht sanieren ließ. In den Obergeschossen befinden sich Luxus-Apartments. 2019 hatte Jauch das ebenfalls im Gebäude befindende Restaurant gemeinsam mit Sternekoch Tim Raue eröffnet, der sich 2023 jedoch aus dem Betrieb zurückzog. 2024 wurde der Betrieb zunächst eingestellt, im Januar 2025 wurde der Betrieb mit neuem Namen wiedereröffnet. Für seinen Einsatz für weitere Sanierungsprojekte in Potsdam erhielt Jauch den Verdienstorden des Landes Brandenburg.
Wird er diese vielen Leben auch einmal für die Nachwelt festhalten? „Ich habe überhaupt keine Ambitionen meine Biografie zu schreiben“, sagte Jauch 2022 im „OMR Podcast“. „Ich habe nicht dieses dringende Mitteilungsbedürfnis. Ich würde mich selber dabei langweilen, anderen Leuten mein Leben zu erzählen.“ Dies passt auch zu Jauchs Motto, das er sich nach seinen großen Erfolgen längst leisten kann: Was immer mehr zum Kompass seines Lebens werde, sei die Frage: „Wozu habe ich Lust? Was macht mir Freude? Ich lasse mich nicht so gerne mehr in die Pflicht nehmen.“
(jom/spot)
Bild: Günther Jauch hat sich nicht nur als „Wer wird Millionär?“-Moderator eine große Fernsehkarriere aufgebaut. / Quelle: Imago Images/Future Image / Christopher Adolph




