Dieser typische Tom Hanks-Moment ging um die Welt: Ein frisch getrautes Brautpaar steht im New Yorker Central Park, die Kamera läuft, die Gäste lachen und fotografieren. Seitlich schiebt sich ein Mann mit kurzer Hose, blauem Hoodie und freundlichem Blick ins Bild und gratuliert höflich. Es ist der Privatmensch Tom Hanks. Mit seinem Handy knipst er noch ein paar Bilder, dann verschwindet er wieder. Kein großer Auftritt, keine Show.
Besser als jedes Porträt erzählt die Szene, wer Tom Hanks ist: ein Weltstar, der sich nie wie einer verhält, der seine Frau über alles liebt, Schreibmaschinen sammelt und Fotos verlorener Handschuhe kommentiert. Am 9. Juli feiert der zweifache Oscarpreisträger seinen 70. Geburtstag. Und die Welt fragt sich: Wie ist er nur so normal geblieben?
Das Leben als Pralinenschachtel
Es gibt Rollen, die einen Schauspieler berühmt machen. Und es gibt Rollen, die zu einem Teil der Persönlichkeit werden. Für Sylvester Stallone (80) ist das „Rocky“, für Harrison Ford (83) „Indiana Jones“ – und für Tom Hanks zweifellos „Forrest Gump“. Doch während viele Stars ihr Leben lang gegen ihre berühmteste Figur anspielen, scheint Hanks seine Paraderolle nie im Weg gestanden zu haben. Vielmehr wirkt Forrest Gump wie eine Verdichtung dessen, wofür er als Schauspieler und Privatperson bis heute steht: Güte, Bescheidenheit, Optimismus und Menschlichkeit.
Bereits vor „Forrest Gump“ brilliert Hanks über alle Genres hinweg in Blockbustern wie der Liebeskomödie „Schlaflos in Seattle“ oder dem Aids-Drama „Philadelphia“, für das er 1994 seinen ersten Oscar erhält. Mit „Forrest Gump“ und seinem zweiten Oscar öffnet sich für ihn dann die vielzitierte Pralinenschachtel, die das Leben laut Gump ist. Man weiß nie, was man bekommt?
Hanks beschert das Leben Traum-Rollen und durchgängigen Erfolg bis heute. Er fliegt mit „Apollo 13“ zum Mond, unterhält ein junges Publikum als Stimme von Sheriff Woody in „Toy Story“, ermittelt in „Illuminati“ spannungsreich und spricht im Ein-Mann-Film „Cast Away“ überzeugend mit einem Volleyball. Hanks‘ Karriere scheint makellos. Dabei ist sein Weg nach Hollywood alles andere als vorgezeichnet.
Der harte Weg des Menschen-Beobachters
Hanks wird am 9. Juli 1956 im kalifornischen Concord geboren. Seine Kindheit ist von unzähligen Umzügen geprägt. Seine Eltern Amos (gestorben 1992) und Janet (gestorben 2016) lassen sich früh scheiden: „Meine Eltern waren so beschäftigt mit ihren Problemen, dass sie manchmal nicht mal merkten, dass wir im Haus waren“, so Hanks in einem Interview mit „The Guardian“. Tom wächst mit seinen älteren Geschwistern Sandra und Larry (73) bei seinem Vater und verschiedenen Stiefmüttern auf. Sein jüngerer Bruder Jim (65) bleibt bei der Mutter. Hanks wechselt immer wieder die Schule und muss sich ständig in eine neue Umgebung einfinden.
Später sagt er, er habe sich oft wie ein Beobachter gefühlt – jemand, der Menschen bis ins Detail studiert. Vielleicht ist genau das die beste Vorbereitung auf seinen späteren Beruf. Auf der High School entdeckt er seine Leidenschaft für das Theater – und dankt in seiner Oscar-Rede von 1994 seinem damaligen Schauspiellehrer. Aus kleinen Theaterrollen werden erste Fernsehauftritte. Hanks lernt Regisseur Ron Howard (72) kennen. Der verschafft ihm 1984 die Hauptrolle in seinem ersten Kassenschlager „Splash – Eine Jungfrau am Haken.“ Mit Howard realisiert er im Lauf seiner Karriere Filme wie „Apollo 13“ oder „The Da Vinci Code – Sakrileg“. Einem harmonischen Umfelder bleibt Hanks stets treu.
Erfolgsrezept: Verbindung, Pünktlichkeit, Momentum
Viele von Hanks‘ Figuren teilen ein gemeinsames Motiv: Sie stehen vor Herausforderungen, die größer sind als sie selbst. In einem Interview mit der Oscar-Academy gesteht er, dass ihn vor allem Geschichten interessieren, in denen Menschen nach einer Verbindung suchen – nach einem Gefühl von Zugehörigkeit und Sinn. Dieser Gedanke zieht sich durch viele seiner Rollen. Forrest Gump, der die Welt mit einer kindlichen Klarheit betrachtet. Der einsame Überlebende auf einer Insel. Der Soldat, der Verantwortung trägt, obwohl er selbst Angst hat.
Trotz aller Meriten ist Hanks‘ Einstellung zu seinem Beruf immer dieselbe geblieben: „Als Schauspieler solltest du drei Dinge beachten: Du solltest pünktlich am Set erscheinen, den Text können und eine Idee davon haben, wie du mit deiner Rolle die Geschichte voranbringst“, wie er auf Instagram betont. Der pünktliche Schauspieler, der Kollegen respektiert und die Story ernst, sich selbst aber nie zu wichtig nimmt. „Wenn du zu spät kommst, verlierst du das Momentum“, lautet Hanks‘ Mantra und Erfolgsrezept.
Ehefrau als Glücksanker
Hanks‘ privater Glücksanker im Leben ist Ehefrau, Schauspielerin und Sängerin Rita Wilson, die im Oktober ihren 70. Geburtstag feiert. Beide lernen sich als Filmkollegen in der Komödie „Alles hört auf mein Kommando“ (1985) kennen. Damals ist Hanks noch mit seiner ersten Ehefrau Samantha Lewes (1952-2002) verheiratet, mit der er zwei Kinder hat: Schauspieler Colin Hanks (48) und Schriftstellerin Elizabeth Hanks (44).
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Hanks und Wilson heiraten am 30. April 1988, ihre Söhne Chet und Truman werden 1990 und 1995 geboren. Gemeinsam erleben sie Hanks‘ Aufstieg zum Weltstar, seine Oscars, seine Triumphe und Tiefen. Mit der Halbgriechin Wilson besitzt er ein Haus in Griechenland, produziert 2002 den Kassenhit „My Big Fat Greek Wedding“ und nimmt 2020 gar die griechische Staatsbürgerschaft an. Zu Hochzeits- und Geburtstagen feiert er sie wie am ersten Tag.
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Wenn Paparazzi ihr zu nahe kommen, rastet er schon mal aus. Einer der wenigen Momente, in denen Hanks die Beherrschung verliert. Sie steht ihm bei, als er 2020 an Covid erkrankt. Er unterstützt sie in ihren musikalischen Projekten und ist ihr Halt, als sie sich 2015 wegen eines Mammakarzinoms einer Brustamputation unterziehen muss. Schon 1995 widmet er seine Oscar-Rede fast ganz seiner Frau: „Die Frau, mit der ich mein Leben teile, hat mich gelehrt, was Liebe bedeutet.“
Augenzwinkern als Lebenselixier
Hanks bleibt spleenig – auch mit 70. Sein Instagram-Profil überschreibt er mit: „Ich bin dieser Schauspieler, dessen Filme ihr mal mochtet, mal nicht. Manchmal bin ich gut in Form.“ Bei Tom regiert das Augenzwinkern. Wenn er in Gefahr läuft, zu hoch zu fliegen, holt er sich selbst wieder auf den Boden: „Ich habe eine riesige Menge an Filmen gemacht, die weder Sinn machten noch Geld einbrachten“, so Hanks.
Noch geerdeter geht es zu, wenn Hanks bei Instagram seinem wahren Hobby frönt. Er fotografiert für sein Leben gern verlorene Handschuhe und kommentiert deren Geschichte. Liegt ein eleganter Damen-Handschuh auf dem Gehweg, schreibt er: „Oh, nein, nicht in einer kalten Dezembernacht!“ Neben einen verlorenen Kaffeebecher plus Handschuh spottet er: „Muss wirklich heißer Kaffee gewesen sein.“
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Unlängst hatte es auch ein verloren gegangener Schuh in seinen Account geschafft. „Gibt es etwas, das NOCH weniger nützlich ist?“, fragte er dazu.
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Tom Hanks: „Ich mag es, älter zu werden“
Das Altern nimmt der leidenschaftlicher Sammler antiker Schreibmaschinen scheinbar gelassen: „Ich mag es, älter zu werden. Als Heranwachsender dachte ich immer, ich hätte einen fetten Hintern und eine Quietsch-Stimme. Damals habe ich mich schlecht ernährt. Und mein Arzt sagte zu mir: ‚Glückwunsch, du hast Diabetes 2, du Idiot!“ Hanks hat seine Ernährung angepasst und trotz Erkrankung ein Karriere wie wenige hingelegt.
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Heute wirkt er frischer denn je. An seinem 69. Geburtstag taucht er in Zeitlupe elegant in die griechische Ägäis ein. Jungenhaft wie der zwölfjährige Josh in Hanks Film-Hit „Big“ (1988), der im Körper eines Erwachsenen sein Unwesen treibt. Und auch für seinen 70. Geburtstag hält „Pralinenschachtel“ Tom Hanks sicher einiges bereit.
(jök/spot)
Bild: Tom Hanks feiert seinen 70. Geburtstag. / Quelle: Action Press / Dave Starbuck / Future Image




