Cristian Mungiu hat bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme gewonnen – zum zweiten Mal in seiner Karriere. Sein Drama „Fjord“ setzte sich in diesem Jahr gegen 21 weitere Wettbewerbsfilme durch. Bereits 2007 hatte der rumänische Regisseur die höchste Auszeichnung des Festivals erhalten, damals für seinen Film „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“.
In „Fjord“ spielen Sebastian Stan und Renate Reinsve ein strenggläubiges rumänisch-norwegisches Paar, das mit fünf Kindern in ein abgelegenes norwegisches Dorf zieht. Als bei einer der Töchter Verletzungen entdeckt werden, geraten die Eltern unter Verdacht der Kindesmisshandlung – der Film erzählt den daraus entstehenden Konflikt mit den norwegischen Behörden. Das Werk verhandelt Fragen von Familie, Erziehung und dem Aufeinanderprallen verschiedener kultureller Wertesysteme.
Deutsche und internationale Erfolge
Der Große Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, ging an den russischen Regisseur Andrej Swjaginzew für seinen gesellschaftskritischen Thriller „Minotaur“. Den Preis der Jury erhielt die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach für „Das geträumte Abenteuer“.
Den Preis für die beste Regie teilten sich gleich drei Filmemacher: die Spanier Javier Calvo und Javier Ambrossi für das Drama „The Black Ball“ sowie der polnische Regisseur Pawel Pawlikowski für „Vaterland“ – einen Film mit Sandra Hüller, der einen Roadtrip von Thomas Mann und seiner Tochter Erika durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949 schildert. Als beste Schauspieler wurden Emmanuel Macchia und Valentin Campagne für ihre Rollen in dem belgischen Film „Coward“ von Lukas Dhont ausgezeichnet. Die Preise für die beste Darstellerin gingen an Virginie Efira und Tao Okamoto für das Drama „All of a Sudden“. Das beste Drehbuch schrieb der Franzose Emmanuel Marre für „A Man of His Time“.
Ehrenpalme für Barbra Streisand – in Abwesenheit
Den emotionalsten Moment des Abends lieferte die Verleihung der Goldenen Ehrenpalme an US-Schauspielerin und Sängerin Barbra Streisand. Die 84-Jährige konnte, wie zuvor bekannt gegeben worden war, wegen eines Knieproblems nicht persönlich nach Cannes reisen und wurde in Abwesenheit ausgezeichnet.
Die Laudatio übernahm die französische Schauspielerin Isabelle Huppert, die Streisand mit bewegenden Worten würdigte. „Das amerikanische Kino hatte lange Angst vor ihr. Autoritär, unabhängig und doch zutiefst frei“, sagte Huppert. Für Gänsehaut sorgte dabei eine besonders persönliche Note: „Sie haben die schönsten Hände im amerikanischen Kino“, erklärte sie unter Applaus. Streisand habe sich „immer dagegen gewehrt, dass andere für sie entscheiden. Sie hat oft Nein gesagt – deshalb lieben wir sie so sehr.“ Zum Abschluss machte Huppert den Charakter der Auszeichnung deutlich: „Eine Ehrenpalme ist keine Belohnung, sondern eine Art zu sagen: Wir wissen, wir haben gesehen, wir haben gehört.“
Streisand meldete sich per Videobotschaft zu Wort. „Das Kino besitzt diese magische Fähigkeit, uns miteinander zu verbinden, unsere Herzen und unseren Geist zu öffnen“, sagte sie. Die Entertainerin, die aus einer jüdischen Familie aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn stammt, wirkte in 19 Kinofilmen mit, führte bei dreien Regie und erhielt zwei Oscars. Als erste Frau überhaupt wurde sie mit einem Golden Globe für die beste Regie ausgezeichnet.
(ae/spot)
Bild: Cristian Mungiu konnte am Samstagabend bereits seine zweite Goldene Palme entgegennehmen. / Quelle: imago images/Starface/Lionel Guericolas/MPP



