Manchmal hat das Leben ganz andere Pläne mit einem als man selbst. Genau davon erzählt auch der neue TV-Film „Liebe braucht Meer“, in dem Margarita Broich (66) am 28. August um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen ist. Die junge Anwältin Lissi Strack (Morgane Ferru) reist darin mit ihrer Mutter und Chefin Silvia (Broich) nach Frankreich. Als Silvia unerwartet ausfällt, ist Lissi plötzlich auf sich allein gestellt – und bekommt die Chance, beruflich wie privat neue Wege einzuschlagen. Ein Prinzip, das Broich aus ihrem eigenen Leben kennt. „Ich habe mir sogar manchmal im Leben gewünscht, aus der Bahn getragen zu werden. Das ist dann auch häufiger passiert“, verrät die Schauspielerin im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.
Eine dieser unverhofften Wendungen führte Broich zu ihrem späteren Ehemann, dem Rechtsanwalt Dirk Schmalenbach, mit dem sie Ende 50 noch einmal die große Liebe fand. Im September feiern die beiden bereits ihren siebten Hochzeitstag – und können über das sprichwörtlich verflixte siebte Jahr nur schmunzeln. „Wir hatten Gott sei Dank kein verflixtes siebtes Jahr. Im Gegenteil. Das letzte Jahr war besonders schön“, erzählt Broich.
„Zu zweit macht alles einfach mehr Spaß“
Wie die beiden ihren Hochzeitstag im September verbringen werden, steht noch nicht ganz fest. „Mit einem Fischbrötchen oder vielleicht einer Reise?“, überlegt Broich. Ohnehin scheint es für die Schauspielerin weniger darauf anzukommen, was die beiden unternehmen, als vielmehr darauf, dass sie es gemeinsam tun. „Zu zweit macht alles einfach mehr Spaß. Man sieht mehr, erlebt mehr und leider isst man auch mehr“, sagt sie über ihren Ehealltag.
Auch der Humor ist in den sieben Ehejahren offensichtlich nicht verloren gegangen. Verändert habe sie die gemeinsame Zeit durchaus, wie Broich augenzwinkernd feststellt: „Ich bin tatsächlich etwas ordentlicher geworden. Leider hat mein Mann das noch nicht ganz mitgekriegt …“
Besonders gerne denkt sie an ihre Hochzeit zurück. „Wir waren ganz allein mit unserer Pfarrerin, dem Kantor und dem Organisten“, erinnert sie sich. Gerade der kleine Rahmen machte den Tag für sie zu etwas Besonderem: „Das war besonders innig.“
„Ich liebe Morgane“
Um Liebe und Familie geht es auch in „Liebe braucht Meer“. Morgane Ferru spielt darin Broichs Filmtochter Lissi. Die beiden standen bereits zuvor als Mutter und Tochter gemeinsam vor der Kamera – eine Konstellation, die Broich offensichtlich gerne wiederholt. „Ich liebe Morgane. Mit ihr zu spielen, macht einfach Freude“, schwärmt sie von ihrer Kollegin. Das Zusammenspiel vor der Kamera vergleicht die Schauspielerin mit dem Sport: „Bei Schauspielern ist das wie bei einem Tennis-Doppel. Man muss aufmerksam zusammenspielen und doch für sich bleiben.“
Während Broich vor der Kamera erneut die Mutter gibt, ist in ihrem Privatleben inzwischen eine weitere Rolle hinzugekommen: die der Großmutter. Was für eine Oma sie ist? „Ich hoffe, eine gute und lustige“, sagt sie. Vor allem genießt sie es, durch ihren Enkel selbst noch einmal einen anderen Blick auf die Welt zu bekommen. „Im Alter ist es ganz schön, die Dinge noch mal mit Kinderaugen zu sehen.“ Und vielleicht kommt ihr dabei ihr Beruf zugute: „Spielen ist ja mein Beruf. Da bin ich mit meinem Enkel gerne eins.“
„Mit 60 genauso hilflos wie mit 30“
So viel Lebenserfahrung Broich inzwischen auch gesammelt hat – gegen die Unberechenbarkeit der Liebe hilft sie ihrer Meinung nach wenig. „Ich denke, wenn man sich verliebt, ist man mit 60 genauso hilflos wie mit 30.“ Sich wirklich auf einen anderen Menschen einzulassen, bedeute schließlich immer, sich verletzlich zu machen. „Man liefert sich auch aus“, sagt Broich. Gerade darin liege aber die Chance auf etwas Besonderes: „Das große Glück ist, jemanden zu finden, der einen erkennt und liebt. Wie es in der Bibel steht: ‚Und sie erkannten sich.'“
Broich selbst hat dieses Glück später im Leben noch einmal gefunden – ohne danach gesucht zu haben. „Bei mir war es ja so: Ich habe nichts gesucht und alles gefunden“, sagt sie. Einen Rat, wie sich die große Liebe jenseits der 50 finden lässt, will sie deshalb gar nicht erst geben. „Fürs Finden gibt es keinen Rat.“
„Bis dahin kann alles passieren“
Viel wichtiger sei es ohnehin, sich die Offenheit für das Unerwartete zu bewahren. „Das Leben ist erst zu Ende, wenn es zu Ende ist. Und bis dahin kann alles passieren.“ Neugierde sei beim Älterwerden „sowieso ein guter Ratgeber“. Und wer offen bleibe, könne Glück womöglich auch dort entdecken, wo er es zunächst gar nicht vermutet: „Vielleicht ist das Glück kein anderer Mensch, sondern eine Aufgabe.“
Ein Gedanke, zu dem Broichs abschließender Verweis auf Astrid Lindgren passt. Die Schriftstellerin habe mit 70 schließlich einen Satz geprägt, der für Broich einiges über das Älterwerden erzählt: „Es gibt kein Verbot für alte Frauen, auf Bäume zu klettern.“
(obr/spot)
Bild: Margarita Broich und ihr Ehemann Dirk Schmalenbach strahlten erst vor wenigen Wochen gemeinsam bei den Bayreuther Festspielen. / Quelle: imago/Sven Simon / Frank Hoermann / SVEN SIMON




