Ein Glückwunsch, der nach hinten losging: Nach dem überraschend frühen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft hat Bundeskanzler Friedrich Merz (70) dem DFB-Team auf seinem X-Account zugejubelt und damit eine Welle aus Spott und Kopfschütteln ausgelöst. Inzwischen hat der Kanzler auf die Kritik reagiert.
https://x.com/bundeskanzler/status/2071743772057088334
Deutschland war in der Nacht zum Dienstag bereits im Sechzehntelfinale an Außenseiter Paraguay gescheitert. Nach einem 1:1 über 120 Minuten verlor das Team von Bundestrainer Nagelsmann das Elfmeterschießen mit 3:4. Für zusätzlichen Ärger sorgte eine strittige Szene in der Verlängerung: Ein vermeintliches 2:1 von Jonathan Tah (30) nahm Schiedsrichter Jalal Jayed wieder zurück.
Trotz der dürftigen Vorstellung schlug Merz einen schwärmerischen Ton an. „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel, @DFB_Team! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch“, schrieb der CDU-Politiker. Im Netz fragten sich daraufhin viele, ob der Kanzler dasselbe Spiel gesehen habe – die Wortkombination „Welches Spiel“ wurde rasch zum Trend auf X.
Spott aus der Politik
Auch politische Konkurrenten stichelten. „Ich weiß gar nicht, was schlimmer war. Das Spiel oder diese Analyse“, schrieb die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann auf X zu Merz‘ Botschaft. Sevim Dağdelen vom BSW-Bundesvorstand attestierte „Realitätsverlust auf Kanzlerniveau. Genau wie bei seiner Politik“.
Vom Gegenwind ließ sich der Kanzler nicht beirren und legte am Dienstagmittag nach. „Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark. Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott“, schrieb er bei X.
https://x.com/bundeskanzler/status/2071915478532939946
Kritischer fiel das Urteil der TV-Fachleute nach dem WM-Aus aus. MagentaTV-Experte Mats Hummels forderte Konsequenzen: „Auf Verantwortlichen-Seite schreit es nach Konsequenzen. Das muss Thema sein, sowohl vom Bundestrainer selbst aus, als auch vom Verband.“ ZDF-Experte Christian Streich pflichtete bei: „Der Trainer muss sich hinterfragen – und die Spieler. Was ich von einigen gesehen habe, war nicht genug. Vom Trainer auch nicht.“ Per Mertesacker wurde noch grundsätzlicher: „Wir haben gegen die schwächste Mannschaft der Vorrunde gespielt. Die große Fußballnation Deutschland muss sich umschauen.“
Sportlich reiht sich das Ergebnis in eine ernüchternde Serie ein: Zum dritten Mal nacheinander verpasste der DFB das Achtelfinale einer Weltmeisterschaft. 2018 in Russland und 2022 in Katar war die Auswahl jeweils schon in der Gruppenphase gescheitert. Den bislang letzten WM-Titel hatte Deutschland vor zwölf Jahren in Rio de Janeiro geholt.
(jom/spot)
Bild: Friedrich Merz (li.) hat sich erneut zum WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft geäußert. / Quelle: Imago images/Bernd Elmenthaler / ESDES.Pictures / Imago Images/Schüler





