„Escaping Bolivia“: Wie ein Drogenfall ganz Norwegen in Atem hielt

„Escaping Bolivia“: Wie ein Drogenfall ganz Norwegen in Atem hielt

Ein luxuriöser Mädelstrip endet im bolivianischen Frauengefängnis. Im Mai 2008 werden drei junge Norwegerinnen am Flughafen der bolivianischen Stadt Cochabamba mit mehr als 20 Kilo Kokain im Gepäck erwischt und festgenommen. Der wohl meistdiskutierte Drogenfall Norwegens diente als Inspiration für die sechsteilige Serie „Escaping Bolivia“, die ab dem 4. September in der ARD-Mediathek zu sehen ist.

Darum geht es in „Escaping Bolivia“

Die 17-jährige Ida (Ella Øverbye) reist mit ihren Freundinnen Michelle (Josephine Tetlie) und Cecilie (Lisa Marie Hovden) sowie ihrem Neffen Max für einen abenteuerlichen Mädelstrip nach Bolivien. Doch kurz vor der geplanten Heimreise nimmt der Urlaub eine dramatische Wendung: Am Flughafen entdecken die bolivianischen Behörden insgesamt 22 Kilogramm Kokain im Gepäck der jungen Frauen. Die drei werden festgenommen und in ein Frauengefängnis gebracht. Eine Freilassung gegen Kaution scheint unbezahlbar, eine Flucht nahezu unmöglich.

Mit der gemeinsamen Gefangenschaft wird auch die Freundschaft der drei auf eine harte Probe gestellt. Gerade diese Dynamik gehört zu den spannendsten Aspekten von „Escaping Bolivia“: Unter extremen Bedingungen und wachsendem Druck geraten Loyalität und Zusammenhalt zunehmend an ihre Grenzen. In einem korrupten Justizsystem, in dem Geld über Möglichkeiten und Auswege entscheidet, wird schließlich jede zur Einzelkämpferin.

Die Macher der norwegisch-deutschen Koproduktion betonen ausdrücklich, dass die Serie keine Rekonstruktion der tatsächlichen Ereignisse sein will, und nehmen sich entsprechend kreative Freiheiten. Das verschafft „Escaping Bolivia“ Raum für einen eigenen, spannungsreichen Handlungsbogen. Gerade wer mit dem norwegischen Kriminalfall nicht vertraut ist, dürfte dabei von der einen oder anderen Wendung überrascht werden.

Der wahre Drogenfall hinter „Escaping Bolivia“

Dabei sind es ausgerechnet jene Momente, die besonders nah an den wahren Ereignissen bleiben, die mitunter am unglaublichsten wirken. So erzählt „Escaping Bolivia“ von Idas spektakulärer Flucht durch den brasilianischen Regenwald mithilfe eines Söldners, finanziert von einem norwegischen Männermagazin. „Sowas kann man sich in der Fiktion gar nicht ausdenken“, findet Creatorin Emilie Beck in einem Statement für den NDR. Zehn Jahre hat sie für „Escaping Bolivia“ recherchiert, den aufsehenerregenden Fall als 16-Jährige mitverfolgt. Damals habe sie sich oft gefragt, „ob so etwas auch mir und meinen Freundinnen hätte passieren können“.

Der Fall hatte in Norwegen damals eine enorme Medienpräsenz. Zahlreiche Journalistinnen und Journalisten reisten nach Bolivien, um über den Fall zu berichten. Als „Escaping Bolivia“ Ende 2025 auf dem norwegischen Sender TV 2 erschien, rückte der Fall erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Serie wurde zum Streaming-Hit und erreichte über eine Million Menschen. Bei einer Bevölkerung von rund 5,6 Millionen hat damit rund jeder Fünfte die Serie gesehen.

Bis heute unterscheiden sich die Aussagen der drei Frauen darüber, was damals tatsächlich geschah und wer welche Verantwortung trägt. Eine endgültige Klärung scheint daher kaum noch möglich. Für ihre fiktionale Interpretation nutzt die Serie diese offenen Fragen und nimmt sich entsprechende kreative Freiheiten. Wer am Ende welche Schuld trägt, rückt dabei allerdings zunehmend in den Hintergrund.

Nach dem Start in der ARD-Mediathek werden am 11. September ab 21:30 Uhr alle sechs Episoden bei ONE ausgestrahlt.

(sv/spot)

Bild: „Escaping Bolivia“: Cecilie (Lisa Marie Hovden, l.), Michelle (Josephine Tetlie, m.) und Ida (Lisa Marie Hovden, r.) sitzen in einem bolivianischen Frauengefängnis. / Quelle: NDR/Ronald Vargas

Das könnte dir auch gefallen

Mehr ähnliche Beiträge