Am 22. Juli 2025 verlor die Welt ihren „Fürsten der Finsternis“, den Mitbegründer des Heavy Metals, den Exzentriker und Chaoten Ozzy Osbourne. Der Black-Sabbath-Sänger war berüchtigt für seine Eskapaden, Kontroversen und den Fledermaus-Vorfall. Doch je näher Osbourne sein Publikum an sich heranließ, desto mehr verblasste das Image der düsteren Metal-Legende. Er zeigte sich verletzlich, gestand Fehler ein und nahm sich selbst auf die Schippe. Hinter dem Mythos trat immer deutlicher der Mensch hervor.
Traumatische Erfahrung in der Kindheit
Ozzy Osbourne wurde am 3. Dezember 1948 in Birmingham geboren und wuchs in der Nachkriegszeit in dem Arbeiterviertel Aston auf. Mit dem späteren Leben als Star hatte seine Kindheit nichts gemein. Seine Familie lebte mit sechs Kindern am Rande der Armut.
Osbourne versuchte schon früh, seinen Dämonen zu entkommen. Das Arbeiterkind aus Aston fühlte sich fehl am Platz, litt unter seiner undiagnostizierten Legasthenie und ADHS, wurde gemobbt und griff früh zu Alkohol und Drogen. Später erklärte er den Konsum als eine Form der Selbstmedikation. „Ich habe mich schon immer selbst medikamentös behandelt, weil ich mich nie wohl in meiner Haut gefühlt habe“, erzählte er „Variety“. Osbourne weiter: „Und so habe ich schon von klein auf Dämpfe geschnüffelt – alle möglichen Dinge, einfach alles, um mich abzulenken.“
Einen Zufluchtsort bot ihm auch die Musik. Einen Beatles-Song beschrieb er in einem Interview mit „Esquire“ als lebensverändernd. „Als ich ‚She Loves You‘ zum ersten Mal hörte, explodierte meine Welt wie eine Sternschnuppe. Es war ein himmlischer Moment. Danach war nichts mehr wie zuvor“, so Osbourne. Er selbst sollte mit Tony Iommi (78), Geezer Butler (77) und Bill Ward (78) als Black Sabbath den Menschen eine neue Welt eröffnen.
Große Leere nach Black-Sabbath-Rauswurf
Während Ende der 1960er-Jahre vielerorts noch Frieden, Liebe und Flower Power besungen wurden, setzten die vier Musiker auf schwere Gitarrenriffs und düstere Texte. Für letztere zeichnete vor allem Butler verantwortlich, doch Osbourne machte sie mit seiner unverwechselbaren Stimme zu seinen eigenen. Mit dem Debütalbum „Black Sabbath“ und dem nur wenige Monate später erschienenen „Paranoid“ schufen sie das Fundament des Heavy Metal. Doch mit den Jahren fing das Bandgefüge an, Risse zu bekommen. 1979 musste Osbourne die Band verlassen – angeblich weil sein Drogen- und Alkoholkonsum ihn unzuverlässig machte. Ganz endgültig war der Abschied aber nicht. 2013 feierte er seine Rückkehr auf Black Sabbaths letztem Album „13“ und ging 2016 und 2017 mit der Band auf Abschiedstour.
Doch nach dem Rauswurf brach für Osbourne zunächst eine Welt zusammen. Berichten zufolge verschanzte er sich monatelang in einem Hotelzimmer in Hollywood und betäubte sich mit Alkohol und Drogen. Die Wende kam durch Sharon Arden (73), die Tochter des damaligen Black-Sabbath-Managers Don Arden (1926-2007). Sie übernahm sein Management und legte den Grundstein für seine Solokarriere.
Doch auch der Neustart wurde von einer Tragödie überschattet. 1982 starb Osbournes Gitarrist Randy Rhoads (1956-1982). Der Verlust verfolgte ihn jahrelang. Noch Jahrzehnte später gab er an, deshalb Antidepressiva zu nehmen. Im selben Jahr zerbrach auch seine Ehe mit Thelma Riley, mit der er drei Kinder hat. Rückblickend bezeichnete sich Osbourne als „Albtraum“ und gab zu, dass das Scheitern der Ehe allein seine Schuld gewesen sei.
Gewaltausbruch und Erfolg mit „The Osbournes“
Noch im Jahr der Scheidung heiratete er seine Managerin Sharon Osbourne, mit der er die Kinder Aimee (42), Kelly (41) und Jack (40) bekam. Ihre Ehe überstand unzählige Krisen, darunter auch eine der dunkelsten Episoden in Osbournes Leben. 1989 versuchte er unter massivem Alkohol- und Drogeneinfluss, seine Frau zu erwürgen. Er wurde festgenommen und kam unter der Auflage frei, eine Entzugstherapie zu beginnen. Sharon blieb trotz allem an seiner Seite. In seinen Memoiren „Last Rites“ schrieb Osbourne später: „Sharon, es tut mir leid. Und danke, dass du mir noch eine Chance gegeben hast, obwohl fast jeder andere sich von mir abgewandt hätte.“
Es folgten Rehabilitationsprogramme und Rückfälle. Dass die Öffentlichkeit davon erfuhr, lag nicht zuletzt an der MTV-Show „The Osbournes“. Darin lernten die Zuschauer auch die schrullige Seite der Metal-Ikone kennen, seine Probleme mit der Technologie sowie der Hundeerziehung und Osbourne als Familienvater. Die Sendung wurde so berühmt, dass jüngere Generationen ihn nicht mehr als Musiker, sondern als TV-Star kannten, wie Osbourne selbst erzählte.
So stellte er sich sein Grab vor
Auch seine gesundheitlichen Probleme wurden zunehmend Thema. 2003 stürzte er mit einem Quad. In der Folge musste er sich mehreren Operationen unterziehen. 2019 stürzte er, die alten Verletzungen verschlimmerten sich und er musste mehrfach an der Wirbelsäule operiert werden. Ein Jahr später machte er seine Parkinson-Erkrankung öffentlich. Er konnte immer schlechter gehen.
Das hinderte ihn jedoch nicht daran, am 5. Juli 2025 ein Abschiedskonzert mit Black Sabbath zu geben. Im Villa Park in Birmingham nahm er auf einem Thron vor über 40.000 Zuschauern Platz, die ihn ein letztes Mal hochleben ließen. Nur rund zwei Wochen später starb er mit 76 Jahren an einer koronaren Herzkrankheit und Parkinson.
Wie groß sein Einfluss war, zeigte sich auch bei der Trauerprozession. Tausende Fans kamen zusammen, um dem Fürsten der Finsternis die letzte Ehre zu erweisen. Beerdigt wurde er auf dem Familienanwesen in Buckinghamshire. So hatte er es sich gewünscht. „Ich möchte in der Erde begraben werden, irgendwo in einem schönen Garten, mit einem Baum über meinem Kopf. Am liebsten ein Holzapfelbaum, damit die Kinder aus mir Wein machen und sich damit ordentlich betrinken können“, schrieb er Berichten zufolge in seiner Autobiografie „I Am Ozzy“. Weiter teilte er die Vorstellung seiner Grabinschrift: „Wenn ich die Augen schließe, kann ich es schon vor mir sehen: ‚Ozzy Osbourne, geboren 1948. Gestorben, wann auch immer. Er hat einer Fledermaus den Kopf abgebissen.'“
(paf/spot)
Bild: Vor einem Jahr bewegte der Tod von Ozzy Osbourne die Musikwelt. / Quelle: imago/ABACAPRESS / Meng Christophe/ABACA

