Ob am Badesee, im Freibad oder am Strand: Der Bikini gehört heutzutage zum Sommer. Als er vor 80 Jahren, am 5. Juli 1946, vorgestellt wurde, war das allerdings alles andere als selbstverständlich. Der moderne Bikini galt als Provokation und schrieb Modegeschichte.
Bademode war lange unpraktisch
Ganz neu war die Idee eines Zweiteilers nicht. Bereits auf einem Mosaik aus dem dritten oder vierten Jahrhundert nach Christus aus dem antiken Rom sind Sportlerinnen in einer Art Bikini zu sehen. In der modernen Bademode ließ dieser Schnitt jedoch lange auf sich warten. Ende des 19. Jahrhunderts gingen Frauen noch in weiten Hosen, langen Oberteilen oder Baumwollkleidern ins Wasser. Praktisch zum Schwimmen war das kaum.
Einen ersten Impuls für funktionellere Bademode setzte die Australierin Annette Kellerman (1886-1975). Als sie 1907 in einem eng anliegenden Badeanzug schwimmen ging, wurde sie sogar festgenommen. In den 1920er-Jahren wurden Badeanzüge zunehmend kürzer und auch das Nacktbaden verbreitete sich. In Deutschland setzte dem der sogenannte Zwickelerlass von 1932 jedoch ein Ende. Frauen mussten ihren Oberkörper wieder vollständig bedecken.
Kein Model wollte den Bikini tragen
Die eigentliche Geburtsstunde des modernen Bikinis schlug erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich. Gleich zwei Designer arbeiteten an einer neuen Badebekleidung. Jacques Heim (1899-1967) stellte 1946 zunächst einen Zweiteiler namens „Atom“ vor – klein genug, um seinem Namen gerecht zu werden. Berühmt wurde jedoch sein Konkurrent Louis Réard (1896-1984). Er taufte seine Kreation „Bikini“ – in Anlehnung an das Bikini-Atoll im Pazifik, wo die USA im selben Jahr Atomtests durchführten. Der Name sollte ebenso einschlagen wie die Explosionen.
Tatsächlich sorgte der Bikini zunächst für einen Skandal. Kein professionelles Model wollte Réards Entwurf präsentieren. Deshalb stellte am 5. Juli 1946 die französische Striptease-Tänzerin Micheline Bernardini (98) den Zweiteiler im Pariser Bad Molitor der Öffentlichkeit vor. Das erste Modell war mit Zeitungsausschnitten bedruckt – womöglich aus Réards Hoffnung heraus, selbst die Schlagzeilen zu beherrschen.
Filme und Zeitgeist machen den Zweiteiler populär
Bis sich der Bikini durchsetzte, vergingen einige Jahre. Brigitte Bardot (1934-2025) trug bereits 1952 im Film „Sommernächte mit Manina“ einen Bikini. Zum übergreifenden Symbol eines neuen Lebensgefühls wurde der Zweiteiler aber erst in den 1960er-Jahren. Die neue Badebekleidung war ein Ausdruck der gesellschaftlichen Veränderungen sowie der Neuen Frauenbewegung und zeigte sich auch im Kino. Unvergessen bleibt Ursula Andress (90), die 1962 als erstes Bond-Girl in „James Bond – 007 jagt Dr. No“ in einem weißen Bikini mit Messergürtel aus dem Meer stieg. Vierzig Jahre später griff Halle Berry (59) den legendären Auftritt in „James Bond – Stirb an einem anderen Tag“ mit einem orangefarbenen Bikini auf.
Wie jede Mode spiegelte auch der Bikini stets den Zeitgeist wider. In den 1970er-Jahren waren Häkel-Bikinis angesagt, hoch ausgeschnittene Höschen im Fitness-Look bestimmten die 1980er. Ende der 90er entwickelte Anne Cole den Tankini, der in den 2000ern zum ernsthaften Konkurrenten des klassischen Zweiteilers wurde. Heute ist er im Zuge des Y2K-Revivals wieder gefragt. Doch Bikinis löst er so schnell nicht ab. In diesem Jahr sind unter anderem asymmetrische Schnitte, Bikinis mit Perlen und zweifarbige Modelle gefragt.
(paf/spot)
Bild: Bis Bikinis in der Gesellschaft ankamen, verstrich einige Zeit. / Quelle: Szabolcs Takacs / iStock via Getty Images


