Sie wollte eigentlich nur den Müll rausbringen. Doch für Maria Avila endete diese Aktion im Jahr 2020 mit einem Albtraum, der ihr Leben für immer veränderte. Nun hat ein Geschworenengericht in Los Angeles entschieden, dass Sänger Chris Brown (36) für die Folgen aufkommen muss. Die Summe: rund 13 Millionen US-Dollar. Das berichten übereinstimmend US-Medien wie unter anderem das Branchenblatt „Billboard“.
Auf dem Anwesen des Musikers im kalifornischen Tarzana attackierte im Jahr 2020 ein Kaukasischer Owtscharka namens Hades die damals dort beschäftigte Haushälterin. Der Hund brachte laut den Berichten rund 90 Kilogramm auf die Waage. Avila wurde bei dem Angriff schwer verletzt.
Vor Gericht schilderte Avila unter Tränen und mithilfe einer Dolmetscherin auf Spanisch, welche Spuren die Attacke hinterlassen hat. Sie habe ausgeprägte Narben im Gesicht und am linken Arm davongetragen. Für die Rekonstruktion des Arms transplantierten Ärzte Haut aus ihrem Bauchbereich. In ihren Beruf als Haushälterin könne sie nicht zurückkehren, hieß es in der Aussage, da ihr die Armkraft fehle und eine posttraumatische Belastungsstörung ihr die Nähe zu Hunden unmöglich mache.
Tochter des Opfers: „Sie ist nicht mehr dieselbe“
Wie sehr sich das Leben der Frau verändert hat, machte im Prozess auch ihre Tochter Yoseline Espinoza deutlich. Ihre Mutter habe früher „ein Strahlen“ in sich gehabt, sich zurechtgemacht, geschminkt und gestylt, so die Tochter. Nun nehme sie sich dafür keine Zeit mehr, meide die Öffentlichkeit und wolle nicht, dass Menschen ihr Gesicht sehen.
Am Ende des zweiwöchigen Prozesses fiel das Urteil deutlich zugunsten der Klägerin aus. Laut ihrem Anwalt Michael C. Murphy Jr., den das Musikmagazin zitiert, müssen Brown und seine Firma Black Pyramid LLC wegen Fahrlässigkeit 12,9 Millionen Dollar an Maria Avila zahlen. Damit ist es jedoch noch nicht getan: Avilas Schwester Patricia, die zum Zeitpunkt der Attacke ebenfalls im Einsatz war, wurden 885.000 Dollar für seelisches Leid zugesprochen. Avilas Ehemann Oscar Olivo erhielt weitere 50.000 Dollar. Ursprünglich hatte Maria Avila 90 Millionen Dollar gefordert.
Browns Version der Ereignisse
Der Sänger hatte argumentiert, der Hund sei zu Sicherheitszwecken gehalten worden und nicht sein privates Haustier gewesen. In seiner ersten Reaktion auf die Klage machte Brown laut „TMZ“ geltend, Avila habe das Tier provoziert und ihre Verletzungen selbst verursacht. Vor Gericht gab er an, er habe Avila und ihre Schwester vor den Hunden gewarnt und sie angewiesen, nur in Anwesenheit des Sicherheitspersonals nach draußen zu gehen. Beide Haushälterinnen bestritten ein solches Gespräch und verwiesen darauf, dass Sprachbarrieren eine derartige Unterhaltung unwahrscheinlich gemacht hätten.
Besonders schwer könnte für die Geschworenen ein anderer Umstand gewogen haben: Statt selbst den Notruf zu wählen oder sich um Avila zu kümmern, verließ Brown den Ort des Geschehens und fuhr stundenlang umher, während Angestellte die Aufgaben übernahmen. Er habe befürchtet, dass ein „Medienzirkus“ entstehe, wenn seine Stimme im Notruf zu hören sei oder er beim Eintreffen der Polizei anwesend wäre. Vor Gericht beschrieb er, wie er die reglose Avila inmitten von viel Blut vorgefunden habe: „Das Blut hat mich ziemlich geschockt“, sagte er.
(dr/spot)
Bild: Chris Brown hat den Millionenprozess vor Gericht verloren. / Quelle: Imago images/Anadolu Agency / Marcin Nowak





