Adele Neuhauser (67) hat gut lachen. „Die Leute werden mich nicht so schnell los“, sagt sie der Nachrichtenagentur spot on news – und meint das trotz des nahenden Abschieds von ihrer Kultrolle als Bibi Feller im Wiener „Tatort“ ganz ernst. Insgesamt elf Filme in zwei Jahren, ein neuer Zweiteiler in der Pipeline, und nun die Premiere von „Makellos – Eine kurze Welle des Glücks“: Am Mittwoch, 11. März, läuft die BR-Komödie um 20:15 Uhr im Ersten. Nach „Ungeschminkt“ und „Faltenfrei“ ist es bereits die dritte Ausstrahlung eines Films in Folge, den Neuhauser mit Regisseur Dirk Kummer und Drehbuchautor Uli Brée realisiert hat.
Im Zentrum der neuen Geschichte steht Constanze, eine Unternehmerin, die mit ihrem Mann Anton (Ulrich Noethen) ein Trachtengeschäft betreibt. Die Ehe funktioniert – irgendwie. Aber die Leidenschaft ist längst verloren gegangen. Ihre Freundin Karin (Caroline Frank) nimmt die Sache in die Hand und bucht kurzerhand einen Callboy. Constanze flieht peinlich berührt aus der Hotelsuite, trifft dabei aber zufällig Ricardo (Manuel Rubey), der ebenfalls im Escortservice arbeitet. Was folgt, ist mehr als eine Affäre.
Zwei verlorene Seelen, kurz vereint
„Es geht um das Erwachen, um die Frage: War’s das jetzt?“, erklärt Neuhauser. „Wenn sich im Leben eine gewisse Lieblosigkeit einschleicht, man sich selbst und den anderen nicht mehr richtig spürt.“ Ihre Figur entdecke dabei eine Sehnsucht wieder – nach Wahrhaftigkeit, danach, gesehen zu werden. „Zwei verlorene Seelen finden einander – kurz, aber intensiv. Eine kurze Welle des Glücks – und sie war wirklich da, auch wenn sie nicht anhält.“
So leicht der Film daherkommt, so ernst nimmt er seine Figuren. Als jemand die Affäre für eine Erpressung nutzt, gerät Constanzes Welt ins Wanken. Auch ihr Ehemann Anton scheint ein Geheimnis zu verbergen.
Eingespieltes Team, blindes Verständnis
Manuel Rubey (46) als Callboy Ricardo an ihrer Seite zu wissen, sei „wunderbar“ gewesen, sagt Neuhauser. Die beiden kennen sich schon lange, auch aus dem Vorgängerfilm „Faltenfrei“. Diesmal aber sei die Herausforderung eine andere gewesen. „Unsere Szenen waren sehr feinfühlig und leidenschaftlich – was mit Manuel an meiner Seite überhaupt nicht schwerfiel.“
Noch enger ist die Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Uli Brée (geb. 1964), der Neuhauser bereits die Figur der Bibi Fellner im Wiener „Tatort“ auf den Leib geschrieben hatte. „Ich bin wirklich dankbar, dass er sich so festgebissen hat an mir“, sagt sie. Brée schreibe ihr „immer wieder wunderbare Frauenfiguren, komplexe, empfindsame Menschen“. Das Fazit der Darstellerin: „Wir verstehen uns blind – besser könnte es nicht passen.“
„Taschendirndl“ und Tracht mit Haltung
Wer einen Blick auf Constanzes Garderobe wirft, erkennt sofort: kein Dirndlklischee. Die Figur sei „eher wie eine Vivienne Westwood, die es nie ganz geschafft hat“, erklärt Neuhauser. Dennoch ist es eine Frau mit Geschmack, Stil – und einer Sehnsucht nach Individualität, die sich auch in der Kleidung widerspiegelt. Die Kostüme habe sie geliebt.
Eine besonders nette Idee ist das sogenannte „Taschendirndl“. Im Drehbuch stand lediglich „Dirndl to go“ – die Kostümbildnerin erschien damit eines Tages am Set, und alle waren sofort begeistert. „Wir haben alle gesagt: Das muss patentiert werden!“, erinnert sich Neuhauser lachend. Auch ein genderneutrales Dirndl taucht im Film auf – eine Idee, die die Schauspielerin schlicht für überfällig hält: „Man wundert sich fast, dass da vorher niemand draufgekommen ist.“ Privat aber hängt bei ihr kein Dirndl im Schrank – zumindest nicht mehr. „Ich glaub, ich habe das Thema Dirndl mit der Serie ‚Vier Frauen und ein Todesfall‘ genug abgedeckt“, sagt sie über das erfolgreiche Krimiformat, das von 2005 bis 2020 lief. Grundsätzlich findet sie Tracht durchaus praktisch: „Du bist mit einem Griff angezogen.“ Nur der Dirndl-Typ sei sie selbst eben nicht.
„Tatort“-Abschied ohne Trauer
Während sie in „Makellos“ mit viel Leichtigkeit spielt, nähert sich parallel ein anderes Projekt seinem Ende: der Wiener „Tatort“. Die letzten beiden Folgen stehen noch aus. Ein Einschnitt, gesteht sie – aber kein tragischer. „Es war eine bewusste Entscheidung, und die Geschichte hat ihren Bogen.“ Mehr will sie nicht verraten.
(ili/spot)
Bild: „Makellos – Eine kurze Welle des Glücks“ mit Adele Neuhauser als Designerin Constanze Laux. / Quelle: BR/Bavaria Fiction GmbH/Jacqueline Krause-Burberg


