Zurück in die Zukunft der Kunst

München, 28.09.2026 (lifePR) – Die Kunstwelt versucht, sich neu zu erfinden, und entdeckt das, was die Brüder Marco und Raiko Schwalbe bereits 2009 in München und Berlin erfolgreich praktizierten: Kunst als Begegnung statt Distanz, als Ereignis statt Objekt, den Unterschied zwischen Preis und Wert, neue Medien und eine offene Szene statt eines geschlossenen Systems. Während das klassische Galerien- und Messemodell unter wirtschaftlichen und kulturellen Druck gerät, sitzen die Brüder wieder zusammen. Diesmal allerdings mit dem Wissen aus zwei getrennten Karrieren, zahlreichen Messe- und Veranstaltungsformaten und einem Kunstmarkt, der sich grundlegend verändert hat. Die „Wiedervereinigung“ ist deshalb keine Rückkehr in die Vergangenheit. Sie ist die Voraussetzung, um eine Idee von damals für einen zeitgenössischen Markt neu zu denken, der sie heute vielleicht dringender braucht als jemals zuvor.

Es gibt Momente, in denen sich eine alteingesessene Branche so gründlich von sich selbst entfernt hat, dass die Rückkehr zum Ursprung nicht mehr als Nostalgie, sondern als avantgardistischer Akt erscheinen mag. Die Kunstwelt des Jahres 2026 befindet sich in einem solchen Moment. Und inmitten dieses Umbruchs sitzen zwei Brüder wieder an jenem Tisch, an dem sie bereits vor achtzehn Jahren gemeinsam einen Wandel vorweggenommen haben, den die „Big Player“ der Kunstwelt im Jahr 2026 als unumkehrbar erkennen.

Marco und Raiko Schwalbe. München, 2009. STROKE. Ein Name, der damals noch keiner Tradition verpflichtet war, sondern pure Intention transportierte: Kunst nicht als Ware in weißen Räumen zu präsentieren, sondern als Ereignis, als Körperlichkeit, als kollektive Erfahrung. Die Brüder „sammelten“ dafür künstlerische Strömungen ein, die bereits Jahrzehnte im Schatten der Kanonbildung verharrt hatten: Illustration, Neo-Pop-Surrealismus, digitale Kunst, Collage, Folk-Art, Post-Graffiti oder die Ästhetiken von Skateboard- und Surfkultur – und gaben ihnen einen Raum, in dem sie nicht mehr Nische, sondern Narrativ waren. Hunderte Künstler arbeiteten live vor Ort, nicht als Performance im engeren Sinne, sondern als Einladung: Schaut her, so entsteht etwas. Die Grenzen zwischen Schaffen und Betrachten, zwischen Szene und Publikum, zwischen Hoch- und Popkultur lösten sich auf in einer Atmosphäre, die man später vielleicht als neuen Hedonismus bezeichnen würde, die aber damals schlicht die konsequente Antwort auf eine Kunstwelt war, die sich selbst zu ernst genommen hatte. Über achttausend Besucher strömten zur ersten Ausgabe. Fünf Jahre später hatte sich die Zahl bereits fast verdreifacht. STROKE war zu einem Begriff geworden, der den Münchner Kunstkalender neu justierte, Künstlern aus aller Welt eine neue Plattform und einem wachsenden internationalen Publikum eine der ersten Bühnen bot.

Doch die Geschichte von Brüdern, die gemeinsam etwas Großes beginnen, kennt auch die andere Seite: Nach sechs Jahren trennten sich ihre Wege. Marco blieb bei STROKE, Raiko gründete ARTMUC, eine Messe für zeitgenössische Kunst, die sich rasch einen eigenen, renommierten Platz im deutschen Kunstbetrieb eroberte. Beide Projekte gediehen, jedes auf seine Weise, getrennt durch jene stille Konkurrenz, die zwischen verwandten Visionen entsteht, wenn jeder seinen eigenen Weg und seine eigene Sprache finden muss.

Was sie in all den Jahren jedoch nicht verloren haben, war das Gespräch. Und im Jahr 2026 führte genau dieses Gespräch zurück an den Ausgangspunkt – nicht aus Sentimentalität, sondern aus strategischer Notwendigkeit. Denn die Welt, in der STROKE einmal „die Ausnahme“ war, existiert nicht mehr.

Heute erkennen selbst international renommierte Museen wie die Albertina in Wien, das MoMA in New York und San Francisco, die Tate Modern und viele andere die Notwendigkeit, traditionelle Formen der Kunstvermittlung neu zu denken – und unmittelbarer Begegnung, Partizipation und neuen Formen des Zugangs mehr Raum zu geben.

Doch diese „Wiedervereinigung“ ist nicht einfach eine wiederbelebte Geschäftsverbindung. Sie vereint stattdessen, was die Jahre der Trennung hervorgebracht haben: Raikos kuratorische und organisatorische Erfahrung, sein komplexes operatives Netzwerk aus den unterschiedlichsten Kunstveranstaltungsformaten und Marcos Erfahrung mit Marketing, Kommunikationspsychologie und Kulturwandel. Aus dieser Verbindung entsteht etwas, das im gegenwärtigen Kunstmarkt schwerer zu haben ist als Geld oder Ruhm: Flexibilität. Die Freiheit, neue Formate zu erproben, hybride Modelle zu entwickeln, digitale und physische Ebenen zu verknüpfen, kuratierte Tiefe mit populärer Reichweite zu kombinieren – ohne die Last permanenter Institutionen, aber mit der Erfahrung von fast zwei Jahrzehnten erfolgreicher Kulturvermittlung.

Das Galeriemodell, jahrzehntelang das Rückgrat des Kunsthandels, erlebt eine Phase tiefgreifender Neuordnung. Die Expansion der Mega-Galerien, jene globale Vernetzung aus Dependancen in Dubai, Seoul und New York, die großen Künstlerroster und die permanente Präsenz auf internationalen Messen stehen zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Führende Häuser reduzieren ihre Aktivitäten, schließen Standorte oder verkleinern ihre Strukturen. Der Art Basel & UBS Art Market Report 2026 dokumentiert für 2025 zahlreiche Schließungen und Umstrukturierungen im Galeriesektor; zugleich zeigt er, dass der Markt keineswegs einfach kollabiert, sondern sich neu sortiert.

Der Markt hat sich K-förmig auseinanderentwickelt: Oben, in den seltenen Höhen der Auktionshäuser, werden Rekordpreise erzielt; darunter, in der Mitte, jenem Raum, in dem die meisten Künstler tatsächlich leben und arbeiten, wächst der Druck.

Die Gatekeeper verlieren ihr Monopol – doch Gatekeeping verschwindet nicht, es verlagert sich. Instagram und TikTok sind zu neuen Schauplätzen der Entdeckung geworden, persönliche Netzwerke zu den entscheidenden Orten, an denen Aufmerksamkeit, Vertrauen und Zugang entstehen. Die Art Basel & UBS Survey of Global Collecting 2025 zeigt zugleich, dass traditionelle Kanäle keineswegs verschwunden sind: 83 % der befragten HNW-Sammler kauften 2024 bzw. im ersten Halbjahr 2025 über Galerien oder Händler, während 63 % mindestens ein Werk direkt von einem Künstler erworben hatten – gegenüber 27 % im Jahr 2023. Instagram wurde ebenfalls zu einem wichtigen Kaufkanal.

Die Kunstmesse selbst, jahrzehntelang das zentrale Ritual des Kunstjahres, erfährt ihre eigene Konsolidierung. Nach der inflationären Vermehrung der 2010er-Jahre gilt nun das Prinzip der Reduktion. Galerien werden wählerischer, Messen müssen sich beweisen. Der Besucher will nicht mehr das flanierende Abhaken einer endlosen Liste von Destinationen, sondern Tiefe, Dichte, Identität. Die Aufmerksamkeit ist zur knappsten Währung geworden, das Bedürfnis nach Authentizität und lokaler Präsenz dagegen zur dominanten Währung. Realität statt Poliertheit, Zugang statt Schranken, Präsenz statt Archiv – das sind nicht bloß Trends, sondern strukturelle Verschiebungen, die das Fundament dessen verändern, was man bislang unter Kunstvermittlung verstand.

Und über all dem schwebt die größte ökonomische Umschichtung der kommenden Jahrzehnte: ein Vermögenstransfer von mehr als 83 Billionen Dollar zwischen den Generationen. Der aktuelle Art Basel & UBS Art Market Report 2026 verbindet diesen „Great Wealth Transfer“ ausdrücklich mit Veränderungen bei jüngeren Sammlern, ihren Motiven und ihren Formen der Kunstvermittlung.

Die jüngeren Generationen verändern dabei bereits heute die Art des Sammelns. In der Art Basel & UBS Survey of Global Collecting 2025 stellten Millennials und Gen Z 74 % der Befragten; sie zeigten eine größere Bandbreite bei den gesammelten Medien und nutzten zunehmend unterschiedliche Zugänge zum Markt. Durchschnittlich 20 % ihres Vermögens hatten die befragten HNWIs 2025 in Kunst investiert; bei Gen Z waren es 26 %.

Vor diesem Hintergrund erscheint die „Wiedervereinigung“ von Marco und Raiko Schwalbe nicht als Rückschritt, sondern als konsequente Antwort auf eine Frage, deren Tragweite der Markt gerade erst zu begreifen beginnt. Denn was 2009 mit STROKE erfunden wurde – die Inszenierung von Kunst als lebendigem, grenzenlosem, sinnlichem Ereignis – ist in der heutigen fragmentierten, digitalisierten, institutionell überforderten Landschaft relevanter denn je. Die Formel von damals trifft auf einen Markt, der genau danach verlangt: nach Unmittelbarkeit, nach körperlicher Präsenz, nach der Erfahrung von Kultur als etwas, das man nicht besitzt, sondern durchlebt.

Die Brüder kehren damit zu ihrer Ursprungsformel zurück. Aber sie tun es mit dem Wissen um eine Kunstwelt, die sich von Grund auf verändert hat. Was einst intuitiv aus dem Moment heraus entstand, lässt sich heute mit einem erweiterten Verständnis von Markt, Publikum und kulturellem Wandel neu denken. Genau darin liegt die Chance: nicht trotz der Krise, sondern wegen ihr. Denn manchmal ist die Zukunft nicht das, was kommt, sondern das, was man bereits einmal kannte – und nun mit anderen Augen wiedererkennt.

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