Der ehemalige Profifußballer Rúrik Gíslason (38) spricht im von Riccardo Basile (34) moderierten Sky-Format „Meine Geschichte“ über den wohl schwierigsten Moment seines Lebens. Dabei erhebt er schwere Vorwürfe gegen seinen damaligen Klub SV Sandhausen. Er sollte laut eigenen Angaben die Beerdigung seiner Mutter nicht besuchen.
Gíslason, der unter anderem durch die RTL-Show „Let’s Dance“ auch in Deutschland einem breiteren Publikum fernab des Fußballs bekannt wurde, wird von Basile darauf angesprochen, dass seine Fußballerkarriere im Jahr 2020 abrupt geendet war. „Ja, weil meine Mutter damals gestorben ist“, erzählt der 38-Jährige. Das habe ihm die Augen geöffnet, weil er nicht bei seiner Familie sein konnte.
Vertrag wichtiger als die Beerdigung?
Nach dem Ende seines Vertrags mit Sandhausen habe er unter anderem Angebote aus Schweden, Dänemark und Norwegen erhalten, er habe aber nirgendwo unterschreiben können, weil er frei sein wollte. „Ich wollte bestimmen können, ob ich zur Beerdigung meiner Mutter gehe oder nicht“, erzählt er. Genau das sei ihm in Sandhausen verwehrt worden.
Er erinnert sich an den April 2020 zurück. Gíslasons Mutter war an Leukämie erkrankt und er erhielt einen Anruf von seiner Schwester, die ihm sagte, dass seine Mutter wohl nur noch wenige Tage zu leben habe. Wegen der Covid-Pandemie hätten zu diesem Zeitpunkt sowieso keine Spiele stattgefunden und es habe auch kein Training gegeben.
Noch drei bis vier Tage habe er mit seiner Mutter im Hospiz verbringen können. Er habe sogar die Beerdigung mit ihr geplant. Sie habe sich etwa gewünscht gehabt, dass er den Sarg trägt und das habe er seiner Mutter auch versprochen. Plötzlich habe sein damaliger Verein angerufen und ihm gesagt, dass der gebürtige Isländer jetzt nach Deutschland zum Training zurückkehren müsse. Als er entgegnet habe, dass in wenigen Tagen die Beerdigung stattfindet, sei ihm gesagt worden: „Aber du hast hier einen Vertrag.“
Rúrik Gíslason sah ganz alleine die Beerdigung auf YouTube
Daraufhin sei Gíslason nach Deutschland geflogen, weil er keine Wahl gehabt habe. Aus Sorge, was passieren würde, sei er damals nicht in Island geblieben. In Deutschland gebe es im Profifußball „diese Drohungen“. Es drohten Konsequenzen, wenn man nicht einfach „Ja“ sage. Gíslason prangert die fehlende „Menschlichkeit im Fußball“ an, man müsse auch Verständnis für die Gefühle anderer haben. Die Beerdigung seiner Mutter habe er auf YouTube anschauen müssen.
Dort alleine zu sitzen, sei der „vielleicht schwierigste Moment“ seines Lebens gewesen, erzählt Gíslason weiter. Man könne nicht beschreiben, wie man sich in einem solchen Augenblick fühle. Die Entscheidung, zurück nach Deutschland zu fliegen, habe er „natürlich schon ein bisschen bereut“. Aber er glaube nicht, dass seine Mutter dies wollte. Sie habe sich kurz vor ihrem Tod gewünscht, dass er glücklich sei, weil sie es sonst nicht sein könnte.
Schon nach der Trennung von Sandhausen hatte Gíslason scharf seinen Ex-Klub kritisiert. Laut damaligen Berichten ging es in einem Streit der beiden Parteien um einen aus privaten Gründen genehmigten Sonderurlaub und darum, dass sich der Ex-Fußballer geweigert habe, auf einen Teil seines Gehalts zu verzichten. Zudem habe er nicht mehr am Mannschaftstraining teilnehmen dürfen.
„Ich habe den Trainer mehrfach in den Medien gesehen, wie er sagt ich würde in Island Urlaub machen und ich wäre nicht so fit wie die anderen Spieler, weil ich nicht trainieren würde. All das ist Bullshit! Das ist mir wichtig, dass die Menschen das wissen“, erklärte er damals im Gespräch mit „Radio Regenbogen“. „Es zeigt den verdorbenen Charakter, wenn man zur Presse geht und über seine eigenen Spieler lügt. In schwierigen Zeiten sollte man lieber seine Spieler unterstützen, statt die Medien anzulügen.“ Sandhausens damaliger Sportlicher Leiter Mikayil Kabaca entgegnete im Juli 2020: „Wer eine Saison wie Rurik hinter sich hat, sollte besser in sich gehen, als auf diese Weise noch mal gegen seinen Ex-Verein nachzutreten.“ Von Vereinsseite hieß es zudem, Gíslason sei in schlechter körperlicher Verfassung gewesen. Daher sei eine Verletzungsgefahr groß gewesen.
Heute erklärt Gíslason, dass er auch gefragt wurde, ob er wegen der Pandemie auf 20 Prozent seines Gehalts verzichten würde. Er müsse dies nicht tun, aber ihm seien erneut Konsequenzen angedroht worden. Da er wegen der Beerdigung wütend gewesen sei, habe er sich gedacht: „Ich möchte das einfach nicht machen.“ Danach habe er nicht mehr am Mannschaftstraining teilnehmen dürfen und an die Presse sei übermittelt worden, dass er „nicht fit genug“ für ein Training mit den anderen sei.
(wue/spot)
Bild: Rúrik Gíslason spricht über den wohl schwierigsten Augenblick seines Lebens. / Quelle: imago images/BOBO







