Richter Alexander Hold: „Ich bin kein Mensch für den Schaukelstuhl“

Richter Alexander Hold: „Ich bin kein Mensch für den Schaukelstuhl“

Alexander Hold (64) hat neue Fälle verhandelt. Zum 25-jährigen Jubiläum von „Richter Alexander Hold“ hat er den Spielfilm „Der Prozess seines Lebens“ für die Primetime gedreht, dazu 50 neue Folgen für den Vorabend (am 26. Oktober um 20:15 Uhr sowie die neuen Fälle ab 27. Oktober, täglich um 18 Uhr in Sat.1 und auf Joyn). Fremd fühlte sich der Wiedereinstieg nicht an, wie Hold im Interview mit spot on news erzählt.

Hauptberuflich ist er heute Vizepräsident des Bayerischen Landtags, gedreht wurde deshalb in der sitzungsfreien Zeit. Im Gespräch verrät der 64-Jährige, welche ungewöhnlichen Wünsche seine Landtagskollegen nach der Rückkehr äußerten und ob seine gesundheitlich schwierige Zeit bei der Entscheidung eine Rolle spielte.

Nach mehr als einem Jahrzehnt kehren Sie mit „Richter Alexander Hold“ zurück. Wie war das Gefühl, zum ersten Mal wieder hinter dem Richtertisch Platz zu nehmen?

Alexander Hold: Auch wenn das alles schon einige Zeit zurücklag: Der erste Tag auf dem Richterstuhl im TV-Studio war einfach: Coming home! Mit so vielen Aufzeichnungen im Rücken dauerte es dann aber auch keine fünf Minuten und alles war wie immer…

Sie sagen, die Leidenschaft für Gerechtigkeit und die Arbeit vor der Kamera hätten Sie nie verlassen. Warum hat es trotzdem so lange bis zu einem Comeback gedauert?

Hold: Wenn es nach dem Interesse von TV-Sendern gegangen wäre, säße ich schon einige Jahre wieder im TV-Gerichtssaal. Nachdem die gut 2.000 früheren Folgen von „Richter Alexander Hold“ täglich mit steigendem Erfolg gesendet werden, lag es ja nahe, wieder neue Folgen zu produzieren.

Alle mussten aber akzeptieren, dass ich für einen Vollzeit-Job aufgrund meines politischen Engagements nicht mehr zu haben bin. Andererseits hatte ich schon immer ein Faible für Ferienjobs. Ein reizvolles Projekt, das im Abendprogramm startet und eben überschaubaren Aufwand erfordert, konnte ich mir daher durchaus vorstellen. Sat.1 hat mich nun zum 25-jährigen Jubiläum mit einem Primetime-Film geködert und gemeinsam mit der Produktionsfirma zudem alles getan, die Produktion so um meine politischen Termine herum zu organisieren, dass ich nicht eine einzige Sitzung versäume und keines meiner politischen Projekte leidet. Und so haben wir letztlich in der sitzungsfreien Zeit, also quasi in meinen Sommerferien, einen spannenden Film in Spielfilmlänge gedreht und dazu neue Folgen von „Richter Alexander Hold“ für den Vorabend.

Sie nennen die Dreharbeiten einen „Ferienjob“. Ist das tatsächlich so unkompliziert, oder steckt dahinter ein ziemlich straffer Zeitplan?

Hold: Für die Produktionsfirma war das tatsächlich eine Herausforderung. Ich leite eine AG Staatsreform, die auch in den Sommerferien vorankommen sollte, sodass ich selbst in den Schulferien regelmäßig Sitzungen abgehalten habe. An solchen Tagen musste der TV-Gerichtssaal dann eben leer bleiben. Dafür musste das Team dann auch an Samstagen ran. Davor habe ich heute noch großen Respekt.

Was hat Ihnen an der Sendung in all den Jahren am meisten gefehlt und was hat sich am meisten verändert?

Hold: Ach, gefehlt hat mir gar nichts. Ich habe ja eine Aufgabe, die mich voll und ganz ausfüllt, und ein Amt, das keine Langeweile aufkommen lässt. Aber natürlich ist es ein schönes Gefühl, wieder zurück zu sein. Verändert hat sich vor allem der Richter, allerdings nur äußerlich. Denn abgesehen von der Brille und den nahezu vollständig verschwundenen Locken bin ich ganz der Alte geblieben.

Der anhaltende Erfolg zeigt, dass an der Sendung keine gravierenden Änderungen erforderlich sind. Wir könnten ja auch gar nicht den Strafprozess neu erfinden. Schließlich richten wir uns nach der Strafprozessordnung. Und diese Art, spannende Geschichten und die Suche nach der Wahrheit und nach Gerechtigkeit zu erzählen, hat nichts an Aktualität verloren.

Sie haben gesagt, die Menschen suchten heute nach „Klarheit, Haltung und Vertrauen“. Kann eine Gerichtsshow das heute vielleicht sogar stärker vermitteln als früher?

Hold: Es ist zumindest wichtiger geworden. Das Vertrauen vieler Menschen in die Institutionen lässt nach – in die Politik, in Medien und auch in die Justiz. Ich will uns nicht zu wichtig nehmen, aber wenn es weiterhin gelingt, den Menschen am Bildschirm zu zeigen, dass in der Justiz nach bestem Wissen und Gewissen versucht wird, die Wahrheit herauszufinden, unsere gemeinsamen Werte hochzuhalten und den Menschen – Opfern genauso wie den Angeklagten – gerecht zu werden, dann ist doch schon einiges Vertrauen gewonnen.

Könnten Sie sich vorstellen, dass das Comeback noch einmal zu einer längerfristigen TV-Rückkehr wird?

Hold: Ich bin als Abgeordneter gewählt, das hat Vorrang und ich fülle das Amt sehr gern aus. In der sitzungsfreien Zeit zu drehen, war jetzt schon eine starke Beanspruchung und auch eine Zumutung für meine Familie. Andererseits hatte ich schon immer ein Faible für Ferienjobs: ich habe schon als Schüler immer gejobbt, von der Parfümerie bis zum Bierfahrer, vom Möbelpacker bis zum Tapetenvertreter, auf Montage und auf dem Volksfest. Und zum Glück gibt es ja noch viele Ferien…

Gleichzeitig sind Sie Vizepräsident des Bayerischen Landtags. Wie reagierten Ihre politischen Kollegen darauf, dass „Richter Alexander Hold“ nun wieder zurück ist?

Hold: Ich bekomme schon seit Jahren regelmäßig morgens die Rückmeldungen, wer von den Kolleginnen und Kollegen mal wieder nicht schlafen konnte und mir daher nachts auf dem Bildschirm begegnet ist. Lustigerweise war nun die häufigste Frage von Kollegenseite, wann sie denn mal mitspielen könnten. Sogar konkrete Wünsche wurden da geäußert – vom Schöffen bis zum Schwerverbrecher.

Wie schwierig ist es, beide Welten miteinander zu vereinbaren?

Hold: Völlig verschiedene Welten sind das ja gar nicht. Egal ob als Richter in der Justiz, im TV-Studio oder als Vizepräsident im Plenarsaal, meine Aufgabe ist doch überall die Gleiche: Ich sitze vorn, leite die Sitzung und habe für Ordnung und geregelten Ablauf zu sorgen und trotz durchaus anspruchsvoller Klientel habe ich am Ende immer das letzte Wort.

Sehen Sie einen Widerspruch darin, gleichzeitig politischer Amtsträger und Unterhaltungsfigur zu sein?

Hold: Viele Kollegen führen nebenbei ihre Anwaltskanzlei fort oder ihren Handwerksbetrieb oder treten z.B. in einer Soap auf wie unser Ministerpräsident. Da wäre es scheinheilig, einen Widerspruch beim TV-Richter zu konstruieren, zumal das Justizministerium das von Anfang an als Beitrag für das positive Bild der Justiz in der Öffentlichkeit ebenso gewürdigt hat wie der Ministerpräsident mit einem Orden. Bei mir muss sich niemand sorgen, dass die Grenzen verschwimmen oder dass ich meinen Einsatz für die Menschen in der Region und im Landtag reduzieren könnte.

Hinter Ihnen liegt gesundheitlich eine herausfordernde Zeit [Hold machte 2024 eine Prostatakrebserkrankung öffentlich und gilt mittlerweile als krebsfrei, Anm. d. Red]. Hat diese Erfahrung Ihre Entscheidung beeinflusst, noch einmal ins Fernsehen zurückzukehren?

Hold: Natürlich war das ein Abwägungsfaktor. Aber mir geht es gut, sonst würde ich ja kein neues Projekt anpacken. Und die Neugier ist mir geblieben und ich bin kein Mensch für den Schaukelstuhl.

Wie hat sich grundsätzlich Ihr Blick aufs Leben verändert?

Hold: Die Krankheit war nicht der erste Einschnitt, der mir meine Verwundbarkeit bewusst gemacht hat. Ich hatte vor 24 Jahren einen schweren Verkehrsunfall, den ich wundersamerweise überlebt habe. Beide Male bringt das eine andere Perspektive auf die eigene Endlichkeit. Ehrlicherweise verblasst das bei allen alltäglichen Herausforderungen im Laufe der Zeit wieder. Aber ich versuche schon, seitdem etwas gesünder zu leben – was im Politikeralltag nicht so einfach ist.

(jom/spot)

Bild: Alexander Hold kehrt als TV-Richter zurück. / Quelle: Joyn/Becker Films

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