25 Jahre No Angels: Zum großen Bandjubiläum blickt eine dreiteilige Dokuserie auf die bewegte Geschichte der erfolgreichsten deutschen Girlgroup zurück. Ein Jahr lang begleitete ein Kamerateam Nadja Benaissa (44), Lucy Diakovska (50), Sandy Mölling (45) und Jessica Wahls (49) auf dem Weg zu ihrem Jubiläum.
Die erste Folge von „No Angels – Das sind wir“ zeigt das Erste am Samstag, 17. Oktober, um 23:55 Uhr. In der ARD Mediathek sind bereits alle drei Episoden abrufbar. Neben den vier Sängerinnen kommen auch langjährige Weggefährten zu Wort, darunter die ehemaligen „Popstars“-Juroren Simone Angel (54) und Detlef D! Soost (56). Zahlreiche Archivaufnahmen von Proben und Auftritten sowie Interviews mit den damaligen Verantwortlichen lassen die Anfänge und die Karriere der Band noch einmal lebendig werden.
„Ich wollte aus den Mädels Superhelden machen“
Die erste Folge mit dem Titel „Wie alles begann“ führt zurück ins Jahr 2000, als die No Angels in der Castingshow „Popstars“ zusammengestellt wurden. Die damalige Jurorin Simone Angel erinnert sich an ihre großen Ambitionen: „Ich wollte aus den Mädels Superhelden machen.“ Für die frisch gekürten Bandmitglieder ging es anschließend „Schlag auf Schlag“, wie Sandy Mölling erzählt. Wohnungen und Jobs wurden gekündigt, die jungen Frauen zogen gemeinsam ins Bandhaus.
Gemeinsam mit Vanessa Petruo (46) gingen die vier Sängerinnen im November 2000 als Siegerinnen aus der Castingshow hervor. Ihre Debütsingle „Daylight in Your Eyes“ wurde zum Sensationserfolg. Ein Erfolg, der selbst Detlef D! Soost rückblickend noch immer staunen lässt: „Also wenn mir jemand vor 25 Jahren gesagt hätte, du wirst in 25 Jahren zurückschauen und mitverantwortlich dafür sein, dass eine Band eine ganze Generation beeinflusst und unglaublich erfolgreich wird, hätte ich gesagt, glaube ich eher nicht.“
Doch die Dokumentation beleuchtet auch die Schattenseiten des rasanten Erfolgs. Von einer „komplett toxischen Maschinerie“ ist die Rede. Während bei vergleichbaren Formaten heute häufig psychologische Betreuung angeboten wird, waren die jungen Sängerinnen damals weitgehend auf sich allein gestellt. Auch der Umgang mit Lucys Homosexualität sorgte hinter den Kulissen für Konflikte. „Es ist doch nicht wichtig, ob man hetero ist oder nicht – aber damals war es für viele ein Problem“, erinnert sich Simone Angel. Lucy Diakovska selbst wollte aus ihrer sexuellen Orientierung nie ein Geheimnis machen.
Fünftes Mitglied oder ESC
Die zweite Folge mit dem Titel „Die gefallenen Engel“ widmet sich dem vorläufigen Ende der Band im Jahr 2003. Kurz zuvor hatte Jessica Wahls die Gruppe nach ihrer Schwangerschaft verlassen müssen. Aus dieser Erfahrung hat sie eine wichtige Erkenntnis mitgenommen: „Es läuft immer darauf hinaus, dass man sich seinen Wert nicht von außen holen darf und kann. Das funktioniert einfach nicht.“
Beim Comeback 2007 fehlte Vanessa Petruo. Auch in der Dokumentation ist sie lediglich in Archivaufnahmen zu sehen. Nadja Benaissa respektiert ihre Entscheidung: „Das ist ihr Weg, ihre Entscheidung, ihr Leben … und wenn sie doch mal zu ‚Daylight‘ auf die Bühne hüpfen will, ist sie jederzeit willkommen.“
Doch der Neustart verlief nicht wie erhofft. Als die neue Single lediglich Platz vier der Charts erreichte, geriet die Band erneut unter Druck. „Dann war die Entscheidung, entweder wir casten ein fünftes Mitglied, wir gehen zum ESC oder wir werden gedroppt“, erinnert sich Wahls. Die No Angels entschieden sich für den Eurovision Song Contest 2008 in Belgrad – und landeten mit nur 14 Punkten auf Rang 23 von 25, punktgleich mit den beiden Letztplatzierten Polen und Großbritannien.
„Man teilt eigentlich alles miteinander“
Die dritte und letzte Folge mit dem Titel „Immer noch Daylight“ blickt auf eine besonders schwierige Phase in der Bandgeschichte zurück. Im Mittelpunkt steht das Gerichtsverfahren gegen Nadja Benaissa, die 2010 vom Amtsgericht Darmstadt wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Anschließend verließ sie die No Angels. „Ich bereue das sehr“, sagt die Sängerin rückblickend. Inzwischen steht Benaissa wieder im Rampenlicht: Im Frühjahr nahm sie an der RTL-Show „Let’s Dance“ teil, derzeit ist sie bei „Promi Big Brother“ in Sat.1 zu sehen.
Der Tod von Lucy Diakovskas Mutter im Jahr 2020 brachte die vier Sängerinnen wieder zusammen. Ihr Jubiläumsalbum „20“ schaffte es 2021 auf Platz eins der Charts. Dass die No Angels nach all den Höhen und Tiefen noch einmal zueinandergefunden haben, wird in der Dokumentation als „ein richtiges Wunder“ bezeichnet. Sandy Mölling beschreibt das besondere Verhältnis der Bandmitglieder so: „Man liebt sich, man zofft sich, man lacht und weint zusammen. Man teilt eigentlich alles miteinander.“
(ili/spot)
Bild: Eine neue TV-Dokumentation erzählt die Geschichte der No Angels. / Quelle: hr/ARD/MDR, Warner Bros. ITVP Deutschland GmbH





