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Nach über 35 Jahren beim ZDF: Sportkommentator Béla Réthy hört auf

Nach über 35 Jahren beim ZDF: Sportkommentator Béla Réthy hört auf

Béla Réthy (66) macht Schluss. „Ich reise sehr gerne. Ansonsten bin ich der klassische Chiller“, verriet der Sportkommentator 2016 der Nachrichtenagentur spot on news. Dazu bekommt er nach über 35 Jahren beim ZDF nun ausreichend Gelegenheit. Das WM-Halbfinale Frankreich gegen Marokko am heutigen Mittwoch um 20 Uhr wird sein letztes Spiel als Kommentator sein. Fußball-Deutschland verliert damit eine unverkennbare Stimme, die auch einige ihrer ärgsten Kritiker insgeheim vermissen dürften.

Vom Kramer-Assistenten zum Chefkommentator

Auch die Reporter-Legende fing einst klein an, assistierte Rolf Kramer (84) etwa im WM-Finale 1986. Da stellte ihn Kramer auch gleich mal beiläufig der Nation vor: „73. Minute, sagt mir Béla Réthy“, so der Kommentator damals. Wenig später arbeitete Réthy fest beim ZDF. Ab 1996 war er für den Sender durchgehend bis 2018 bei WMs und EMs als Kommentator gesetzt. Von 2012 bis 2018 kommentierte Réthy die Spiele der UEFA Champions League im ZDF sowie jährlich das Finale des Wettbewerbs.

Dabei begleitete er Hochs und Tiefs: Er sah 2014 das furiose 7:1 von Deutschland gegen Brasilien, aber auch das ernüchternde Aus der deutschen Mannschaft in der Vorrunde 2018 in Russland. Die WM in Katar ist nun sein letztes Turnier und für den 66-Jährigen nicht nur sportlich frustrierend. „Lassen Sie es uns zumindest versuchen, auch ein bisschen Spaß zu empfinden“, sagte er noch zur Eröffnungsfeier. Doch das fiel dem Routinier sichtlich schwer.

Kommentier-Stil als häufiger Streitpunkt

In seiner langen Karriere bekam Béla Réthy längst nicht nur Lob für seinen markanten Kommentier-Stil. Einigen agierte er zu wenig emotional, andere mochten seine kehlige Aussprache nicht oder sie kritisierten sein Reaktionstempo. Seit es Social Media gibt hat das nochmal deutlich zugenommen. Das komme „durch die Möglichkeit, seine üble Laune, direkt loswerden zu können“, so Rethy. „Alle Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sind davon betroffen. Das ist ein Zeitgeist oder besser Ungeist, aber es gehört nun mal dazu.“

Kommentatoren-Kollege Marco Hagemann (46) sprach ihm hingegen zuletzt nach dem WM-Achtelfinale Brasilien gegen Südkorea noch ein Lob aus. Hagemann beschrieb Réthy auf Twitter als „sprachlich gewandt“, ohne „übertriebene Schreierei“ oder „Selbstinszenierung“.

Die Entwicklung in den sozialen Netzwerken sei aber gesamtgesellschaftlich „bedenklich“, findet Réthy. Ihm missfalle schon allein der Begriff „haten“ in dem Kontext. „Früher hat man gelernt, dass man nicht hasst, sondern etwas nicht mag oder sich kritisch damit auseinandersetzt. Das ist nicht gut, aber ich kann die Welt ja nicht aufhalten.“ Er lese auch weder bei Facebook noch bei Twitter die Kommentare. „Über die sendereigenen Accounts bekomme ich es manchmal mit, intellektuell bin ich damit aber überfordert“, so der Reporter.

Réthys Rundumschlag bei „One Love“-Debatte

In die Debatte um die „One Love“-Armbinde brachte der Sportjournalist sich dagegen nochmal lautstark ein. Das Einlenken der Verbände gegenüber der Fifa nannte er in einem ZDF-Kommentar eine „erbärmliche Reaktion“. Drohende Sanktionen seitens des Weltverbands ließ er nicht als Begründung gelten. „Dass Proteste zwangsläufig weh tun müssen, liegt in der Natur der Sache. Sonst wären es ja keine Proteste“, so Réthy.

„Wieder ist eine Chance vertan worden, konsequent gegen diesen Machtapparat Widerstand zu leisten. Was würde geschehen, wenn sich mehrere Mannschaften durch erlittene Strafen selbst spielunfähig machen? Das wäre dann das Ende dieses monströsen, selbstgefälligen Apparats“, kommentierte er.

„Der Fußball könnte sich neu organisieren – und dann sprächen wir am Ende von einer großartigen WM. Von Katar als der Mutter der Veränderungen.“ Das ist es nun zum Abschluss seiner Karriere doch nicht geworden.

Hintertür für ein Comeback?

Vielleicht geht die Geschichte des Béla Réthy aber auch nochmal nachträglich in die Verlängerung. „Wenn ich mal ein bisschen Zeit habe und mich mit einem Glas Wein, einem guten Buch oder Film in einer schönen Gegend aufhalten kann, bin ich sehr zufrieden“, sagte er zwar einst spot on news. Wenn Fußball-Deutschland Glück hat, wird ihm das irgendwann aber doch noch langweilig.

„Ich habe mein ganzes Leben nie nichts getan“, sagte der Kommentator der Zeitung „Der Westen“ zu seinem Abschied. Er müsse sehen, ob er das noch lernen könne. „Wenn mir dann zu langweilig wird, kann ich gerne noch mal darüber nachdenken, irgendwo weiterzumachen“, so der ZDF-Redakteur.

Am heutigen Mittwoch feiert er auch seinen 66. Geburtstag. Und da fängt laut Udo Jürgens das Leben ja bekanntlich erst an.

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