Jahrzehntelang verkörperte Sylvester Stallone (80) auf der Leinwand den nahezu unverwundbaren Actionhelden. Nun hat der „Rocky“- und „Rambo“-Star ungewöhnlich offen darüber gesprochen, welchen Preis er für seinen Körper und dieses Image zahlte. In einem Interview mit der „New York Times“ berichtete Stallone, während der Dreharbeiten zu „Rocky III“ an Bulimie gelitten zu haben.
Sein Körper sei für ihn zur „Rüstung“ geworden, der Wunsch nach extremer Fitness schließlich zur Obsession. Außerdem sprach er über Steroide und Angstattacken, die ihn über Jahre immer wieder heimsuchten.
Mit solchen Erfahrungen ist Stallone unter den großen Action-Ikonen seiner Generation nicht allein. Auch Arnold Schwarzenegger, Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren haben im Laufe der Jahre offen über Selbstzweifel, psychische Belastungen und persönliche Krisen gesprochen.
Arnold Schwarzenegger sah im Spiegel vor allem Fehler
Ausgerechnet Arnold Schwarzenegger (79), dessen Körper Stallone in dem neuen Interview ausdrücklich als Gegenentwurf zu seinem eigenen Ideal erwähnt, kämpfte trotz sieben Mr.-Olympia-Titeln mit erheblichen Zweifeln an seinem Aussehen. „Ich habe nie Perfektion gesehen“, sagte Schwarzenegger 2017 im Interview mit „Cigar Aficionado“. Selbst nach gewonnenen Wettbewerben habe er in den Spiegel geschaut und sich gefragt, wie dieser Körper überhaupt habe gewinnen können.
Er habe stets „eine Million Dinge“ gefunden, die ihm an sich nicht gefielen und daraus wiederum Motivation fürs Training gezogen. Eine psychische Erkrankung beschrieb Schwarzenegger damit nicht, wohl aber ein überraschend negatives Selbstbild hinter der scheinbar grenzenlosen körperlichen Selbstsicherheit.
Jean-Claude Van Damme sprach über bipolare Erkrankung und Kokain
Sehr viel weiter gingen die persönlichen Probleme von Jean-Claude Van Damme (65). Der „Bloodsport“- und „Universal Soldier“-Star sprach bereits Ende der 1990er-Jahre offen über Kokainmissbrauch und starke Stimmungsschwankungen. Nach eigenen Angaben wurde bei ihm eine manisch-depressive Erkrankung diagnostiziert, die heute als bipolare Störung bezeichnet wird.
Van Damme erzählte damals auch, dass er jahrelang versucht habe, seine psychischen Tiefs durch extremes Training auszugleichen. Später sprach er über eine Phase seines Lebens, in der Drogen und persönliche Krisen seine Karriere beinahe zerstört hätten.
Dolph Lundgren verlor zeitweise die Hoffnung
Auch Stallones „Rocky IV“-Gegenspieler Dolph Lundgren (68) spricht inzwischen offen über Zeiten, in denen hinter der muskulösen Fassade wenig von der scheinbaren Unverwundbarkeit übrig war. In seinen Memoiren „Fights Worth Fighting“ und aktuellen Interviews erzählt der Schwede von einem gewalttätigen Vater und davon, wie sehr ihn diese Kindheit geprägt habe. Das offene Reden darüber empfinde er heute als „therapeutisch“.
Besonders dunkel wurde es während Lundgrens jahrelanger Krebserkrankung. Als ihm zeitweise nur noch wenige Jahre Lebenszeit prognostiziert wurden, verlor er nach eigener Darstellung beinahe jede Hoffnung und beschäftigte sich auch mit dem Gedanken an Suizid beziehungsweise assistierten Suizid. Nach einer neuen medizinischen Einschätzung und einer anderen Behandlung änderte sich seine Situation grundlegend; Ende 2024 erklärte Lundgren, krebsfrei zu sein.
Auch jüngere Action-Helden sprechen offen über Probleme
Die Offenheit der alten Action-Garde findet inzwischen auch bei der nächsten Generation ihre Fortsetzung. Dwayne „The Rock“ Johnson (54) sprach 2023 etwa über gleich drei depressive Phasen in seinem Leben. Dave Bautista (57), ebenfalls ehemaliger Wrestler und späterer Actionstar, machte seine starke soziale Angst öffentlich und erklärte, öffentliche Auftritte und lange Pressetermine seien für ihn bis heute belastend. Und auch „Reacher“-Star Alan Ritchson (43) spricht offen über seine bipolare Erkrankung und frühere Suizidgedanken.
Mit seinen aktuellen Aussagen über Bulimie, Ängste und seinen obsessiven Umgang mit dem eigenen Körper ist Stallone unter seinen Action-Kollegen also längst kein Einzelfall.
Hilfe bei Suizidgedanken: Wer selbst Suizidgedanken hat oder Angehörige und Freunde in einer Krise unterstützen möchte, findet Hilfe bei der Telefonseelsorge. Sie ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800/111 0 111, 0800/111 0 222 und 116 123.
(dr/spot)
Bild: Dolph Lundgren, Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und Jean-Claude Van Damme bei der Premiere von „The Expendables 2“ im Jahr 2012. / Quelle: imago/ABACAPRESS / Favier Laurene/ABACA






