Fast 30 Jahre nach den tödlichen Schüssen auf Tupac Shakur muss sich erstmals ein Angeklagter dafür vor Gericht verantworten. Am Montag hat am Clark County District Court in Las Vegas die Auswahl der Geschworenen im Verfahren gegen Duane „Keffe D“ Davis (63) begonnen, wie unter anderem der britische „Independent“ berichtet. Die Anklage lautet auf Mord mit einer tödlichen Waffe, begangen in der Absicht, eine kriminelle Gang zu fördern und zu unterstützen. Davis wurde 2023 festgenommen und hat sich für nicht schuldig erklärt.
Den Vorsitz führt Richterin Carli Kierny, angesetzt ist das Verfahren auf rund einen Monat. Sitzplätze im Saal sind knapp, über sie entscheidet ein tägliches Losverfahren. In einem Raum im zweiten Stock des Gerichtsgebäudes wird die Verhandlung zusätzlich live übertragen.
Die Nacht vom 7. September 1996
Am Abend des Anschlags saß Shakur, als 2Pac einer der einflussreichsten Rapper überhaupt, auf dem Beifahrersitz eines schwarzen BMW. Neben ihm Musikmogul Marion „Suge“ Knight, das Ziel war der Club 662, wo Shakur auftreten sollte. Ein weißer Cadillac zog neben den Wagen, dann fielen Schüsse. Shakur wurde mehrfach getroffen und starb sechs Tage später. Knight überlebte.
Jahrelang kam der Fall nicht voran. Bewegung brachten ausgerechnet öffentliche Äußerungen von Davis und dessen Memoiren „Compton Street Legend“. Zur Tatzeit führte er die Gang der South Side Compton Crips an.
Wer abdrückte, klärt der Prozess wohl nicht
Dass Davis selbst geschossen habe, behauptet die Staatsanwaltschaft nicht. Sie will nachweisen, dass er die entscheidenden Anweisungen gab und die Tatwaffe besorgte. In seinem Buch schildert Davis, wie er eine Handfeuerwaffe von einem Bekannten bekam und sie auf die Rückbank des Cadillac warf. Wer sie am Ende benutzte, lässt er offen.
Als mutmaßlicher Schütze galt lange sein Neffe Orlando „Baby Lane“ Anderson. Angeklagt wurde er nie. Zwei Jahre nach Shakur starb Anderson bei einer Schießerei in Compton, die mit dem Fall nichts zu tun hatte. Auch Deandrae „Freaky“ Smith und Terry „Bubble Up“ Brown, die ebenfalls im Cadillac saßen, sind inzwischen tot.
35 bis 45 Zeugen auf der Liste
35 bis 45 Zeugen erwartet die Anklage laut „Independent“. Geladen sind unter anderem Angehörige des Rappers, Weggefährten beider Seiten und Oscar Goodman, der frühere Bürgermeister von Las Vegas. Aufrufen wird das Gericht längst nicht alle: Manche Namen dienen den Anwälten nur dazu, mögliche Geschworene nach Vorwissen zu befragen.
Aufgerufen werden soll etwa Leonard Jefferson, der mit seinem Wagen neben dem BMW hielt und das letzte bekannte Foto von Shakur schoss. Belastend könnte Denvonta Lee werden, der den South Side Crips nahestand. In der Tatnacht war er nicht dabei, vor der Grand Jury sagte er dennoch aus: Anderson habe kein freies Schussfeld gehabt, deshalb habe Smith die Waffe genommen und gefeuert. Das Kommando habe Davis geführt.
Sagt Suge Knight aus?
Suge Knight verbüßt in Kalifornien eine 28-jährige Haftstrafe wegen Totschlags. Im Januar 2015 hatte er vor einem Burger-Imbiss in Compton zwei Männer mit seinem Wagen überfahren, einer von ihnen starb. Aussagen will Knight nach eigenen Angaben nicht. Er ist der einzige noch lebende Insasse des BMW, in dem Shakur in der Tatnacht saß. Davis‘ Verteidiger Michael Sanft sagte laut Medienberichten, Knight wäre ein guter Zeuge für die Verteidigung, sollte er denn aussagen.
Spekuliert wird auch über Sean „Diddy“ Combs, der derzeit eine vierjährige Haftstrafe in New Jersey wegen Prostitutionsdelikten verbüßt. In seinem Buch behauptet Davis, Combs habe Knight und Shakur tot sehen wollen und ihm Geld für die Tat angeboten. Combs bestreitet jede Beteiligung an den Schüssen. Auf einer Zeugenliste taucht sein Name nicht auf.
(mia/spot)
Bild: Der Mord an Tupac Shakur beschäftigt fast 30 Jahre später wieder ein Gericht. / Quelle: imago/MediaPunch




