Es ist eine der umstrittensten „Tatort“-Folgen der langen Geschichte der Krimireihe. In „Reifezeugnis“ aus dem Jahr 1977, den der deutsche Star-Regisseur Wolfgang Petersen („Das Boot“, 1941-2022) inszeniert hat, ist die zu Drehbeginn erst 15-jährige Nastassja Kinski (65) mehrmalig unbekleidet zu sehen. Jetzt erklärte eine NDR-Sprecherin auf Anfrage der „Bild“-Zeitung, dass eine Ausstrahlung des kontroversen Kriminalfalls „aktuell nicht vorgesehen“ ist.
Wim Wenders zieht „Falsche Bewegung“ aus Distribution zurück
Nastassja Kinski stand in den vergangenen Tagen im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit. Denn der deutsche Regisseur Wim Wenders (80) hatte am 3. Juni bekannt gegeben, dass er seinen Film „Falsche Bewegung“ aus dem Jahr 1975 vorerst aus dem Verkehr zieht. Die gemeinnützige Wim Wenders Stiftung, der das Werk gehört, hat Streaming-, TV- und Vertriebspartner angewiesen, ihn nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen. Auslöser ist der erneute Streit um eine Nacktszene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski, die die Stelle entfernt haben möchte.
Wenders bat in dem Statement die Schauspielerin um Entschuldigung. „Als einziger der damals für ‚Falsche Bewegung‘ handelnden Verantwortlichen, der noch da ist, sehe ich, dass Nastassja Kinski damals hätte besser beschützt werden müssen“, erklärte Wenders. „Dafür bitte ich Dich um Entschuldigung, Nastassja, ohne Wenn und Aber.“
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Reaktion von Nastassja Kinski
Nastassja Kinski meldete sich im Anschluss selbst auf Instagram dazu zu Wort. „Es war nicht leicht, aber seit Langem fällig“, schrieb sie. In ihrem Post machte Kinski deutlich, wie lange sie auf eine private Einigung gehofft hatte – und wie tief die Enttäuschung trotz allem sitzt. Sie sei „lange ruhig und geduldig“ geblieben, habe auf einen „gerechten Dialog“ mit Wenders gesetzt. Doch der Regisseur habe ihrem Anliegen keine Beachtung geschenkt: „Er nahm mich nicht ernst, er nahm meine Bitte nicht ernst, nicht für voll, weil ich damals 13 Jahre alt war.“ Aber gerade das, so Kinski, sei doch der Grund, wieso er hätte handeln müssen. Wenders sei der Einzige, der für die Korrektur des Films, der ironischerweise auch noch „Falsche Bewegung“ heißt, verantwortlich ist.
Skandal um „Tatort: Reifezeugnis“
Im „Tatort: Reifezeugnis“ spielte der 2023 verstorbene Christian Quadflieg einen Lehrer, der eine von Nastassja Kinski gespielte, minderjährige Schülerin missbraucht. Schon 2024 hatte der bekannte Medienrechtler Christian Schertz gegenüber dem „Spiegel“ erklärt: „Nastassja Kinski war damals faktisch ohne Begleitung am Set, als die Szenen gedreht wurden.“ Eine rechtswirksame Einwilligung als Minderjährige sei somit ausgeschlossen.
In der aktuellen Erklärung der NDR-Sprecherin heißt es nun: „‚Tatort: Reifezeugnis‘ ist vom NDR bereits im Jahr 2024 bis auf Weiteres für die Ausstrahlung in der ARD gesperrt worden und wurde auch auf allen Streamingplattformen offline gestellt. Eine Ausstrahlung ist aktuell nicht vorgesehen.“
(lau/spot)
Bild: Nastassja Kinski und Christian Quadflieg bei der Produktion von „Tatort: Reifezeugnis“. / Quelle: imago/United Archives/Roba Siegfried Pilz




