Mentale Krisen auf Kinder- und Jugendreisen: Betreuungspersonen brauchen Handlungssicherheit

Berlin, 14.10.2026 (lifePR) – Während einer Jugendreise zieht sich ein Jugendlicher zunehmend aus der Gruppe zurück. Am Abend vertraut er sich schließlich einer Betreuerin an. Er erzählt von großen Problemen, die ihn schon länger belasten. Er schlafe kaum noch, fühle sich mit allem überfordert und habe zunehmend das Gefühl, allein nicht mehr weiterzukommen.

Solche Situationen sind nicht immer leicht einzuschätzen: Welche Veränderungen im Verhalten sind Warnsignale? Reicht es, zuzuhören und für den Jugendlichen da zu sein, oder handelt es sich um eine akute Krise? Wo liegen die Grenzen der eigenen Verantwortung, wann müssen weitere Personen einbezogen werden und wann ist professionelle Unterstützung notwendig?

Das BundesForum Kinder- und Jugendreisen e. V. sieht einen wachsenden Bedarf an Orientierung und Qualifizierung. Betreuer*innen sind keine Therapeut*innen und sollen diese Rolle auch nicht übernehmen. Sie brauchen jedoch grundlegendes Wissen, Handlungssicherheit und klare Strukturen, damit sie schwierige Situationen erkennen, angemessen reagieren und Unterstützung hinzuziehen können. Dazu gehört auch, die eigenen Grenzen und Belastungen wahrzunehmen.

„Wer Verantwortung für junge Menschen übernimmt, darf in schwierigen Situationen nicht allein gelassen werden. Betreuungspersonen brauchen eine gute Vorbereitung, klare Zuständigkeiten und verlässliche Ansprechpersonen. Gleichzeitig müssen sie wissen, wo ihre Verantwortung endet und professionelle Unterstützung notwendig wird“, betont Dennis Peinze vom BundesForum Kinder- und Jugendreisen.

Veranstalter und Träger stehen in der Verantwortung
Der Umgang mit psychischen Belastungen ist keine Aufgabe, die bei einzelnen Betreuungspersonen liegen darf. Veranstalter und Träger sind gefordert, ihre Teams organisatorisch abzusichern und für den Krisenfall vorzusorgen. Entscheidend ist, dass nicht erst in einer schwierigen Situation geklärt werden muss, wer Entscheidungen trifft, welche Schritte eingeleitet werden und welche externen Hilfsangebote zur Verfügung stehen.
Diese Verantwortung endet nicht mit der akuten Situation. Belastende Erlebnisse können auch nachwirken. Austausch und gemeinsame Nachbereitung helfen, Erlebtes einzuordnen und Erfahrungen für zukünftige Reisen zu nutzen. Gleichzeitig gilt: Nicht jede psychische Belastung lässt sich im Vorfeld erkennen oder während einer Reise auffangen. Kinder- und Jugendreisen können und sollen keine professionelle psychologische Versorgung ersetzen.

Erfahrungen bündeln und Ansätze weiterentwickeln
Das BundesForum Kinder- und Jugendreisen bringt den Umgang mit psychischen Belastungen in den fachlichen Austausch der Branche ein. Gemeinsam mit Mitgliedern, Fachleuten und weiteren Akteur*innen werden Erfahrungen aus der Praxis gebündelt, offene Fragen identifiziert und bestehende Ansätze weiterentwickelt. Ziel ist es, das Thema langfristig in der Qualitätsentwicklung des Kinder- und Jugendreisens zu verankern.

Dazu findet am 7.- 8.12.2026 in Kassel die Fachtagung „Gemeinsam stark in herausfordernden Situationen – Psychische Belastungen und mentale Krisen bei Kinder- und Jugendreisen professionell begleiten“ statt. Expert*innen und Teilnehmende aus der Praxis diskutieren dort konkrete Herausforderungen und erarbeiten gemeinsam Lösungsansätze.

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