Mit 59 Jahren läuft Kai Pflaume Marathons in unter 3:30 Stunden, moderiert an fünf Abenden pro Woche und sieht seinem 60. Geburtstag bemerkenswert gelassen entgegen. „Ich glaube, da muss ich mir keine Sorgen machen“, lacht der Moderator im Interview. Als Markenbotschafter von Procter & Gamble spricht Pflaume im Rahmen der Kampagne „Wo Qualität zu Hause ist“ zudem über Qualität als Versprechen – einen Anspruch, der für Konsumgüter ebenso gilt wie für Fernsehshows und den eigenen Lebensstil.
Was verstehen Sie persönlich unter Qualität – ganz unabhängig von Werbebotschaften und Kampagnen?
Kai Pflaume: Qualität bedeutet für mich, dass ich mich auf das, was jemand oder ein Produkt verspricht, verlassen kann. Das ist der einzig entscheidende Punkt. Qualität ist also ein Versprechen und dieses Versprechen muss eingelöst werden, denn sonst geht das Vertrauen verloren und man entscheidet sich anders – egal, worum es sich dabei handelt.
Auch „Made in Germany“ ist ein Versprechen, das noch immer für Innovation, für Qualität und ein hohes Maß an Ingenieurskunst steht. In meiner Rolle als Markenbotschafter von Procter & Gamble beobachte ich, dass viele nicht wissen, dass der Großteil der Produkte eben „Made in Germany“ ist. Daher darf man da gerne immer wieder darauf hinweisen. Es wird zu wenig darüber berichtet, wie produktiv und innovativ der Standort Deutschland ist.
Wenn Qualität für Sie bedeutet, ein Versprechen einzulösen: Gilt das auch für Sie selbst? Viele sehen Sie als verlässlich, diszipliniert und bodenständig. Ist das eher Kompliment oder Verpflichtung?
Pflaume: Wenn Menschen mir sagen, dass ich für sie ein Vorbild bin, sehe ich das durchaus als Kompliment. Wer mir auf meinen verschiedenen Social-Media-Kanälen folgt, wird feststellen, dass ich ja nicht daherkomme und sage: „Du musst das so machen“, „Ernähre dich so“, „Trainiere so“ oder „Du kannst es schaffen“. Ich dokumentiere einfach bestimmte Teile meines Lebens. Wenn sich Menschen daran orientieren und etwas Positives daraus mitnehmen, finde ich das natürlich wunderbar.
Wenn mir jemand schreibt, dass er auf Social Media gesehen hat, dass ich gerade laufen war und ihn das dann dazu motiviert hat, selbst vom Sofa aufzustehen und nochmal die Laufschuhe zu schnüren, ist das doch super. Jemand sagte mir neulich, er habe, seitdem er mir folgt mit dem Laufen angefangen und habe vor Kurzem seinen ersten Marathon absolviert – da bekomme ich natürlich Gänsehaut. Wenn die Möglichkeit besteht, Menschen zu mehr Bewegung zu motivieren, ist das nichts Schlechtes. Aber wie gesagt, am Ende ist es eine freie Entscheidung, die jeder für sich treffen kann.
Sie stehen seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit. Wenn Sie auf Ihr jüngeres Ich blicken: Was hat sich an Ihnen am stärksten verändert?
Pflaume: Ich habe mich natürlich weiterentwickelt. Mit der Zeit beginnt man, die Dinge unaufgeregter zu betrachten, und lernt, dass es auch Punkte gibt, die sich sogar von allein erledigen. Was zunächst wie ein Riesenproblem erscheint, ist am nächsten Tag gar nicht mehr problematisch. Das Bewusstsein ändert sich und es stellt sich eine gewisse Grundruhe ein. Das ist definitiv etwas, was ich im Laufe der Jahre gelernt habe.
Mit „Wer weiß denn sowas?“ erreichen Sie Abend für Abend ein Millionenpublikum. Was, glauben Sie, macht den anhaltenden Erfolg der Sendung aus?
Pflaume: „Wer weiß denn sowas?“ ist ein gutes Beispiel für Verlässlichkeit. Wir geben ein Versprechen ab und das halten wir an fünf Abenden der Woche um 18 Uhr. Wenn die Zuschauerinnen und Zuschauer einschalten, dann wissen sie, was sie erwartet. Sie können gemeinsam mit den Teams knobeln und mitraten: Entweder fühlt man sich dabei unglaublich schlau oder herrlich überrascht. Beides macht Spaß! „Wer weiß denn sowas?“ ist aber nicht nur gute Unterhaltung, sondern man lernt auch immer etwas dazu. Gerade dieser Mehrwert ist es, warum Quizshows in Deutschland so erfolgreich sind. Wenn man ein Quiz schaut, ist das keine vertane Zeit, denn daraus nimmt man ja etwas in den Alltag mit. Das ist gewissermaßen eine Art Qualitätsversprechen.
Sie hatten bereits viele prominente Gäste in Ihrem Quiz. Wen würden Sie besonders gern noch einmal oder zum ersten Mal in der Sendung begrüßen?
Pflaume: Über die Jahre ist, sowohl bei „Wer weiß denn sowas?“, aber auch bei „Klein gegen Groß“, eine ganz illustre Liste von prominenten Gästen zu Besuch gewesen. Einige von ihnen waren schon mehrfach da, weil es immer großen Spaß mit ihnen macht oder unser Publikum sie besonders liebt. Natürlich fehlen aber noch ein paar, Jürgen Klopp zum Beispiel. Dabei wäre er sicherlich für beide Sendungen ein prädestinierter Gast. Oder Herbert Grönemeyer, ein toller Mensch, über den es in der ARD-Mediathek eine wunderbare Dokumentation zu seinem 70. Geburtstag gibt, war auch noch nicht da. Bei „Wer weiß denn sowas?“ hatten wir sehr viele Prominente, die sich bei uns das erste Mal überhaupt, als Gast in eine Unterhaltungsshow getraut haben. Ich sage den Gästen dann immer, dass man nicht überall hinkommen muss und dass es mir persönlich schon ausreicht, dass sie in unserer Sendung waren. (lacht)
Im nächsten Jahr werden Sie 60. Ist das für Sie einfach nur eine Zahl – oder löst dieser Geburtstag doch etwas in Ihnen aus?
Pflaume: Ich neige überhaupt nicht dazu, mich mit kommenden Geburtstagen zu beschäftigen. Ich bin jetzt 59 Jahre alt und ich glaube, es geht vielmehr darum, zu schauen, wie die aktuelle körperliche Verfassung ist, als auf die Zahl selbst. Wie ist der eigene Gesundheitszustand? Wie ist die Leistungsfähigkeit? Ich glaube, da muss ich mir keine Sorgen machen und hoffe, dass das auch so bleibt und ich diese Leistungsfähigkeit lange erhalten kann.
Sie begegnen dem Älterwerden mit viel Energie. Vor Kurzem sind Sie den London-Marathon in starken 3:18 Stunden gelaufen – was bedeutet Ihnen diese Leistung persönlich?
Pflaume: Die Vorbereitung auf den London-Marathon war für mich nochmal etwas ganz Spezielles, denn ich hatte mir ein klares Ziel gesetzt: Ich wollte meine bisherige Bestzeit verbessern und unter 3 Stunden 30 laufen. Dafür habe ich zusammen mit meinem Coach einen Plan aufgestellt und mich dann vier Monate auf den London-Marathon vorbereitet. Ich habe intensiv – teilweise sechs Tage die Woche – trainiert, um am Tag des Marathons topfit, verletzungsfrei und hoffentlich gesund an der Startlinie zu stehen.
Eine Garantie dafür gibt es nicht, aber Training und eine gute Vorbereitung sind wichtige Voraussetzungen dafür, denn sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es am Ende gelingt. An den Zwischenergebnissen im Training kann man meist schon sehen, ob sich das alles in die richtige Richtung bewegt. Vier Wochen vor dem London-Marathon bin ich in Berlin einen Halb-Marathon gelaufen – auch das hat schon sehr gut funktioniert. Und am Ende habe ich mein mir gestecktes Ziel durchaus noch um einiges übertroffen. Es ist ein tolles Gefühl, aus etwas herauszugehen und zu merken, dass der Körper leistungsfähig ist und man ihn auf bestimmte Ergebnisse auch hinführen kann. Trotzdem wird es keine weitere Jagd nach Bestzeiten geben, weil das nicht mein Hauptziel ist. Mein Ziel ist es, gesund zu sein und weiterhin verletzungsfrei und körperlich leistungsfähig zu bleiben. Jetzt beginnt für mich die Phase des Leistungserhalts.
(obr/spot)
Bild: Kai Pflaume gehört zu den beliebtesten Fernsehmoderatoren Deutschlands. / Quelle: martinjoppen.de


