Jürgen Prochnow (85) kann auf eine lange Film- und Fernsehkarriere zurückblicken. Bezeichnend, dass er bereits vor exakt 45 Jahren in Wolfgang Petersens Meisterwerk „Das Boot“ als „Der Alte“ tituliert wurde. Beim Werdegang des deutschen Schauspielexports fällt vor allem eines auf: Ob als knurriger „Herr Kaleun“, als fieser Diktator in „Air Force One“ oder in so unsäglichen Produktionen wie Uwe Bolls (60) „House Of The Dead“ – Prochnow ließ sich in all den Jahren nie auf eine bestimmte Rolle festnageln. Und das ist bis heute so. Zu seinem 85. Ehrentag am 10. Juni sollen seine interessantesten Rollen und sein Weg nach Hollywood noch einmal abgeschritten werden.
Vom Laien zum Profi
Der 1941 in Berlin geborene Jürgen Prochnow musste nicht lange nach seiner Leidenschaft im Leben suchen. Bereits während der Schulzeit trat er in ersten Laienspielgruppen auf. Die Eltern wünschten sich aber zunächst eine handfeste Rücklage zu dieser „brotlosen Kunst“, Prochnow begann eine Ausbildung zum Bankkaufmann.
Aber auch diese konnte ihn nicht so ganz von seiner Passion abbringen. Als Statist und Beleuchter arbeitete er nebenher im Düsseldorfer Schauspielhaus. Nach der Ausbildung ging es für ihn folgerichtig gleich wieder auf die Schulbank: Von 1963 bis 1966 studierte er das Schauspielfach, spätere Engagements führten ihn auf die Theaterbühnen von Osnabrück, Aachen, Heidelberg und Bochum.
Anfänge im Fernsehen
Wie nicht unüblich, startete auch Prochnow nach der Bühnen- und vor der Kinokarriere im Fernsehen durch. Das Fernsehdebüt erfolgte 1970 mit „Der Unternehmer“. Unter Wolfgang Petersens Regie schaffte er es drei Jahre später in die „Tatort“-Episode „Jagdrevier“.
Aus diesem Gespann sollte in den kommenden Jahren eines der produktivsten deutschen Duos werden. Ob in Petersens erstem Kinofilm „Einer von uns beiden“ von 1974, seinem Skandalstreifen „Die Konsequenz“ oder in den eingangs bereits erwähnten Filmen „Das Boot“ und „Air Force One“: Petersen und Prochnow bildeten, wie etwa Tim Burton und Johnny Depp oder Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio Jahre später, eine nicht zu trennende Regisseur-Schauspieler-Kombo.
In den 1980er Jahren spielte Prochnow in David Lynchs Sci-Fi-Epos „Der Wüstenplanet“ mit und war der Gegenspieler von Eddie Murphy in „Beverly Hills Cop 2“. Ein Jahrzehnt später durfte er sich im Thriller „Body of Evidence“ an der Seite von Madonna, im Oscar-prämierten Drama „Der englische Patient“ und etwa zeitgleich in „Judge Dredd“ mit Sylvester Stallone beweisen. Mit Stallone verbindet Prochnow übrigens noch etwas ganz Besonderes: In „Rocky“ und dessen Nachfolger sowie in weiteren Filmen und der Serie „Tulsa King“ leiht ihm Prochnow als Synchronsprecher die Stimme.
Seine größte Tragödie war kein Film
Als sich Prochnow auf dem Höhepunkt seines Ruhms befand, trug sich in seinem Privatleben eine unfassbare Tragödie zu. Seine damalige Ex-Partnerin, die österreichische Schauspielerin Antonia Reininghaus, vergiftete 1987 die gemeinsame Tochter Johanna und unternahm einen Suizidversuch. Reininghaus überlebte, Johanna nicht. „Dieser Schmerz bleibt ewig“, sagte Prochnow 2017 in einem Interview mit der „tz“. „Ich konnte nie glauben, dass meine damalige Ex-Freundin unsere gemeinsame Tochter an deren siebten Geburtstag vergiften würde.“
Dreimal heiratete Prochnow bislang. Aus der ersten Ehe (1982-1997) mit Isabel Goslar stammen seine beiden Kinder Mona und Roman. Von 2004 bis 2014 war er mit Schauspielerin und Regisseurin Birgit Stein verheiratet, seit 2015 ist Verena Wengler die Ehefrau an seiner Seite.
So mancher Fehltritt
Auch ein Schauspieler vom Formate Prochnows ist nicht vor Fehltritten gefeit. Filme wie Uwe Bolls „House of the Dead“ oder „Bierfest“ Mitte der 2000er gehören sicherlich nicht zu den Glanzpunkten seiner langen Karriere.
Doch wo manch anderer Darsteller in der Versenkung verschwunden wäre, sicherte sich Prochnow weiterhin Rollen in Blockbustern. Im selben Jahr wie in „Bierfest“ spielte er etwa an der Seite von Superstar Tom Hanks in „The Da Vinci Code – Sakrileg“ mit. 2010 durfte er sich als Gegenspieler in der achten Staffel von „24“ an Jack Bauer (Kiefer Sutherland) aufreiben. Allein 2015 war er in gleich drei Filmen zu sehen: „Hitman: Agent 47“, „Remember“ und „Die dunkle Seite des Mondes“.
2020 durfte er in „Der Alte und die Nervensäge“ – in Reminiszenz an „Das Boot“ – wieder einmal „Der Alte“ sein, 2023 wirkte er noch in „The Last Rifleman“ an der Seite von Pierce Brosnan mit. Ein Kriegsdrama mit dem Titel „The Guardian Angel“ befindet sich außerdem derzeit in der Mache. Abtauchen, auch wenn er mit diesem Vorgang einst den Start seiner großen Karriere einläutete, will Jürgen Prochnow offenbar auch mit 85 Jahren noch lange nicht.
(stk/spot)
Bild: Jürgen Prochnow feiert seinen 85. Geburtstag. / Quelle: imago/BREUEL-BILD / BREUEL-BILD/Jason Harrell

