Drei Länder, elf Städte, 104 Spiele – die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird das größte Turnier der Geschichte. Mittendrin: Esther Sedlaczek (40). Die ARD-Moderatorin reist mit dem deutschen TV-Team in die Stadien und moderiert gemeinsam mit Experte Bastian Schweinsteiger (41) vom Spielfeldrand.
Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht sie über die logistische Mammutaufgabe, besonders als Mutter, die politische Dimension dieses Turniers – und erklärt, warum sie trotz allem ganz entspannt bleibt.
Die WM 2026 wird größer und organisatorisch spezieller als jede WM zuvor. Was überwiegt: Vorfreude oder Respekt vor der Aufgabe?
Esther Sedlaczek: Auf jeden Fall die Vorfreude, aber natürlich auch der Respekt vor dieser Herausforderung. Das Reisen in die verschiedenen Zeitzonen, die langen Distanzen, das ist allein für den Körper enorm anstrengend und bedarf viel Organisation. Aber man wächst mit seinen Aufgaben, insofern sehe ich dem Ganzen entspannt entgegen und versuche, mich nicht verrückt zu machen.
Viele schauen bei dieser WM besonders auf die USA als Austragungsort. Glauben Sie, dass die schwierige politische Lage die Vorfreude beeinflusst?
Sedlaczek: Das wird die Euphorie auf jeden Fall beeinflussen. Ich finde, man kann diese WM nicht losgelöst von der politischen Lage betrachten, weil wir gerade Konflikte erleben, die uns so nah sind wie lange nicht mehr. Es ist wichtig, sich mit politischen Themen auseinanderzusetzen und für sich klare Werte zu definieren. Aber, und das finde ich ganz wichtig, ich bin auch der Meinung, dass Fußball ein Raum bleiben muss, der Menschen verbindet und ihnen eine Pause von dem Ganzen ermöglicht. Für mich geht es darum, beides auszuhalten: Haltung zu zeigen, Themen sichtbar zu machen, sofern das eben nötig ist, und trotzdem diese verbindende Kraft des Sports nicht zu verlieren. Es ist wichtig, dass eine Diskussion geführt wird, aber man muss sie nicht immer zwingend in den Fokus stellen.
Was macht für Sie persönlich denn eine gute WM aus?
Sedlaczek: Die Stimmung. Und natürlich der Erfolg der eigenen Nation, damit geht die Euphorie immer einher. Wenn die deutsche Nationalmannschaft früh aus diesem Turnier ausscheiden sollte, was ich nicht hoffe und auch nicht erwarte, macht das natürlich was mit dem Land. Mit dem Erfolg kommt die Stimmung, das eine geht ohne das andere gar nicht.
Womit wir beim Thema wären: Wie sehen Sie die deutschen Chancen? Und wer holt den Titel?
Sedlaczek: Ich traue der Mannschaft das Viertelfinale zu und würde mich freuen, wenn es mal wieder klappt. Wir wissen ja, dass die letzten beiden Weltmeisterschaften nicht ganz so prickelnd verlaufen sind. Der WM-Titel ist wahrscheinlich nicht drin, aber die K.o.-Phase sollte schon erreicht werden. Und wer gewinnt? Es wird sicher wieder eine Überraschungsmannschaft geben, die weit im Turnier kommt. Frankreich und Spanien sind für mich die dominierenden Mannschaften im Weltfußball, die haben eine unfassbare Qualität. Meine beiden Topfavoriten.
Wie viel Euphorie erlauben Sie sich persönlich beim Schauen der deutschen Nationalmannschaft?
Sedlaczek: Ich freue mich natürlich, wenn die deutsche Nationalmannschaft trifft. Aber mittlerweile bin ich lange genug dabei, dass ich vor Interviewgästen sofort wieder Journalistin bin und meiner Pflicht nachgehe, die Fragen zu stellen, die ich als wichtig erachte. Aber es muss ja auch erlaubt sein, sich zu freuen.
Die WM wird in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Wie wollen Sie das angehen?
Sedlaczek: Ohne mir groß Gedanken zu machen. Und hoffentlich habe ich immer das gepackt, was ich brauche (lacht). Ich versuche, mich noch gar nicht so sehr darauf zu konzentrieren und kein großes Thema draus zu machen, am Ende findet sich immer eine Lösung. Das habe ich auch als Mama gelernt: Setz dich mit den Themen auseinander, die wirklich wichtig sind, und vieles Weitere lässt sich dann eh einfach lösen.
Apropos Mama: Kann Ihre Familie Sie nach Amerika begleiten?
Sedlaczek: Wir stecken mitten in den Planungen, was bei der Distanz und den Entfernungen vor Ort nicht ganz einfach ist.
Wie sieht es bei Ihren Kindern mit dem Fußballfieber aus?
Sedlaczek: Diese Themen werden immer präsenter. Der Mittlere läuft schon die ganze Zeit in seinem Deutschlandtrikot rum. Meine Tochter spielt auch Fußball, die trägt auch nur noch Trikot. Meine Kinder haben da schon einen Zugang zu und dann ist natürlich eine WM auf einmal etwas ganz Besonderes. Dabei bin ich nicht diejenige, die sie ständig mit meiner Passion konfrontiert. Das kommt intrinsisch und das finde ich sehr schön.
Sie und Bastian Schweinsteiger gelten auch bei der WM wieder als Traumduo. Was macht für Sie diese Zusammenarbeit aus?
Sedlaczek: Wir verstehen uns und arbeiten unfassbar professionell zusammen. Und das Wichtigste ist, glaube ich, dass wir wir selbst bleiben können. Wenn er mal einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, kann er sich darauf verlassen, dass ich damit umgehen kann und umgekehrt genauso. Keiner von uns muss sich zusammenreißen oder auf die Lippe beißen, man kann einfach authentisch sein.
Wie sieht Ihr Kontakt abseits der Arbeit aus?
Sedlaczek: Den haben wir gar nicht wirklich. Bei einer WM hat man natürlich wesentlich mehr miteinander zu tun. Aber ansonsten spricht man sich für die Spiele ab, trifft dann an den Spieltagen aufeinander und das funktioniert super.
(eyn/spot)
Bild: Esther Sedlaczek steht bei der WM wieder als Moderatorin am Spielfeldrand. / Quelle: SWR/Patricia Neligan



