Silberblonde Zöpfe, entschlossene Blicke und furchteinflößende Drachen: Wer an Emilia Clarke denkt, hat zuerst Daenerys Targaryen aus „Game of Thrones“ vor Augen. Daenerys Targaryen wollte irgendwann nicht weniger als den Eisernen Thron besteigen, die Herrschaft über die sieben Königslande und eine neue Weltordnung. Zu den Hochzeiten der Serie war ihre Figur regelmäßig in der Top 3 der begehrtesten Halloween-Verkleidungen, selbst Madonna wollte 2014 Drachenkönigin sein.
Clarke scheint dem Erfolg ihrer Figur etwas kritischer gegenüberzustehen. „Ruhm ist das beschissenste Ding der Welt. Ich würde ihn nicht einmal meinem schlimmsten Feind wünschen“, sagte sie 2022 dem „Guardian“. Clarke hat erlebt, wie wenig Glamour übrig bleibt, wenn das eigene Leben plötzlich auf dem Spiel steht.
„Ich dachte, ich würde sterben“
Clarke lernte das Theater, wo ihr Vater als Sounddesigner arbeitete, schon in Kindertagen kennen. Nach dem Schauspielstudium in London und ersten kleineren Rollen erhielt sie 2010 die Rolle, die ihr Leben verändern sollte. Was kaum jemand ahnte: Hinter den Kulissen ging es ihr alles andere als gut.
Kurz nach den Dreharbeiten zur ersten Staffel von „Game of Thrones“ erlitt Clarke eine Hirnblutung. Die zweite folgte 2013, dabei musste sie sogar am offenen Schädel operiert werden. Zeitweise fiel ihr das Sprechen schwer. Sie hatte Angst, nie wieder Texte auswendig lernen zu können, und musste gleichzeitig vor der Kamera eine Frau spielen, die ihre Macht immer entschlossener ausbaut.
Lange schwieg sie über diesen Kampf, der sich hinter den Kulissen abspielte. Erst 2019 ging sie an die Öffentlichkeit, um für ihre Organisation SameYou Aufmerksamkeit zu schaffen. „Die Dreharbeiten zu Staffel zwei sollten meine schlimmsten werden“, schrieb sie dafür in einem Essay für den „New Yorker“. „Ich wusste nicht, was Daenerys tat. Wenn ich ganz ehrlich bin, dachte ich jede Minute an jedem Tag, dass ich sterben würde.“ Zusammen mit ihrer Mutter und SameYou setzt Clarke sich für bessere Rehabilitation nach Hirnverletzungen und Schlaganfällen ein. 2024 wurde sie dafür mit dem britischen Verdienstorden MBE ausgezeichnet.
Kein Emmy und ein böses Erwachen
Abseits von „Game of Thrones“ musste Clarke herausfinden, was von ihrer Karriere übrig blieb, wenn Daenerys nicht mehr da war. Sie spielte in „Terminator: Genisys“, „Solo: A Star Wars Story“, „Ein ganzes halbes Jahr“ und „Last Christmas“. Die Filme waren unterschiedlich erfolgreich, eine zweite Rolle mit der Strahlkraft der Drachenkönigin fand sie nicht mehr. 2022 feierte sie mit Tschechows „Die Möwe“ am Londoner West End ihr Debüt.
Und dann war da noch der Emmy. Obwohl Clarke mehrfach für die Auszeichnung nominiert war und nach der letzten Staffel auch erstmals die Chance auf den Preis in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie“ hatte, ging sie leer aus. Die Enttäuschung traf sie hart. „Es ist mir peinlich zuzugeben, dass es mir wirklich sehr viel ausgemacht hat, keinen Emmy gewonnen zu haben“, gab sie dieses Jahr im Gespräch mit „Variety“ zu. Sie gab diesem Gefühl eine Nacht. Am nächsten Morgen nahm sie sich vor, sich nie wieder so zu verhalten. „Ich mag diese Person nicht“, dachte sie über sich selbst. „Ich habe offensichtlich die Vorstellung einer 13-Jährigen von Erfolg.“
Mittlerweile wählt sie ihre Rollen nicht mehr danach aus, was sie ihrer Karriere bringen könnten, sondern danach, ob sie die Arbeit machen will. Wie ernst es ihr damit ist, merkte Clarke bei „Next Life“, einem Romantikdrama mit kleinem Budget, in dem sie eine Jazzsängerin spielt. Ob der Film ein Erfolg wird, spielt fast keine Rolle mehr – die Arbeit daran habe ihr bereits alles gegeben, was sie gebraucht habe, darunter echte Freundschaften. Mit Regisseur Drake Doremus ließ sie sich sogar ein gemeinsames Tattoo stechen.
Daenerys konnte nie genug Macht bekommen. Emilia Clarke scheint inzwischen zu wissen, dass Arbeit sich nicht wie eine Prüfung anfühlen muss, nicht jeder Job ein Welterfolg sein muss. Es reicht, wenn er sie glücklich macht.
(mia/spot)
Bild: Einmal Weltruhm und zurück: Emilia Clarke auf dem roten Teppich. / Quelle: ddp/EMPICS/Doug Peters




