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Devid Striesow: „Nach der Wende habe ich mein eigenes Leben begonnen“

Devid Striesow: „Nach der Wende habe ich mein eigenes Leben begonnen“

In der unterhaltsamen Fernsehtragikomödie „Für immer Eltern“ (2.9., 20:15 Uhr, ZDF) spielt Devid Striesow (47, „Nahschuss“) einen Familienvater, der sich zusammen mit seiner Ehefrau nach dem Auszug der beiden erwachsenen Kinder auf die zweisamere Lebensphase in einer neuen Wohnung freut. Doch es kommt anders als gedacht… „Vor allem der komödiantische Anteil hat mir an dem Drehbuch sehr gut gefallen, die Dialoge haben wirklich Humor. Außerdem bleibt der Film wohltuend innerfamiliär“, schwärmt der ehemalige „Tatort“-Star (2013-2018) im Interview mit spot on news. In dem Gespräch erzählt der zu DDR-Zeiten in Bergen auf Rügen geborene Schauspieler auch von den Wohn- und Familienverhältnissen, in denen er selbst aufgewachsen ist.

In dem Film „Für immer Eltern“ geht es unter anderem um „Bumerang-Kinder“. Kannten Sie den soziologischen Begriff vorher?

Devid Striesow: Den Begriff kannte ich vorher nicht. Gemeint ist ja, dass erwachsene Kinder wieder bei den Eltern einziehen. Im Laufe der Dreharbeiten wurde es mir aber immer plausibler. Als ich vor Kurzem selbst mal in Berlin auf Suche nach Wohnraum war, wurde mir schnell klar, warum es dieses Phänomen gibt: Weil es so wahnsinnig wenig bezahlbaren Wohnraum gibt. Und das ist sicher in München und Hamburg nicht anders. Die Preise sind inzwischen einfach nicht mehr zu finanzieren. Ich weiß gar nicht, wie Menschen das machen wollen, wenn sie keine alten Mietverträge haben. Man kann eigentlich nur noch als Paar in eine Wohnung ziehen: Einer arbeitet für die Miete, der andere für die Lebenshaltungskosten.

Bumerang-Kinder, ein anderer Begriff ist das Nesthocker-Phänomen… Wie war es bei Ihnen, sind Sie früh aus dem Elternhaus ausgezogen oder eher länger geblieben?

Striesow: Ich bin sehr früh, mit 18 Jahren von den Eltern weggezogen. Das waren aber auch die 1990er Jahre, da war vieles möglich. In den neuen Bundesländern gab es Grauzonen, weil viele Familien über Nacht die Wohnung verlassen haben, um in den Westen zu ziehen. Aus Angst davor, dass die Mauer wieder hochgezogen wird, haben sie dann alles mitgenommen. Auf diese Weise standen auf einmal viele Wohnungen leer und die damaligen Wohnungsbaugesellschaften haben gesagt: Besser, es wohnt jemand drin, als wenn man die Wohnungen verfallen lässt. In so eine tolle Situation bin ich dann auch geraten und habe mit meiner damaligen Freundin eine Wohnung mit Mietvertrag bekommen.

Zum Bumerang-Kind sind Sie danach nicht mehr geworden?

Striesow: Nein. Auch meine Freunde nicht. Ich kenne nur einige Scheidungsgeschichten in diese Richtung: Wenn sich ein Paar scheiden lässt, dass der eine Teil dann aus der gemeinsamen Wohnung auszieht und vorübergehend zu den Eltern zurückzieht. Das kann man dann aber nicht als Bumerang-Kind bezeichnen.

Ein anderes spannendes Thema im Film ist die Rolle in der Familie, aus der manche nur schwer herauskommen. Beispielsweise hat der Sohn im Film die Rolle des Losers, obwohl er das gar nicht ist. Kennen Sie das?

Striesow: Eher nicht. Soweit konnte es bei uns gar nicht kommen. Ich komme aus anderen Familienverhältnissen, die durch die DDR geprägt waren. Wir haben sehr beengt gelebt wie viele damals. Ich bin auf 48 Quadratmetern mit meinen Eltern großgeworden, teilweise auch noch zu fünft. Das war wirklich eng, da wollte man raus. Wir reden hier nicht von großbürgerlichen Verhältnissen, wie wir es heute vielleicht kennen. Nach der Wende habe ich mich dann frohen Mutes verabschiedet und mein eigenes Leben begonnen.

Hatten Sie schon mal den Traum vom echten Aussteigen?

Striesow: Auch ich träume sicher immer mal wieder vom Aussteigen, beispielsweise davon, nach Kanada zu gehen und mich dort auszuklinken. Aber das war nie wirklich mein Motor. Ich habe früh angefangen, ziemlich hochenergetisch meine Arbeit zu machen. Für Auszeiten gab es bisher kein Zeitfenster. Momentan haben wir aber ohnehin recht viele andere Probleme wie Klimaveränderung und Erderwärmung, sodass man sich wohl nirgendwo auf der Welt entspannt zurücklehnen und schauen kann, was die nächsten zehn, zwölf, vierzehn Jahre bringen. Ich habe eher das Gefühl, dass man up to date bleiben sollte.

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