Berlin, 25.08.2026 (lifePR) – Die aktuellen Debatten um Kirchensteuer und Staatsleistungen treffen auf eine kirchliche Landschaft, in der politische Positionierung und Abgrenzung zunehmend Raum einnehmen. Die gemeinsame christliche Aufgabe droht dabei aus dem Blick zu geraten. Gleichzeitig steht die deutsche Entwicklungszusammenarbeit angesichts von Betrugsvorwürfen, knapper werdenden Mitteln und Fragen nach Kontrolle und Wirksamkeit unter Druck.
Samaritan’s Purse plädiert deshalb dafür, eine Ressource stärker in den Blick zu nehmen, die in beiden Debatten wenig Beachtung findet: überkonfessionelle christliche Netzwerke.
„Internationale Hilfe kann vieles bereitstellen: Medikamente, medizinisches Personal, Hilfsgüter und Logistik. Anders sieht es aus bei Vertrauen, Ortskenntnis, lokalen Beziehungen und dem Zugang zu Menschen, das lässt sich nicht einfliegen“, sagt Sylke Busenbender, Vorstandsvorsitzende von Samaritan’s Purse Deutschland. „Genau hier erleben wir immer wieder, welchen unschätzbaren Wert lokale Kirchengemeinden in Krisen haben. Konfessionelle Grenzen spielen in solchen Situationen kaum eine Rolle.“
Was man nicht einfliegen kann
Wie wichtig solche Strukturen sind, zeigt sich aktuell etwa nach den schweren Erdbeben in Venezuela. Samaritan’s Purse betreibt dort ein Notfallkrankenhaus, bereitet Trinkwasser auf und verteilt Hilfsgüter. Mehr als 35.000 Haushalte wurden bislang unterstützt. Bei der Verteilung arbeitet die Organisation mit rund 100 lokalen Kirchengemeinden zusammen. „Die Gemeinden wissen, welche Familien besonders betroffen sind, wo ältere Menschen allein leben oder wer Hilfe braucht, aber selbst keine Verteilstelle erreichen kann“, sagt Busenbender. „Die örtliche Gemeinde kennt die Menschen – und sie bleibt, wenn die internationalen Helfer wieder gehen."
Diese Erfahrung sollte aus Sicht von Samaritan’s Purse auch in die Diskussion über die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit einfließen. Angesichts knapper Mittel und der Debatte über Kontrolle und Wirksamkeit müsse stärker in den Blick genommen werden, welche Strukturen dafür sorgen, dass Hilfe tatsächlich bei den Menschen ankommt und langfristig wirkt.
Lagerkämpfe helfen niemandem
Zugleich warnt Busenbender davor, dass politische, konfessionelle und institutionelle Abgrenzungen zwischen Christen gemeinsames Wirken auch in Deutschland erschweren können. Damit bleiben Christen als gesellschaftliche Ressource unter ihren Möglichkeiten – obwohl Gemeinden, Werke und Initiativen Verantwortung übernehmen und tragfähige Netzwerke bilden: „In Deutschland beschäftigen auch wir Christen uns momentan intensiv damit, wer konfessionell oder politisch welchem Lager zuzurechnen ist. Doch solche Etiketten werden Menschen selten gerecht.“
Theologische Unterschiede müssten weder verschwiegen noch eingeebnet werden. Christliche Einheit bedeute nicht, in allen Fragen einer Meinung zu sein.
„Jesus sagt: ,An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.‘ Vielleicht sollten wir diesen Maßstab auch in unseren kirchlichen Debatten wieder stärker anlegen“, sagt Busenbender. „Nicht zuerst: Zu welchem Lager gehört jemand? Sondern: Was wächst aus seinem Glauben?“
