Aus dem „Schatten des Schweigens“ heraustreten

Irsee, 19.10.2026 (lifePR) – Auch in diesem Jahr laden das Tagungs-, Bildungs- und Kulturzentrum des Bezirks Schwaben sowie das Bildungswerk des Bayerischen Bezirketags am Allerheiligentag zur Gedenkveranstaltung „Lichter gegen das Vergessen“ auf den ehemaligen Anstaltsfriedhof hinter der Irseer Klosterkirche ein. Zu Wort kommen Angehörige des ehemaligen leitenden Arztes Ernst Ottmann, der 1936 bis 1945 in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee tätig war.

Zwei Enkelinnen von Ernst Ottmann ist es ein Anliegen, mit ihren Redebeiträgen aus dem „Schatten des Schweigens“ herauszutreten, denn „dass die Gräueltaten in Kaufbeuren und Irsee in meiner Familie vorkamen, hat mich zutiefst erschüttert“, erläutert Ursula Gysel aus Basel: „Dabei wurde mir bewusst, wieviel in meiner Familie verschwiegen, verdrängt und verleugnet wurde“. „Es wird Zeit, den bösen Gewaltring aufzubrechen“, ergänzt ihre Cousine Christine Wiegel aus Bamberg.

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung wird die Erinnerung an Karl Theodor Herbig sein, der 1899 in der Anstalt Irsee geboren wurde, weil sein Vater Albert Herbig dort seit 1890 „Rechnungsführer“ war. Man lebte, wie bei höhen Angestellten damals üblich, in der Anstalt selbst. Karl Theodor wurde deshalb in der Irseer Klosterkirche getauft. Die Familie zog berufsbedingt weiter nach München und Erlangen, der Vater heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau Angela Julius, die Tochter eines Irseer Anstaltsarztes. Sohn Karl Theodor erkrankte als Kind und erlebte in der Folge eine Odyssee durch verschiedene Anstalten, so durch die Heil- und Pflegeanstalt Ansbach und die Sankt Josefskongregation in Ursberg. Am 8. November 1940 wird Karl Theodor Herbig von Ansbach aus in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein in Sachsen verbracht, wo er vermutlich noch am gleichen Tag in einer als Duschraum getarnten Gaskammer ermordet wurde.

Der Historiker Dr. Dietmar Schulze (Schortens) wurde im Zuge seiner Recherchen zur Anstaltsgeschichte auf den gebürtigen Irseer Karl Theodor Herbig und seine Tötung im Rahmen der „Euthanasie-Aktion T4“ aufmerksam. Seine Biografie recherchiert hat der in Irsee lebende Autor Robert Domes. Im kommenden Jahr soll für Karl Theodor Herbig ein „Stolperstein“ vor seinem Geburtshaus, dem heutigen Schwäbischen Bildungszentrum Kloster Irsee, verlegt werden.

Zur Gedenkveranstaltung laden die Initiatoren Robert Domes, Prof. Dr. Michael von Cranach und Dr. Stefan Raueiser sehr herzlich ein. Kerzen sind in ausreichender Anzahl vorhanden.

Gedenkveranstaltung „Lichter gegen das Vergessen“: Sonntag, 1. November, 16.30 Uhr auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof hinter der Irseer Klosterkirche. Im Anschluss wird zu einem Imbiss in das Konventgebäude von Kloster Irsee geladen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.

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