Das feministische Magazin „Emma“ wird eingestellt. Die Ausgabe vom 8. Dezember soll die letzte sein, wie Gründerin und Herausgeberin Alice Schwarzer (83) in einer Pressemitteilung auf der Webseite der Zeitschrift bekannt gibt. Seit 1977 sind 398 Ausgaben mit insgesamt 36.584 Seiten erschienen.
Ab dem 27. Oktober liegt mit dem November/Dezember-Heft zunächst die vorletzte Ausgabe am Kiosk. Für das Finale kündigt die Redaktion eine doppelt so umfangreiche Jubiläumsausgabe an, in der sie ihre 50 wichtigsten Themen bilanzieren will.
Am Geld liegt es nicht
Wer hinter dem Aus finanzielle Probleme vermutet, liegt nach Schwarzers Darstellung falsch. „Wir gehen nicht aus ökonomischen Gründen. Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben. Und ein finanzielles Polster schützt uns“, heißt es in der Mitteilung. Der eigentliche Grund klingt deutlich trotziger: „Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!“
Über drei Generationen von Feministinnen hinweg habe das Magazin die Stellung gehalten, sich allen Moden widersetzt und auch „gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus Stellung bezogen“. Ihr Fazit packt Schwarzer in einen Reim: „Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet.“
Höchstens zwei Ausgaben prophezeit
Dass daraus ein halbes Jahrhundert werden würde, hatte zum Start kaum jemand erwartet. Als die erste „Emma“ am 26. Januar 1977 erschien, war der Spott laut Pressemitteilung groß. Kolleginnen und Kollegen gaben dem Heft allenfalls noch eine zweite Ausgabe. Am Ende wurden es 398, acht Sonderbände eingerechnet. Rebellische Mädchen hätten ab 1977 auf dem Schulhof gern den Spitznamen Emma oder Alice bekommen.
Nach eigener Darstellung griff die Redaktion Themen oft auf, lange bevor andere Medien sie entdeckten. Schwarzer nennt etwa den Missbrauch von Kindern, über den das Blatt ab 1978 berichtete, und den Islamismus ab 1979. Auch das Ehegattensplitting, Brustkrebs und Genitalverstümmelung seien vielfach erst durch „Emma“ in den Fokus gerückt. Das Magazin gehörte bis zuletzt der Journalistin, die es gegründet hat, und blieb unabhängig von Konzernen, Werbung und Parteien. „Diese ökonomische Unabhängigkeit gab uns Macherinnen eine maximale journalistische Freiheit“, schreibt Schwarzer.
Archiv zieht nach Marbach
Das komplette Redaktionsarchiv geht an das Deutsche Literaturarchiv Marbach. Dort wird es erschlossen und soll ab 2029 Interessierten, Medien und der Forschung offenstehen. Dazu gehören Dutzende Regalmeter mit Aktenordnern und Kisten, Korrespondenzen, Umfragen und Kampagnen wie die Aktion PorNO aus dem Jahr 1988. Alle 398 Ausgaben lassen sich zudem online im „Emma“-Lesesaal nachlesen.
Und danach? Schwarzer gibt sich zuversichtlich, verrät aber noch nichts: „Wir sind gewiss: Es wird auf die eine oder andere Art weitergehen.“ Mehr dazu verspricht sie in den beiden letzten Ausgaben.
(ae/spot)
Bild: Alice Schwarzer zieht nach 50 Jahren und 398 Ausgaben mit 36.584 Seiten von „Emma“ den Schlussstrich. / Quelle: imago images/Agentur Matthias Wehnert/M. Gränzdörfer




