Dieser „Streich“ ist gewaltig nach hinten losgegangen: Im Mittelpunkt eines TV-Skandals in Dänemark steht der Komiker Rasmus Wallbridge als Opfer. Rund 150 Menschen spielten ihm vier Monate lang vor, er habe den Filmdeal seines Lebens an Land gezogen. Doch den gab es überhaupt nicht: In Wirklichkeit steckte der Fernsehsender TV 2 dahinter und produzierte aus heimlichen Kameraaufnahmen von Wallbridge das TV-Format „Alle lieben Rasmus“ (Originaltitel: „Alle elsker Rasmus“).
Unter den Eingeweihten sollen auch enge Freunde gewesen sein. Wegen der Dreharbeiten verpasste Wallbridge Berichten zufolge sogar die ersten vier Lebensmonate seines neugeborenen Kindes.
Die Regisseurin verteidigte das Konzept zunächst: Eine Psychologin habe Wallbridge eng begleitet und darauf geachtet, dass er nicht allein gefilmt werde. Zudem habe er die Veröffentlichung ablehnen können.
„Alle mobben Rasmus“
In den sozialen Netzwerken mehrte sich schnell die Kritik an dem Format, das viele an den Film „Die Truman Show“ mit Jim Carrey erinnerte. In der Tragikomödie von 1998 wird der Titelfigur sogar ihr ganzes Leben lang verheimlicht, in Wirklichkeit Hauptdarsteller eines Reality-Formats zu sein.
Der passendere Name wäre „Alle mobben Rasmus“ gewesen, lautet die einhellige Meinung im Netz. Sogar Mette Frederiksen, die dänische Regierungschefin, meldete sich zu Wort und mahnte: „Ich hoffe, dass dieser ganze unglückliche Fall bei allen zu einem stärkeren Bewusstsein dafür führt, was man mit welcher moralischen und ethischen Verantwortung veröffentlichen möchte.“
Sendung bereits gelöscht
Statt wie geplant wöchentlich veröffentlichte TV 2 nach tagelanger Kritik zunächst alle sechs Episoden auf seinen Streamingdienst TV 2 Play, kurz darauf verschwanden sie wieder. Programmdirektorin Dorthe Thirstrup bat Wallbridge und die Mitwirkenden per Pressemitteilung „bedingungslos um Entschuldigung“. Ihr Urteilsvermögen habe schlicht versagt. „Wir haben nicht gut genug auf Rasmus aufgepasst.“
Wallbridge selbst äußerte sich ebenfalls öffentlich zu dem Fall. Er korrigierte auf Instagram Berichte von TV 2 und der Zeitung „Politiken“ und stellte klar, dass ähnliche Sendungen nicht mehr entstehen dürften.
https://www.instagram.com/p/DfJ-QznEauG/?hl=de&img_index=1
TV 2 kündigte eine Untersuchung dazu an, wie die Sendung überhaupt grünes Licht erhalten konnte. Zudem räumte man ein, dass eine der Schlussszenen, in der Wallbridge augenscheinlich gelassen und mit einem Lachen auf die Auflösung reagierte, in unredlicher Weise bearbeitet worden war.
Kulturministerin Zenia Stampe zeigte sich gegenüber „Ekstra Bladet“ erleichtert über die Löschung. Sie sprach von einem „geschmacklosen psychologischen Experiment“ und hoffe, dass TV 2 Wallbridges Bitte folgt, so etwas nie wieder zu tun.
Prominente bitten um Verzeihung
Der dänische TV-Star Martin Johannes Larsen, der eine Schlüsselrolle spielte, schrieb auf Instagram, er habe seinem guten Freund nie wehtun wollen. Schauspieler Anders W. Berthelsen gab an, man habe ihm versichert, Wallbridge werde das Projekt lieben. „Ich hätte es besser wissen und meinem eigenen Urteil mehr vertrauen müssen.“ Auch Musiker Malte Ebert und Schauspielerin Josephine Højbjerg zeigten Reue.
(stk/spot)
Bild: Der Skandal um den dänischen Komiker Rasmus Wallbridge erinnert an die Tragikomödie „Die Truman Show“ mit Jim Carrey. / Quelle: imago/Allstar






