„Polizeiruf 110: Sie haben Namen“: So wird der neue Fall aus Rostock

„Polizeiruf 110: Sie haben Namen“: So wird der neue Fall aus Rostock

Für leichte Sonntagabendunterhaltung ist dieses Mal kein Platz: Der neue Rostocker „Polizeiruf 110: Sie haben Namen“ (Sonntag, 1. November, 20:15 Uhr im Ersten) beschäftigt sich mit Zwangsprostitution, Menschenhandel und brutaler Gewalt gegen Frauen.

Die Kommissarinnen Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Melly Böwe (Lina Beckmann) geraten dabei nicht nur bei ihren Ermittlungen an ihre Grenzen. Auch ihre persönlichen Geschichten werden weitergesponnen und bringen vor allem Böwe in eine äußerst schwierige Situation. Ein düsterer Krimi, der seinem Publikum einiges abverlangt.

Darum geht es im „Polizeiruf 110: Sie haben Namen“

Am Rande von Rostock macht eine Anglerin einen grausigen Fund: Im Wasser liegt die Leiche einer jungen Frau, die offenbar aus Osteuropa stammt und möglicherweise noch minderjährig war. Schnell steht fest, dass die Tote vor ihrer Ermordung gefoltert wurde. Hinweise führen König und Böwe zu einer Feriensiedlung des ehemaligen Kampfsportlers und Bordellbetreibers Heiko Mischke (Sönke Möhring). Der stadtbekannte Kriminelle versucht mittlerweile, sich als seriöser Geschäftsmann zu präsentieren. Doch seine Vergangenheit ist alles andere als sauber.

Die Ermittlerinnen tauchen tief in die Welt der Zwangsprostitution ein und stoßen dabei auf die junge Ukrainerin Natasha (Anastasiia Mazhara). Sie ist selbst Opfer eines brutalen Systems aus Gewalt und Ausbeutung, hat sich darin jedoch eine besondere Stellung erarbeitet. Um ihrer ausweglosen Situation zu entkommen, ist sie offenbar sogar bereit, selbst zur Täterin zu werden. Welche Rolle spielt sie bei dem Mord an der unbekannten Frau?

Neben dem eigentlichen Fall kämpfen auch die Ermittlerinnen mit ihren privaten Problemen. Melly Böwe hat den Kontakt zu ihrer Tochter Rose verloren, weil sie ihr die Wahrheit über deren Vater verschweigt. Nun taucht ausgerechnet jener Mann wieder auf, der Böwe als 16-Jährige vergewaltigte: Oberstaatsanwalt Jan Jürgens (Thorsten Merten). Gleichzeitig muss Katrin König die dunkle DDR-Vergangenheit ihres wieder aufgetauchten Vaters aufarbeiten. Und auch bei ihren Kollegen Pöschel (Andreas Guenther) und Thiesler (Josef Heynert) herrscht alles andere als Harmonie.

Lohnt sich das Einschalten beim „Polizeiruf 110: Sie haben Namen“?

Ja, allerdings ist dieser Rostocker Fall alles andere als leichte Kost. Im Mittelpunkt steht ein gesellschaftlich relevantes Thema, das ohne Beschönigungen und falsche Romantik behandelt wird. Statt das Rotlichtmilieu als schillernde Parallelwelt darzustellen, konzentriert sich der Krimi auf die Frauen, die in einem brutalen System aus Gewalt, Abhängigkeit und Ausbeutung gefangen sind.

Dabei verzichtet die Inszenierung weitgehend auf voyeuristische Bilder und setzt stattdessen auf eine ungeschönte Darstellung des Milieus, bedrückende Situationen und die Verzweiflung der betroffenen Frauen. Vor allem die starken Darstellerinnen rund um Sarnau, Beckmann und Mazhara stehen im Zentrum des Films. Die Verbindung zwischen dem eigentlichen Mordfall und den persönlichen Schicksalen der Ermittlerinnen verleiht der Geschichte zusätzliche emotionale Wucht.

Die zahlreichen Nebenhandlungen lassen die Geschichte stellenweise zwar etwas überfrachtet wirken. Auch einige Figuren sind recht plakativ angelegt, während das Finale nicht ganz die Konsequenz der vorherigen Erzählung erreicht. Hinzu kommt, dass die persönlichen Geschichten der Ermittler einiges an Vorwissen aus früheren Rostocker Fällen voraussetzen. Wer nur gelegentlich einschaltet, dürfte an der einen oder anderen Stelle Schwierigkeiten haben, sämtliche Verflechtungen nachzuvollziehen.

Dennoch ist „Sie haben Namen“ ein sehenswerter „Polizeiruf“, der mehr ist als ein gewöhnlicher Mordfall mit anschließender Täterjagd. Dieser anspruchsvolle, harte Krimi macht betroffen und wirkt lange nach. Für Fans der Rostocker Ausgabe ist er ohnehin ein Pflichttermin.

(dr/spot)

Bild: Der „Polizeiruf 110: Sie haben Namen“ ist nichts für schwache Gemüter. / Quelle: NDR/Boris Laewen

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