Als Jim Moriarty in „Sherlock“ verbreitete er mit einem Lächeln Angst und Schrecken. Als Priester in „Fleabag“ brachte er Millionen zum Schwärmen. Und in „Ripley“ zeigte er, wie bedrohlich stille Kontrolle sein kann. Seine Vielseitigkeit ist Andrew Scotts Besonderheit. Am 21. Oktober wird der Ire mit den vielen Gesichtern 50 Jahre alt.
Als Rampensau wurde Scott nicht geboren. Bis heute beschreibt er sich als schüchternen Menschen, als Kind war es besonders schlimm. Er lispelte, war verkrampft und wenig offen für die Welt. Mit acht Jahren meldeten ihn seine Eltern zum Schauspielunterricht an. Anfangs zitterte er vor Angst vor den Stunden – bis er lernte, auf der Bühne aus sich herauszukommen.
Mit 17 bekam er eine Hauptrolle im irischen Film „Korea“ und entschied sich gegen ein Kunststudium, für das er ein Stipendium erhalten hatte. Nach nur sechs Monaten brach er auch das Schauspielstudium ab, um am Nationaltheater Irlands zu spielen.
Das Charisma von zehn Menschen
Der internationale Durchbruch kam 2010 mit der BBC-Serie „Sherlock“. Als Gegenspieler von Benedict Cumberbatchs berühmtem Detektiv spielte er Moriarty nicht als gewöhnlichen Bösewicht, sondern als unberechenbaren Exzentriker, der zwischen kindlichem Vergnügen und echter Bedrohung wechselt. 2012 erhielt er dafür einen BAFTA Award.
Neun Jahre später verdrehte er als Priester in Phoebe Waller-Bridges Serie „Fleabag“ einem Millionenpublikum den Kopf. Die Anziehung zwischen dem Geistlichen und der Titelfigur wurde zum Zentrum der zweiten Staffel. Und Scott avancierte als „Hot Priest“, ringend zwischen Begehren und Selbstkontrolle, zum Internetphänomen. Dass Phoebe Waller-Bridge in Andrew Scott den idealen Priester für „Fleabag“ sah, stand für sie außer Frage. Scott vereine „das Charisma von zehn Menschen in einem“, sagte sie einst dem „Guardian“. „Es hätte niemand anderes sein können.“
In Andrew Haighs „All of Us Strangers“ zeigte Scott 2023 eine andere, verletzliche Seite. Als einsamer Drehbuchautor, der sich mit seiner Vergangenheit und dem Verlust seiner Eltern auseinandersetzt, spielte er an der Seite von Paul Mescal einen Mann, der Nähe sucht und zugleich mit alten Wunden lebt. In „Ripley“ kehrte er 2024 zu einer Figur zurück, deren Charme stets etwas Unheimliches umgibt.
„Offen schwul“ und „offen irisch“
Auch im Umgang mit seiner eigenen Identität hat Scott sich nicht von den Erwartungen anderer leiten lassen. 2013 sprach er öffentlich über seine Homosexualität. Dass ihm zuvor geraten worden war, dieses Thema lieber nicht an die große Glocke zu hängen, machte er später zum Gegenstand seiner Interviews. Zugleich wehrt er sich dagegen, Homosexualität ständig als Besonderheit zu markieren. 2024 kritisierte er den Begriff „openly gay“: Schließlich sage man auch nicht, jemand sei „offen irisch“.
Der Theaterbühne und der Begegnung mit dem Publikum auf ihr ist er weiterhin treu. 2017 spielte er Hamlet am Londoner Almeida Theatre, 2023 übernahm er in „Vanya“ sämtliche Figuren einer modernen Bearbeitung von Tschechows „Onkel Wanja“. Im Spielfilm „Elsinore“, der 2026 erscheint, spielt Scott den Schauspieler Ian Charleson, der 1989 als Hamlet auftrat, obwohl er bereits schwer an AIDS erkrankt war.
Für Charleson und für Scott war und ist die Bühne mehr als ein Beruf. Wie Scott einst der „GQ“ erklärte: „Je länger ich diesen Beruf ausübe, desto mehr wird mir bewusst, dass es viel mehr darum geht, zu zeigen, wer man wirklich ist, als so zu tun, als wäre man jemand anderes.“
(mia/spot)
Bild: Andrew Scott 2025 auf dem roten Teppich. / Quelle: ddp/Lisa OConnor/AFF-USA.com




