Wenn Jörg Schönenborn (61) am 6. Juli um 23:15 Uhr erstmals die „Tagesthemen“ im Ersten moderiert, übernimmt einer der bekanntesten Nachrichtenjournalisten Deutschlands eine neue Rolle. Dem Fernsehpublikum ist der 61-Jährige seit Jahrzehnten vor allem als Gesicht der ARD-Wahlanalysen und des DeutschlandTrends vertraut. Nun verstärkt er das Moderationsteam um Jessy Wellmer (46) und Ingo Zamperoni (52).
Schönenborn wurde 1964 in Solingen, Nordrhein-Westfalen, geboren. Nach einem Studium der Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund absolvierte er ein Volontariat beim WDR. Seit 1992 arbeitete er als Reporter und Redakteur vor allem für die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“. Bundesweite Bekanntheit erlangte er jedoch als Erklärer von Zahlen: Seit 1999 präsentiert und analysiert er im ARD-Wahlstudio Hochrechnungen, Umfragen und Wahlergebnisse.
Ein Faible für Zahlen
Wer Schönenborn porträtiert, kommt an diesem Markenzeichen kaum vorbei. Die „Augsburger Allgemeine“ bezeichnete ihn als den „Herrn der Hochrechnungen“, Kollegen verliehen ihm wegen seiner Leidenschaft für Statistiken früh den Spitznamen „Graf Zahl“. Schon in der Schule mochte er demnach lieber Physik und Mathematik als Sport.
Gleichzeitig wird in Porträts immer wieder betont, dass ihn Zahlen nicht um ihrer selbst willen interessieren. Vielmehr versteht er sie als Werkzeug, um politische Entwicklungen verständlich einzuordnen. „Im Kern geht es um journalistische Inhalte, die Zahlen sind nur ein Mittel, diese auszudrücken“, sagte er im „Planet-Interview“.
Sein öffentlicher Stil gilt als ruhig, analytisch und präzise. Statt zugespitzter Formulierungen setzt Schönenborn auf Einordnung und klare Erklärungen. In Interviews hebt er regelmäßig hervor, wie wichtig sorgfältig erhobene Daten und präzise Fragestellungen für belastbare journalistische Analysen sind.
Verständliche Nachrichten als „Rohstoff unserer demokratischen Gesellschaft“
Auch innerhalb der ARD übernahm Schönenborn früh Verantwortung. 2002 wurde er WDR-Chefredakteur Fernsehen, seit 2007 moderiert er den „Presseclub“. Von 2014 bis April 2026 war er WDR-Programmdirektor. In dieser Funktion verantwortete er unter anderem den crossmedialen Umbau des Programms, die Digitalisierung des Angebots und den Aufbau des ARD-KI-Netzwerks.
Mit dem Wechsel zu den „Tagesthemen“ kehrt Schönenborn nun stärker vor die Kamera zurück. „Die ‚Tagesthemen‘ bieten jeden Tag die Chance, Orientierung zu geben in einer Welt, die nicht nur schwer zu verstehen, sondern oft auch schwer zu ertragen ist“, erklärte er anlässlich seines Debüts. „Denn verständliche Nachrichten sind ein wichtiger Rohstoff unserer demokratischen Gesellschaft.“
ARD-aktuell-Chefredakteur Marcus Bornheim beschreibt Schönenborn als Journalisten, der „für Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit“ stehe und sich das Vertrauen des Publikums „über Jahrzehnte verdient“ habe.
Öffentlicher Fokus auf dem Job
Privat hält sich Schönenborn bewusst im Hintergrund. Öffentliche Auftritte sind selten, Interviews über das Familienleben gibt er kaum. In Porträts wird er als jemand beschrieben, der öffentliche Aufmerksamkeit lieber auf seine Arbeit als auf seine Person lenkt – ein Bild, das zu seinem sachlichen Auftreten vor der Kamera passt.
(ili/spot)
Bild: Jörg Schönenborn moderiert künftig die „Tagesthemen“. / Quelle: NDR/Hendrik Lüders



