Angela Merkel zieht als Porträt ins Kanzleramt

Angela Merkel zieht als Porträt ins Kanzleramt

Angela Merkel (71) hat sich für die Ahnengalerie der Bundeskanzler im Berliner Kanzleramt porträtieren lassen. Über Monate hinweg saß die Altkanzlerin dafür Modell. Das berichtet die Wochenzeitung „Die Zeit“ in ihrer aktuellen Ausgabe, die den Entstehungsprozess nach eigenen Angaben exklusiv begleitet hat. Mit dem Gemälde zieht erstmals eine Frau in die bislang ausschließlich von Männern dominierte Reihe der Regierungschefs ein.

Den Auftrag erhielt der bis dahin kaum bekannte Künstler Jérémie Queyras (28). Bereits 2022 hatte er sich informell mit einem handschriftlichen Brief bei Merkel beworben. Entschieden habe sie sich der „Zeit“ zufolge aber erst im Juni 2025, nach einer ersten persönlichen Begegnung. Queyras wuchs in Freiburg auf, studierte Kunst in London und Paris und zog für den Auftrag nach Berlin. Neben der Malerei beschäftigt er sich mit der Rolle Künstlicher Intelligenz in der Kunst und war in zahlreichen Performances involviert.

Ein stehendes Porträt im blauen Blazer

Gemalt wurde das Bild in einem eigens eingerichteten, geheim gehaltenen Atelier in Berlin. Anders als ihre männlichen Vorgänger, die sich sitzend porträtieren ließen, entschied sich Merkel laut „Zeit“ fürs Stehen, gekleidet in einen blauen Blazer. Die Leinwand misst dem Bericht zufolge 110 mal 140 Zentimeter und fällt damit etwas größer aus als die Gemälde von Gerhard Schröder und Helmut Kohl. Material und Honorar habe Merkel selbst bezahlt; eine konkrete Summe nennt das Blatt nicht.

Auf dem Bild finden sich der „Zeit“ zufolge mehrere Verweise auf Merkels Amtszeit: ein Tisch mit losen Papieren, eine gelbe Aktenmappe sowie ein silberner Würfel mit der Gravur „In der Ruhe liegt die Kraft“ – ein Geschenk zu ihrem Amtsantritt.

Merkel will über das Bild selbst bestimmen

Über den Verbleib des Werks möchte die Altkanzlerin selbst entscheiden. Das Porträt sei lediglich eine Leihgabe, schreibt die „Zeit“; sollte etwa jemals ein Rechtsextremist zum Regierungschef gewählt werden, könne sie es aus dem Kanzleramt zurückziehen. Erstmals zu sehen sein wird das Gemälde bei einer Vernissage am Dienstag (30. Juni) im Berliner Bode-Museum. Anschließend soll es dort vom 1. Juli bis 4. Oktober gezeigt werden, wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mitteilte. Frühestens im Oktober soll das Porträt dann in die Ahnengalerie des Kanzleramts wechseln.

Auf die Frage, wie es sich anfühle, künftig neben Konrad Adenauer und den übrigen früheren Kanzlern zu hängen, antwortete Merkel der „Zeit“: „Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird.“ Sie versuche es jedoch mit Gleichmut zu nehmen: „Da häng ich dann eben.“

(jom/spot)

Bild: Angela Merkel hat sich für das Kanzleramt verewigen lassen. / Quelle: Imago Images/pictureteam / Matthias Gränzdörfer

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