Ruth Moschner: „Man merkte Collien an, dass etwas nicht stimmte“

Ruth Moschner: „Man merkte Collien an, dass etwas nicht stimmte“

Ruth Moschner (50) kennt Collien Fernandes (44) seit einem gemeinsamen TV-Auftritt vor 20 Jahren. „Als ich sie Jahre später wieder traf, merkte man ihr an, dass etwas nicht stimmte, etwas ihr nahe ging“, verrät Moschner im Interview mit spot on news zu ihrem neuen Buch „Die Fuck-it-List-Challenge“ (ab 1.6., Knaur Verlag). Darin will sie ihre Leserinnen und Leser dazu inspirieren, Gewohnheiten zu hinterfragen und alte Glaubenssätze loszulassen.

Ein Thema des Buches ist auch sexualisierte Gewalt. Über den Fall von Fernandes, die mit Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen (50) an die Öffentlichkeit ging, sagt die 50-Jährige: „Die ganze Geschichte zu kennen, bewegt, aber überrascht mich nicht, sondern zeichnet nun das ganze Bild.“ Im Interview spricht die Moderatorin außerdem über die Morddrohungen, die sie erhalten hat, und Dickpics.

Ab 2011 gab es Morddrohungen gegen Sie. Wie war es, beim Schreiben von „Die Fuck-it-List-Challenge“ noch mal in diese Zeit mit Todesangst zurückzugehen?

Ruth Moschner: Es war gut, sich daran zu erinnern. Ich werde das Gefühl nicht vergessen, als ich für mich selbst entschieden habe, dass ich mir von einem Fremden meine Freiheit und Freude nicht nehmen lassen werde. Das war sehr kraftvoll. Ich hätte gerne darauf verzichtet, aber bin an diesen Erfahrungen gewachsen. Umso mehr freue ich mich über die Entwicklung durch Social Media auch solche Dinge teilen zu können. Damals wurde einem geraten, nichts zu sagen, um Trittbrettfahrerinnen und Trittbrettfahrer zu vermeiden. Und damit fühlt man sich wirklich sehr allein. Das ist heute anders und das begrüße ich sehr.

Sie sprechen auch über Beleidigungen im Netz und Dickpics. Welche Strategien haben Sie entwickelt, um sich emotional zu schützen?

Moschner: Mir persönlich hilft Aktionismus. Ich bin ja sehr aktiv, was das öffentliche Thematisieren solcher Grenzüberschreitungen angeht. Ich zeige an und mache Nachrichten öffentlich. Das hilft mir aus der passiven Rolle heraus. So kann ich etwas tun. Ich wünsche mir nach wie vor eine schnellere Strafverfolgung und konsequentes Hausverbot für derartige Pimmelköppe. Pardon.

„(Sexualisierte) Gewalt, egal, ob digital, verbal oder körperlich, ist inakzeptabel. Sie steht auf meiner Fuck-it-List“, heißt es in Ihrem Buch. Was haben Sie als erstes gedacht, als Sie die Berichte von Collien Fernandes gelesen haben?

Moschner: Ich kenne Collien seit unserer Zeit bei „Dancing on Ice“ 2006. Damals war sie so zauberhaft, ich mochte sie sehr. Sie hat, wie ich und viele andere Frauen auch immer wieder öffentlich gemacht, was mit ihr und ihren Fotos passiert. Als ich sie Jahre später wieder traf, merkte man ihr an, dass etwas nicht stimmte, etwas ihr nahe ging. Ich konnte es aber nicht zuordnen. Die ganze Geschichte zu kennen, bewegt, aber überrascht mich nicht, sondern zeichnet nun das ganze Bild und ich wünsche ihr von Herzen, dass sie gut geschützt ist und natürlich für sich das Beste bewirken kann.

Wie blicken Sie heute auf die gesellschaftliche Debatte über sexualisierte Gewalt?

Moschner: Dass Frauen bedroht werden, wenn sie Tatsachen benennen, ist schon wirklich absurd. Collien hat Morddrohungen erhalten, weil sie sich wehrt. Was soll das? Ich habe ja eine eigene „innn.it“-Petition gestartet: „Schluss mit anonymem Internet-Hass!“ Anlass waren damals die massiven Drohungen gegen Dunja Hayali, die sich daraufhin aus dem Netz zurückgezogen hat. Da wurde mir klar, wir müssen echt was tun. Wenn öffentliche Stimmen durch Gewaltandrohung verstummen, geht das zu weit.

Was ist das Wichtigste, was Sie Ihren Leserinnen und Lesern mit „Die Fuck-it-List-Challenge“ mitgeben wollen?

Moschner: „Make your own kind of music“ singt Cass Elliot – und ich glaube, dass wir alle anders sind und genau das unsere Stärke sein kann, wenn wir es als gemeinsamen Nenner betrachten. Ich glaube an eine diverse Gesellschaft und flache Hierarchien. Das wird uns allen guttun. Und ja, die Männer sind von Herzen mitgemeint. Und ich begrüße es sehr, dass die Stimmen immer lauter werden. Wir können die Welt natürlich nicht von heute auf morgen umkrempeln, aber unsere eigene Welt jeden Tag ein bisschen sanfter und friedlicher machen.

Sie sind nicht nur Moderatorin und Autorin, sondern auch Gesundheitsberaterin und Mikronährstoffcoach. Wie viel Raum nimmt Letzteres in Ihrem Berufsleben ein?

Moschner: Oh. Interessanterweise kann ich davon sehr viel in meinem Job als Moderatorin anwenden, weil die Art der Kommunikation, wenn man das mal gelernt hat, optimierter ist. Außerdem achte ich tatsächlich mehr auf meine Gesundheit und weiß sie, seitdem ich gelernt habe, was mein Körper alles für mich tut, umso mehr zu schätzen.

(hub/spot)

Bild: Ruth Moschner hat mit „Die Fuck-it-List-Challenge“ ein neues Buch geschrieben. / Quelle: imago/APress / A-way!/ Claudia Ast

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