Seit Ende der 1990er Jahre hat Sebastian Deyle (48) sich durch nahezu jede große Vorabendserie gespielt: „Unter uns“, „Marienhof“, „Sturm der Liebe“ oder zuletzt „Rote Rosen“. Nun wartet der „nächste Jugendtraum“ auf ihn: In der neuen Vorabendserie „Frieda – Mit Feuer und Flamme“, die ab 1. Juni werktags um 18 Uhr in Sat.1 läuft, spielt der Wahlberliner einen Feuerwehrmann im Elbsandsteingebirge. Zwischen ihm und Hauptdarstellerin Frieda alias Laura Lippmann (36), die gegen die Schließung der Freiwilligen Feuerwehr kämpft, entwickelt sich eine Liebesgeschichte.
Seine Rolle Mirko sei „viel zu gut, um wahr zu sein“, gesteht der Schauspieler im Interview mit spot on news. Doch gerade diese heile Welt sei es ja, die die Zuschauer vor die Bildschirme locke. Außerdem spricht er über das Feuerwehr-Training, die Chemie am Set und darüber, wie ein Lachen seines im November geborenen Sohnes alle Erschöpfung wegwischt.
Was hat Sie an der Rolle eines Feuerwehrmanns gereizt?
Sebastian Deyle: In letzter Zeit habe ich mit Rollen, die Träume erfüllen, einen absoluten Lauf. In der letzten Serie durfte ich einen Chefarzt spielen – das sind Lorbeeren, die ich im wirklichen Leben überhaupt nicht verdient hätte, aber einfach so geschenkt bekomme. Jetzt kommt der nächste Jugendtraum: Feuerwehrmann. Da musste ich nicht lange überlegen. Auch ich habe als kleiner Junge davon geträumt, einmal Feuerwehrmann zu sein und auf dem Auto zu fahren.
Hatten Sie auch andere Berührungspunkte mit dem Beruf?
Deyle: Lustigerweise habe ich einen guten Freund, der Oberbrandmeister ist. Er fährt mittlerweile nicht mehr auf dem Feuerwehrauto, aber hat natürlich schmunzelnd all das zur Kenntnis genommen, was ich ihm vom Dreh erzählt habe. Er hat mich auch korrigiert und mit in die echte Wache genommen. Fiktion und Realität liegen natürlich teils weit auseinander. Daher war es sehr spannend, einen Einblick zu bekommen, wie es wirklich läuft und was wir daraus machen.
Gab es ansonsten Schulungen, um den Beruf authentischer darzustellen?
Deyle: Alle, die in der Serie Feuerwehrmänner oder Feuerwehrfrauen spielen, haben Training bekommen. Das war ganz wichtig. Da geht es erst mal um Sachen wie: Wie rolle ich eigentlich einen Schlauch aus? Mit so einem Riesending ist das gar nicht so einfach. Welche Atemgeräte müssen wann angelegt werden? Ich wusste zum Beispiel nicht, dass ein Berufsfeuerwehrmann glatt rasiert sein muss. Seine Atemmaske muss luftdicht abschließen und wenn Barthaare im Weg sind, kommt Rauch rein.
Sehen Sie Parallelen zwischen sich und Ihrer Rolle?
Deyle: Oh, das wäre schön. Wer mich nach der Serie persönlich trifft, ist wahrscheinlich erst mal enttäuscht, weil Mirko Renic natürlich viel zu gut ist, um wahr zu sein. Gutmütig, charmant, lustig, Herz am rechten Fleck, hilfsbereit. Ich hoffe, dass ich ein bisschen was davon habe, aber leider nicht in der Intensität, in der das die Filmfigur mitbringt.
Fünf Monate haben die Dreharbeiten gedauert. Wie war es in dieser Zeit mit den Kollegen und Kolleginnen am Set?
Deyle: Da habe ich echt unglaubliches Glück. Mit Laura Lippmann habe ich eine wundervolle Hauptdarstellerin an meiner Seite. Es ist wahnsinnig angenehm, mit jemandem zu spielen, dem man eigentlich nur zugucken muss. Weil das, was sie tut, so interessant und authentisch ist, dass du im Grunde nur darauf reagierst und dann passiert der Rest von selbst. Bei einer Szene, in der wir uns in einem Gasthaus unterhalten, haben wir irgendwann vergessen, dass die Kamera läuft, weil es wie ein normales Gespräch war. Das ist natürlich die größte Auszeichnung, die man einer Kollegin geben kann. Die Chemie am Set war unglaublich. Wir sind jeden Tag wirklich gerne hingegangen.
Größtenteils wurde die Serie im ländlichen Umland von Berlin gedreht. Wie haben Sie die Umgebung wahrgenommen?
Deyle: Die Nähe zu Berlin fand ich wahnsinnig angenehm, weil das bedeutet, dass ich abends in meinem eigenen Bett schlafen kann. Insofern war das eine Win-win-Situation.
Könnten Sie als Wahlberliner sich vorstellen, die Stadt mal hinter sich zu lassen?
Deyle: Ich komme vom Land, da gab es damals drei Ampeln, und wollte immer in die große Stadt. Ich bin dann erst nach Köln, dann nach München und letztendlich nach Berlin. Dort wohne ich mittlerweile im Westend – da gibt es Kopfsteinpflaster und hohe Bäume. Und wenn ich den Nachbarn beim Gassigehen nicht grüße, ist er sauer. Also im Grunde genommen ist es wie auf dem Land und ich finde das inzwischen wunderschön. Vor dem Hintergrund, dass ich frisch Vater geworden bin, kann ich mir auch gut vorstellen, in den Speckgürtel außerhalb von Berlin zu ziehen. Damit mein Sohn auch ohne Bauchschmerzen abends draußen spielen kann.
Das Thema Landidylle erlebt in den Dailys gerade einen kleinen Boom. Was begeistert die Menschen an diesem ländlichen Setting?
Deyle: Ich glaube, es geht weniger um das ländliche Setting als um die heile Welt. Vieles läuft weltweit nicht rund, die Leute haben Probleme und die wollen sie einfach mal vergessen. Das war, denke ich, schon immer so: Auch „Das Traumschiff“, „Die Schwarzwaldklinik“ oder derzeit „Die Landarztpraxis“ lassen einen in eine Traumwelt eintauchen. Ich finde, dass das auch ein bisschen die Aufgabe von Unterhaltung ist.
Ist es auch die heile Welt, die Sie persönlich dazu bringt, immer neue Serienrollen anzunehmen?
Deyle: In erster Linie ist es die Herausforderung, einen neuen Charakter wirklich kennenzulernen. Das macht unglaublichen Spaß und ich spiele wirklich gerne. Ich kann immer noch nicht verstehen, dass ich dafür Geld kriege. Was kann es Schöneres geben, auch nach einem harten und anstrengenden Drehtag mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause zu gehen und zu sagen: Ich hatte heute richtig Spaß.
Etwas anderes Schönes haben Sie schon angesprochen: Die Geburt Ihres ersten Sohnes. Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?
Deyle: Es ist nicht zu beschreiben. Es ist das größte Glück, das du dir vorstellen kannst. Natürlich gibt es Situationen, in denen er mir tierisch auf den Senkel geht – aber dann lacht er mich einmal an oder guckt lustig, und ich bin schockverliebt. Das ist einfach unfassbar und ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Ich merke auch, dass sich die Prioritäten komplett verschieben. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich nicht unbedingt jeden Tag arbeiten muss, um meine Miete zahlen zu können. Deshalb überlege ich mir jetzt zweimal, ob ich eine Woche irgendwo hinfahre oder nicht, weil ich den kleinen Knödel einfach vermisse und abwägen muss, ob es das wirklich wert ist, von zu Hause weg zu sein.
Während der Dreharbeiten war Ihr Sohn noch nicht geboren. Wie wollen Sie Ihr Familienleben in Zukunft mit Ihrer Arbeit vereinen?
Deyle: Man muss einfach Prioritäten setzen. Ich liebe meinen Job und es ist ja auch wichtig, dass man sich als Eltern selbst nicht vergisst. Ich habe eine ganz, ganz tolle Frau, die mich wahnsinnig unterstützt und für die das momentan noch viel härter ist als für mich. Aber man findet schon einen Weg. Es muss immer eine friedliche Koexistenz sein zwischen der eigenen Verwirklichung, der beruflichen Laufbahn und dem Wohlergehen des Sohnes. Aber das geht in keinem Job besser als in meinem, denn ich habe die Möglichkeit, zu Hause zu sein, wenn ich es möchte. Ich bin mal vier Wochen weg und drehe einen Film, dafür bin ich dann wieder zwei Monate nur zu Hause.
Wie steht es um Ihre Hochzeitspläne?
Deyle: Wir wollen erstens, dass Pia nicht mehr stillt und ordentlich mitfeiern kann. Und zudem wünschen wir uns beide, dass der kleine Mann die Ringe trägt. Bis dahin wird er laufen können – ich hoffe, er läuft in die richtige Richtung. Deswegen machen wir das 2027.
(eyn/spot)
Bild: Sebastian Deyle wird in „Frieda – Mit Feuer und Flamme“ zum Feuerwehrmann Mirko. / Quelle: Joyn/René Lohse





