„Glennkill – Ein Schafskrimi“: Vom Glück, ein Schaf zu sein

„Glennkill – Ein Schafskrimi“: Vom Glück, ein Schaf zu sein

Im Krimigenre hat man schon allerlei gesehen: Schauplätze an sämtlichen malerischen oder weniger malerischen Orten, eigenbrötlerische Ermittler – und jetzt auch noch Schafe. Die deutsche Autorin Leonie Swann hat die flauschigen Tiere schon 2005 in ihrem weltweit übersetzten Bestseller „Glennkill – Ein Schafskrimi“ in Irland auf die Suche nach des Rätsels Lösung geschickt.

Am 14. Mai kommt der Schafskrimi jetzt auch in die Kinos – und zwar mit einer Besetzung und Synchronisation, die nicht von schlechten Schafen ist. Aber lässt sich Actionstar Hugh Jackman (57) tatsächlich spannend mit pfiffigen Schafen in Miss-Marple-Manier zusammenbringen, die dann auch noch ausgerechnet von den Ulknudeln Bastian Pastewka (54) und Anke Engelke (60) gesprochen werden? Und wie passen Mord, Familienfilm und politische Message überhaupt zusammen?

Schafsliebe, Krimifans und ein gemeiner Mord

George Hardy (Jackman) ist ein Eigenbrötler: Ganz allein lebt er in seinem Wohnwagen vor den Toren des verschlafenen irischen Dorfes Denbrook. Ganz allein? Nicht ganz, denn der Schäfer unterhält eine enge Beziehung zu seiner Schafsherde. Alle haben sie einen Namen, alle ihren eigenen Charakter. Abends liest er ihnen Kriminalgeschichten vor. Was er allerdings nicht ahnt: Die Schafe verstehen jedes Wort und rätseln fleißig mit.

Doch die Idylle auf dem Hof wird jäh gestört, als der Schäfer tot aufgefunden wird. Was der Dorfpolizist Tim Derry (Nicholas Braun) noch als Unfall deklarieren will, wird dank eines findigen Reporters (Nicholas Galitzine) doch noch als Kriminalfall eingestuft. Ein Motiv haben alle, die in Hardys Testament erwähnt werden. Aber schafft der Beamte es wirklich, den Fall zu lösen? Die Schafe, allen voran Lily (gesprochen von Julia Louis-Dreyfus im Original und Anke Engelke in der deutschen Fassung) und Mopple (Chris O’Dowd/Bastian Pastewka), sind sich da nicht sicher. Deshalb stellen sie eigene Ermittlungen an – und lernen dabei etwas über die großen Themen wie Trauer, Liebe und Freundschaft, die Mensch und Schaf gemeinsam haben.

Harmloser Krimiplot

Leonie Swanns Krimi avancierte vor 20 Jahren zum absoluten Bestseller, eine Fortsetzung folgte. Kein Wunder, denn die ungewöhnliche Mischung aus einem klassischen Mordfall, familienfreundlichen Elementen mit ermittelnden Schafen, schwarzem Humor und irischem Kleinstadtdasein war rundum erfrischend. Auch der Film schafft es, diese Elemente geschickt miteinander zu verknüpfen und den Charme der Vorlage widerzuspiegeln – allerdings um einiges harmloser.

Die Krimihandlung wird auf einen klassischen, simplen, schon hundertmal dagewesenen Whodunit mit bekannten Motiven zugespitzt: ein Testament mit mehreren Verdächtigen, eine plötzlich auftauchende Geldsumme und viele Geheimnisse. Dunklere Themen aus der Vorlage, wie etwa Depression, werden einfach weggelassen, um beim Familienfilm zu bleiben. Die Lösung des Rätsels ist daher auch denkbar simpel und sicher nicht für alle überraschend. Da man bei dem Film ohnehin von Anfang an keinen hyperkomplexen Krimiplot erwarten sollte, dürfte das aber nicht verwundern. Stattdessen werden Ermittler-Klischees aufgegriffen und ein Wohlfühlkrimi geschaffen, der richtig viel Spaß macht.

Wohlfühlfaktor von der ersten Sekunde

Dazu trägt hierzulande auch ganz besonders die Synchronisation bei. Ist sie doch oft verpönt und bei Kinokritikern nicht unbedingt ein positiv hervorzuhebender Punkt, ist das bei „Glennkill“ anders – denn wie soll etwas, an dem Anke Engelke und Bastian Pastewka beteiligt sind, schon schiefgehen? Pointiert synchronisieren sie die originalen Stimmen von Julia Louis-Dreyfus – immerhin elffache Emmy-Gewinnerin – und Chris O’Dowd für Lily und Mopple nach und verleihen ihnen einen ganz eigenen Charakter. Die realen, sichtbaren Hauptpersonen wie Hugh Jackman und Emma Thompson geraten bei so viel Synchronisations-Power auch gut und gerne mal in den Hintergrund. Außerdem sind die Charaktere der Schafe ohnehin tiefgründiger angelegt als die der echten Menschen im Film, die leider teilweise überspitzt und irgendwie fehl am Platz wirken.

Angst vor zu viel Pastewka-und-Engelke-Show muss man aber auch nicht haben. Genau richtig dosiert vergisst man immer wieder, dass es sich um ihre Stimmen handelt – übrigens genauso, wie sich die CGI-Schafe vor den Augen mitunter in echte Herdentiere verwandeln. Dass die beiden Schafe wie auch ihre Sprecher eine tiefe Freundschaft verbindet, ist eine schöne Randnotiz. Für Engelke und Pastewka ist es übrigens trotz jahrzehntelanger Zusammenarbeit das erste gemeinsame Synchronprojekt.

Gegen das Verdrängen und Vergessen

Wer wegen der Stimmen und des harmlosen Plots jetzt Friede, Freude, Eierkuchen erwartet, liegt aber daneben. Denn der Film ist trotz all der bunten Farben, fidelen Schafe und Comedians eben nicht nur lustig, sondern vor allem immer wieder sehr berührend und emotional. Die Schafe müssen sich zum ersten Mal mit all dem Elend auf der Welt auseinandersetzen, das sie sonst immer schön verdrängt haben. Denn alle Tiere bis auf Mopple haben die Fähigkeit, Negatives innerhalb von Sekunden zu vergessen, um nicht von schlechten Gefühlen belastet zu werden.

Oft und gerne machen sie von dieser Funktion Gebrauch – und manipulieren damit ihr eigenes Weltbild. So wissen sie etwa nichts vom Tod und glauben, als Schäfchenwolken in den Himmel zu kommen. Deshalb ist der Krimi auch eine glühende Mahnung gegen das Verdrängen und für die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen – egal, wie weh das tun kann. Und er zeigt auch im übergeordneten Kontext unserer aufgeheizten und demokratiebedrohenden Zeit, wie wichtig es ist, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen, diese nicht einfach abzutun und aktiv immer wieder an die Vergangenheit zu erinnern.

Fazit

„Glennkill – Ein Schafskrimi“ schafft den ungewöhnlichen Spagat zwischen Krimiplot, knallbunter Familienwelt mit tierischen Hauptpersonen und rührender, ernster Message. Dazu hätte es die hochkarätige Besetzung fast gar nicht gebraucht – als Hollywoodfan freut man sich aber natürlich trotzdem immer über eine Emma Thompson. Zwar sind viele der menschlichen Charaktere etwas überzeichnet dargestellt und neigen zum Klamauk. Die Tiefgründigkeit der eigentlichen Stars, die man von Schafen nicht erwarten würde, macht das aber alles wett. Trotz Comedy-Duo hinterm Mikrofon wirken die nämlich gar nicht künstlich lustig, sondern richtig authentisch. Und so zeigt sich hinter einem Kriminalfall, dass sich auch durch vermeintlich dümmere Schafe noch viel über den komplexen Menschen und den Umgang mit seinen Gefühlen lernen lässt.

(eyn/spot)

Bild: Hugh Jackman wird in „Glennkill – Ein Schafskrimi“ zum einfühlsamen Schäfer. / Quelle: Courtesy of Amazon MGM Studios

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