Balbina (Brigitte Hobmeier) und Inka (Gerti Drassl) haben alles richtig gemacht – zumindest glauben sie das. Die beiden Mütter führen seit Jahren eine liebevolle Beziehung, haben ihre Tochter Hedwig (Alina Schaller) gemeinsam groß gezogen, politisch sensibel, weltoffen, auf der Höhe der Zeit. Dass Hedwig eines Tages einen Mann nach Hause bringt – und dann auch noch heiraten will -, hat in diesem Lebensplan schlicht keinen Platz. Am 18. März um 20:15 Uhr zeigt Das Erste den österreichischen Fernsehfilm „So haben wir dich nicht erzogen“ – eine Familienkomödie, die mit leichter Hand tiefer trifft, als man zunächst erwartet.
Hinter dem Film steckt Drehbuchautor Uli Brée (geb. 1964), der sich bei seiner Geschichte bewusst an einem Klassiker bedient hat: „Rat mal, wer zum Essen kommt“ aus dem Jahr 1967 mit Spencer Tracy, Katharine Hepburn und Sidney Poitier. Damals bricht das liberale Weltbild wohlmeinender Eltern in sich zusammen, als die Tochter einen Schwarzen Mann mit bringt. „Ich habe diese Konstellation ins Heute übertragen: lesbische Eltern, die Tochter bringt statt einer Frau einen Mann nach Hause – und plötzlich prallen Ideale und Wirklichkeit aufeinander“, erklärt Brée im Interview mit spot on news.
Ein Kammerspiel mit Sprengkraft
Brigitte Hobmeier (50) und Gerti Drassl (47) – beide spielten schon in Brées Erfolgsserie „Vorstadtweiber“ zusammen – sind ein echtes Traumgespann. Hobmeier erinnert sich, dass ihr die Rolle sofort ans Herz gewachsen ist: „Ich mochte Balbina von Anfang an. Beide Mütter. Gerade weil ich wusste, dass Gerti Drassl Inka spielen wird, war das Drehbuch schon beim ersten Lesen lebendig. Ich konnte mich und Gerti förmlich durch das Buch tanzen sehen.“ Drassl betont, wie intensiv die Vorbereitung war: „Brigitte und ich haben viel über Beziehungen geredet, auch über unsere eigenen, da wir – genau wie Balbina und Inka – in langjährigen Beziehungen leben.“
Der Film lebt von seinen Dialogen. Die Situationskomik entfaltet sich nicht durch Klamauk, sondern durch kleine, präzise Momente – ein ovo-lacto-vegetarischer Haushalt mit ausschließlich Damentoiletten, Eltern in Tiroler Tracht, die aus den Bergen anreisen und ihre eigene Weltsicht mitbringen. Regisseur Michael Kreihsl inszeniert das Ganze als konzentriertes Kammerspiel: ein paar gute Schauspieler, ein atmosphärisches Haus, geniale Dialoge – mehr braucht es für einen unterhaltsamen Fernsehabend nicht.
Toleranz auf dem Prüfstand
Wenn Andreas‘ (Julian Pichler) Eltern Petra (Carmen Gratl) und Dietmar (Roland Silbernagl) aus Tirol eintreffen und dann noch Kneipenwirt Toni (Wolfgang Böck) seinen Senf dazu gibt, entsteht ein vielstimmiges Gespräch über Werte, Vorurteile und die Grenzen des eigenen Liberalismus. Hobmeier beschreibt den Kern des Films so: „Der Film beschäftigt sich mit mehreren Fragen: Möchte ich die anderen wirklich sehen, oder bleibe ich für die Bedürfnisse meiner nächsten Menschen blind?“ Und sie räumt ein, dass das Projekt für sie ein Wagnis war: „Das kann super werden oder richtig in die Hose gehen. Das kann, wenn wir unaufmerksam sind, kippen und eine unfreiwillige Anklage werden.“
Als Puffer zwischen den Welten fungiert Kirchenmann Edgar, der beste Freund der Familie – gespielt von Thomas Mraz (ebenfalls aus „Vorstadtweiber“ bekannt). „Ich hatte für den Edgar immer das Bild im Kopf, dass er ein möglichst unparteiischer Schiedsrichter ist, der gerade ein Champions-League-Finale pfeift.“ Mraz zieht aus dem Stoff auch eine gesellschaftliche Schlussfolgerung: „Wir leben in einer Zeit, in der der persönliche Individualismus sehr wichtig ist. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass wir gesellschaftlich dünnhäutiger geworden sind – man muss unterschiedliche Meinungen und Ansichten wieder aushalten“, appelliert er.
Liebe als roter Faden
Unter all den kollidierenden Weltbildern liegt als eigentlicher Kern des Films eine einfache Wahrheit vergraben, die Hobmeier auf den Punkt bringt: „Im Kern der Geschichte steht die Liebe. Immer.“
„So haben wir dich nicht erzogen“ ist kein Stück über Queerness, kein Pamphlet über Political Correctness – sondern ein warmherziges, kluges Plädoyer dafür, die eigenen blinden Flecken zu erkennen, bevor es zu spät ist.
(ili/spot)
Bild: „So haben wir dich nicht erzogen“ mit (v.l.): Gerti Drassl als Inka, Alina Schaller als Tochter Hedwig und Brigitte Hobmeier als Inkas Partnerin Balbina. / Quelle: [M] ORF/BR/Cult Film GmbH/Petro Domenigg



