Zürich, 18.03.2026 (lifePR) – manchmal erzählt Glas mehr als nur von Handwerk. Manchmal erzählt es von Mut, von Neuanfang – und von Farbe als Gefühl. Genau davon handeln die „a macchie“-Vasen, die Fulvio Bianconi um 1950 für Venini auf Murano entwarf. Nach den dunklen Jahren des Krieges suchte Italien nach neuen Ausdrucksformen. In den heißen Werkstätten von Murano traf diese Sehnsucht auf Bianconis künstlerische Vorstellungskraft. Er war kein klassischer Glasgestalter, sondern Grafiker, Zeichner, Beobachter. Und genau das spürt man in diesen Vasen. „A macchie“ – mit Flecken. Farbige Glasinseln scheinen im klaren Glas zu treiben, wie Erinnerungen oder Gedanken, eingefangen im Moment ihres Entstehens.
Sie sind unregelmäßig, spontan, manchmal leuchtend, manchmal zurückhaltend. Kein Entwurf gleicht dem anderen. Jede Vase ist ein Augenblick, festgehalten in geschmolzenem Glas. Die Herstellung war riskant. Das Einbringen der Farben im flüssigen Zustand ließ kaum Raum für Kontrolle. Feuer, Bewegung und Zufall entschieden mit. Doch genau daraus entstand ihre Magie: eine Balance zwischen handwerklicher Meisterschaft und künstlerischer Freiheit. In ihrer schlichten Form geben sich die Vasen bewusst zurückhaltend. Sie lassen den Farben Raum, zu sprechen – wie abstrakte Gemälde, die nicht gemalt, sondern geblasen wurden. Kein Wunder, dass man in ihnen Anklänge an die moderne Malerei der Zeit erkennt, an Paul Klee oder Joan Miró, an Poesie und Spiel. Als die „a macchie“-Vasen 1950 auf der Biennale von Venedig gezeigt wurden, standen sie sinnbildlich für einen Aufbruch: Murano war nicht länger nur Tradition, sondern auch Experiment, Emotion und zeitgenössische Kunst. Heute wirken diese Vasen noch immer erstaunlich lebendig. Vielleicht, weil sie nicht perfekt sein wollen. Vielleicht, weil sie zeigen, dass Schönheit manchmal genau dort entsteht, wo Kontrolle losgelassen wird.
