Er spielte in einigen der größten Hollywoodfilme mit, begeisterte mit seinem ausschweifenden Lebensstil – und änderte sich in den vergangenen Jahren komplett. Der Ire Colin Farrell war seit jeher bekannt für seine unbestreitbare Anziehungskraft auf der Kinoleinwand. Ein wunderschöner Filmstar mit überaus ausdrucksstarken, pechschwarzen Augenbrauen. Ein Leading Man alter Schule, der dabei noch sympathisch und nahbar wirkte.
Doch seit er 2006 einen Entzug hinter sich brachte und eindeutig ruhiger in seinem Leben geworden ist, erfand sich Farrell auch ein Stück weit neu, übernahm anspruchsvollere oder teils schlicht andere Rollen – etwa in Yorgos Lanthimos‘ (52) „The Lobster“ aus dem Jahr 2015 oder, ein weiterer Wendepunkt in seiner Karriere, der wunderbaren schwarzen Komödie „Brügge sehen… und sterben?“ aus dem Jahr 2008. Aber der Reihe nach…
Rasanter Aufstieg in Hollywood
In Hollywood, dem Ort der schnellen Aufstiege zum Ruhm, spielte Colin Farrell besonders schnell in der ersten Liga mit. Er stand jung für Steven Spielberg (79) und Oliver Stone (79) vor der Kamera, drehte mit Tom Cruise (63) den Spielberg-Film „Minority Report“ aus dem Jahr 2002 oder an der Seite von Leinwandlegende Al Pacino (86). Letzteres in „Der Einsatz“ aus dem Jahr 2003. In „Nicht auflegen!“ durfte er, wie der Titel schon sagt, ja nicht den Hörer einer Telefonzelle niederlegen.
Doch das lief sich nach einer Weile leer. Oliver Stones Historien-Epos „Alexander“ geriet zum Flop und gab Farrell auch ein Stück weit der Lächerlichkeit preis. Nach dem 2006 erschienenen „Miami Vice“-Remake an der Seite von Jamie Foxx (58), übrigens ein weiterer finanzieller Fehlschlag, begab sich Farrell zunächst in eine Entzugsklinik.
„Ich hatte mir wahrscheinlich eine Tracht Prügel verdient. Das hatte ich wirklich. Ich hatte zu viel Spaß und habe das auch viel zu laut herausposaunt“, sagte er 2012 gegenüber dem „Guardian“ über die damaligen Jahre.
„Brügge sehen… und sterben?“ als Wendepunkt
In einem anderen Rückblick auf diese Zeit bezeichnete er sich selbst als „nervig“. Weiter sagte er 2017 gegenüber der „New York Times“: „Ich hatte so viel, und das so schnell. Ich war so überheblich.“
Der irische Filmemacher Martin McDonagh (56), der einer seiner liebsten Regisseure werden sollte, gab ihm daraufhin eine der Rollen seines Lebens in „Brügge sehen… und sterben?“. An der Seite von Brendan Gleeson (71) trieb er als Kunst und Kultur nicht würdigender Auftragsmörder Ray durch die wunderschöne Stadt Brügge. Der Film entstand tatsächlich wenige Monate, nachdem er aus der Entzugsklinik entlassen wurde. Mit Gleeson stand er Jahre später nochmals für „The Banshees of Inisherin“ vor der Kamera und erhielt seine bislang einzige Oscarnominierung sowie den Schauspielpreis Coppa Volpi des Filmfestivals von Venedig.
Auch wenn Farrell in den Jahren und Jahrzehnten nach „Brügge sehen… und sterben?“ immer mal wieder in Hollywood-Großprojekten zu sehen war – etwa „The Batman“, „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ oder „Total Recall“ – hat er doch, so scheint es, auch ein Stück weit das Independent-Kino und künstlerisch wertvollere Projekte für sich entdeckt.
Zuletzt wechselte er auch, wie vieler seiner Zunft, zu Prestige-Serien hinüber. Unter kolportierten rund 20 Kilogramm Latex brillierte er als hässlicher „Pinguin“ Oz Cobb in der HBO-Serie „The Penguin“. Im Geheimtipp „John Sugar“ gibt er hingegen den Cineast und Privatdetektiv aus dem Titel. Die zweite Staffel startet im Juni.
Schwer kranker Sohn und früheres wildes Privatleben
Seine wilden Zeiten hat Farrell nach eigener Aussage indes hinter sich gelassen. Im „Guardian“-Interview scherzte er, dass ein 2008 im Internet aufgetauchtes privates Sexvideo ihm dabei geholfen habe, „mich von Kokain und Whisky fernzuhalten“. Weiter sinnierte er über „das Geld, das mir zugeworfen wurde, und die Betten, in denen ich gelandet bin – das war verrückt. Die Tatsache, dass ich das erleben durfte, war unglaublich. Aber ich bin froh, dass es vorbei ist.“
Heute praktiziere er stattdessen Yoga. Im Jahr 2025 gab er zudem bekannt, dass er seinen erstgeborenen Sohn James (22) in Langzeitpflege gegeben habe. James ist am Angelman-Syndrom erkrankt, einer seltenen neurogenetischen Störung, die vor allem das Nervensystem betrifft und zu schweren körperlichen und geistigen Behinderungen führt.
Die Mutter von James ist das US-Model Kim Bordenave (54). Farrell ist neben James auch Vater von Sohn Henry (16), den er mit seiner ehemaligen Partnerin und „Ondine“-Kollegin Alicja Bachleda-Curuś (43) bekommen hat. Heute feiert er seinen 50. Geburtstag.
(lau/spot)
Bild: Colin Farrell im vergangenen Jahr bei einem Event in seiner Wahlheimat Los Angeles. / Quelle: imago images/Cinema Publishers Collection / A.M.P.A.S.



