20 Jahre ohne Annemarie Wendl: Ihre Else Kling bleibt unvergessen

20 Jahre ohne Annemarie Wendl: Ihre Else Kling bleibt unvergessen

„Sodom und Gomera“ – wer die „Lindenstraße“ über viele Jahre verfolgt hat, dürfte bei diesen Worten sofort eine ganz bestimmte Stimme im Ohr haben. Mit strengem Blick, Schürze und Putzeimer wachte Else Kling über Sitte, Ordnung und vor allem über ihre Nachbarn. Verkörpert wurde sie von Annemarie Wendl. Am 3. September 2026 jährt sich der Tod der Schauspielerin zum 20. Mal. Sie starb 2006 im Alter von 91 Jahren in München an Herzversagen.

Auch zwei Jahrzehnte nach Wendls Tod ist ihr Name untrennbar mit jener Rolle verbunden, die sie im hohen Alter noch einmal einem Millionenpublikum bekannt machte. Vom Start der „Lindenstraße“ am 8. Dezember 1985 an gehörte Else Kling zum festen Inventar des ARD-Dauerbrenners. Mehr als 20 Jahre mischte sie sich in das Leben der Bewohner ein, kontrollierte Hausflure und Briefkästen und kommentierte mit Vorliebe all das, was ihrer Vorstellung von Anstand widersprach.

Mit Schürze, Putzeimer und scharfem Mundwerk

Else Kling war neugierig, streng katholisch, konservativ und selten um eine bissige Bemerkung verlegen. Gemeinsam mit ihrem gutmütigen Ehemann Egon (Wolfgang Grönebaum) lebte sie im Haus Nummer 3, wo das Ehepaar zunächst als Hausmeister tätig war. Was hinter den Türen ihrer Nachbarn geschah, ging Else nach eigener Auffassung selbstverständlich auch etwas an. Vor ihrem Urteil war kaum jemand sicher.

„Wenn’s schee macht“

Wie sehr Wendl und ihre Rolle miteinander verschmolzen, zeigte sich auch außerhalb der „Lindenstraße“. In den 1990er-Jahren war die Schauspielerin als Else Kling in einem Buttermilch-Werbespot zu sehen. Ihr trockener Ausspruch „Wenn’s schee macht“ wurde zum geflügelten Wort und ist bis heute mit ihr verbunden.

Dabei hatte Wendl längst eine Schauspielkarriere hinter sich, bevor sie als Else Kling zum Fernsehstar wurde. Geboren wurde sie am 26. Dezember 1914 im oberbayerischen Trostberg. Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie in Berlin bei Lucie Höflich. Doch erst die „Lindenstraße“, die Wendl bereits über 70-jährig begann, machte sie bundesweit zur Kultfigur.

Ein Abschied, wie ihn nur Else Kling bekommen konnte

Im Dezember 2005 gab Wendl aus gesundheitlichen Gründen ihren Abschied von der „Lindenstraße“ bekannt. Die Verantwortlichen ließen ihre Figur daraufhin nicht einfach verschwinden, sondern bereiteten ihr einen der wohl ungewöhnlichsten Serientode der deutschen Fernsehgeschichte.

In Folge 1069, „Abschied und Ankunft“, die am 28. Mai 2006 ausgestrahlt wurde, blieb Else allein in ihrer Wohnung zurück, während Sohn Olaf (Franz Rampelmann) und Schwiegertochter Ines (Birgitta Weizenegger) verreisten. Sie machte sich hübsch, blätterte in alten Fotoalben und ließ ihr Leben in der Lindenstraße Revue passieren. Um 18:50 Uhr schaltete sie schließlich den Fernseher ein, um ihre Lieblingsserie zu sehen – die „Lindenstraße“.

Dann hörte Else eine Stimme, die nach ihr rief. Gesprochen wurde sie von „Lindenstraße“-Erfinder Hans W. Geißendörfer (85) selbst. Else folgte ihr zur Wohnungstür und ging hinaus ins helle Licht. Selbst auf dem Weg ins Jenseits blieb sie ihrem Charakter treu und beschwerte sich darüber, dass sie ihre Lieblingsserie nicht mehr zu Ende sehen konnte. In der folgenden Episode trauerte die gesamte Hausgemeinschaft. Mit Else Kling hatte die Lindenstraße ein echtes Original verloren.

Annemarie Wendl starb nur wenige Monate später

Nur gut drei Monate nach der Ausstrahlung ihres Serientodes starb auch Annemarie Wendl. Die „Lindenstraße“ lief danach noch fast 14 Jahre weiter, bis im März 2020 schließlich Schluss war. Hoffnungen, die Kultserie könnte bei einem Streaminganbieter eine neue Heimat finden, erfüllten sich nicht. Schöpfer Hans W. Geißendörfer schloss eine Fortsetzung damals aus: „Die ‚Lindenstraße‘ gehört zur ARD, und wenn es vorbei ist, ist es eben vorbei. Alles, was gut ist, hat auch mal ein Ende.“

Ganz verschwunden ist die Serie allerdings nicht: Seit 2024 stehen alle 1.758 Folgen bei ARD Plus zum Abruf bereit. Damit können Fans auch Annemarie Wendl als Else Kling noch einmal von ihren Anfängen bis zu ihrem Abschied erleben.

(obr/spot)

Bild: Annemarie Wendl schrieb mit ihrer Rolle in der „Lindenstraße“ Fernsehgeschichte. / Quelle: imago/APress

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