Wem kann man noch trauen? Diese Frage stellt sich schnell, nachdem ein Polizeiteam im neuen Netflix-Thriller „The Rip“ in einem verlassenen Versteck Bargeld in Millionenhöhe entdeckt. Auch zwischen den Figuren von Matt Damon (55) und Ben Affleck (53) gerät das Vertrauen ins Wanken. Im echten Leben dürfte das anders aussehen: Der Film markiert vielmehr ein weiteres Kapitel in der jahrzehntelangen Freundschaft der beiden Hollywoodstars.
Alles begann mit einem Kampf
Die beiden Schauspieler kennen sich mittlerweile bereits seit mehr als vier Jahrzehnten. Sie hatten sich erstmals getroffen, als sie zehn und acht Jahre alt waren. Als Kinder lebten beide nicht weit voneinander in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts. Sie gingen auf dieselbe Schule und freundeten sich schnell an.
Das letzte Mal, dass Damon in einen Kampf verwickelt wurde, sei Mitte der 1980er gewesen, erinnerte er sich im Jahr 2019 im Gespräch mit dem US-Talkmaster Conan O’Brien (62). Damon legte er sich damals mit einem deutlich größeren Jungen an. „Das wird schlimm“, dachte er sich, als er am Boden lag und der „Berg von einem Kerl“ über ihm thronte. Genau in diesem Moment habe der noch kleinere Affleck den anderen Jungen wie aus dem Nichts und „buchstäblich unter Lebensgefahr“ von ihm heruntergetackelt. „Ich erinnere mich, dass das ein großer Moment war“, erzählte Damon. „Er wird sich für mich in eine wirklich schlimme Lage bringen. Das ist ein guter Freund.“
Mit dem Zug nach New York City
Affleck fand vor Damon zum Schauspiel, doch wenige Jahre später verschrieben sich beide der Kunst. Als Damon etwa 16 Jahre und er 14 Jahre alt war, fuhren die beiden gemeinsam mit dem Zug nach New York City, um dort für Rollen vorzusprechen, erzählte Affleck im Jahr 2007 dem Magazin „Parade“. Manchmal machten sie sich auch per Flugzeug auf den Hin- und Rückweg. „Der Flug kostete etwa 20 Dollar und man konnte im Flugzeug rauchen“, erzählte er. „Wir rauchten wie die Idioten, weil wir dachten, wir sollten eigentlich erwachsen sein. Es war bemitleidenswert.“
Ihre erste gemeinsame – wenn auch noch winzige – Rolle hatten die beiden in „Feld der Träume“ im Jahr 1989. Von späterem Starruhm waren sie damals weit entfernt, Hauptdarsteller wie Kevin Costner (70) ohnehin noch außer Reichweite. Affleck und Damon tauchten lediglich als Statisten in einer Menschenmenge auf. Danach trennten sich ihre Wege zunächst: Die Freunde besuchten unterschiedliche Colleges, hielten jedoch stets Kontakt.
„Good Will Hunting“ sollte alles verändern
Für den 1992 erschienenen „Der Außenseiter“ mit Brendan Fraser (57) standen sie dann erstmals wieder gemeinsam vor der Kamera. Und der große Durchbruch mit dem Film, der für beide alles verändern sollte, ließ nicht lange auf sich warten. In Harvard hatte Damon für einen Kurs ein Dokument mit rund 40 Seiten eingereicht, wie er dem „Boston Magazine“ später erzählte. Es war der erste Akt für „Good Will Hunting“, der später allerdings nicht viel mit dem fertigen Film zu tun haben sollte.
Damon machte sich zu dieser Zeit wegen einer Rolle auf den Weg nach Los Angeles, wo er bei Affleck auf dem Boden schlief. Sie begannen gemeinsam am Drehbuch für den heutigen Klassiker zu arbeiten. 1997 wurde Gus Van Sants (73) Film mit Damon, Affleck und Robin Williams (1951-2014) veröffentlicht. Bei der Verleihung der Oscars im folgenden März wurde Williams als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet, die beiden Freunde für das beste Drehbuch.
Zwar spielten sie in der Zwischenzeit unter anderem auch gemeinsam in Kevin Smiths (55) Komödie „Chasing Amy“ und bekamen für das „Good Will Hunting“-Drehbuch auch einen Golden Globe, jetzt war das Duo aber wirklich voll und ganz in Hollywood angekommen.
Ben Affleck hat neben Matt Damon nicht viele Freunde
Was folgte, waren Jahre, in denen sie weiterhin ab und an gemeinsam drehten – und in denen sie beide zu waschechten Stars wurden. Für Smiths Satire „Dogma“ aus dem Jahr 1999 und „Jersey Girl“ von 2004 arbeiteten sie etwa noch gemeinsam, sie konzentrierten sich vorerst aber vor allem auf komplett eigene Projekte. Während all der Zeit verloren sie sich aber nie aus den Augen und auch beruflich sollten sie sich nicht für immer trennen.
Im Jahr 2021 wurde Ridley Scotts (88) „The Last Duel“ veröffentlicht, für den sie nicht nur vor der Kamera standen, sondern auch mit Nicole Holofcener (65) das Drehbuch verfassten. Im folgenden Jahr gründeten sie die gemeinsame Produktionsfirma Artists Equity und Damon spielte unter Regisseur Affleck im 2023 erschienenen „Air: Der große Wurf“ – um nur einige Projekte zu nennen. Im Gespräch mit „Vanity Fair“ betonten im selben Jahr beide, dass sie rückblickend noch öfter miteinander hätten arbeiten sollen.
Mit Freunden wie Matt Damon braucht man nicht viele andere Kumpels, ist wohl Afflecks Ansicht. Laut eines Berichts von „Business Insider“ erzählte der Star im Rahmen der Premiere seines Films „The Accountant 2“ beim South by Southwest Film & TV Festival (SXSW) im letzten März: „Wissen Sie, ich habe nicht sehr viele, niemand von uns hat wirklich sehr viele, Freunde. Man braucht nicht eine Million Freunde“. Man benötige nur „ein paar. Man braucht gute.“
Ab dem 16. Januar ist der Thriller „The Rip“ mit Damon, Affleck, „The Walking Dead“-Star Steven Yeun (42) und Teyana Taylor (35) bei Netflix abrufbar.
(wue/spot)
Bild: Matt Damon (re.) als Lieutenant Dane Dumars und Ben Affleck als Detective Sergeant J.D. Byrne im Netflix-Film „The Rip“ / Quelle: Claire Folger/Netflix

