Inklusion in der Hospitality: Zwischen Haltung, Realität und echter Zukunftsfähigkeit

Berlin, 03.02.2026 (lifePR) – Inklusion ist in der Hotellerie und Gastronomie angekommen. Nicht als Imageprojekt oder aus moralischem Pflichtgefühl, sondern als reale Frage von Arbeitskultur, Fachkräftesicherung und wirtschaftlicher Stabilität. Beim Panel: „People. Purpose. Power – Soziale Veränderung beginnt im Alltag!“ auf dem GreenSign Future Lab wurde eines deutlich: Wer Inklusion ernst meint, muss aufhören, sie zu romantisieren, und anfangen, sie strukturell zu denken.

Warum Inklusion heute ein wirtschaftliches Kern-Thema ist

Lange galt Inklusion als „sympathisches Extra“. Diese Sicht ist 2026 überholt. Ähnlich wie ökologische Nachhaltigkeit ist soziale Inklusion heute ein zentraler Bestandteil zukunftsfähiger Unternehmensführung. Betriebe ohne stabile Teams und funktionierende Arbeitsstrukturen stoßen unweigerlich an ihre Grenzen.

Das Leitprinzip„Inklusion bedeutet nicht, jeden Arbeitsplatz passend zu machen. Sie bedeutet, passende Arbeitsplätze sichtbar, sinnvoll und tragfähig zu gestalten.“

Die Formel für Erfolg: Haltung trifft Struktur

Inklusion lebt von Begegnung, aber Begegnung allein trägt nicht dauerhaft. Ja, sie braucht diese echten Momente, in denen Menschen miteinander arbeiten, sich wirklich sehen und so Vorurteile verlieren. Doch ohne ein systemisches Fundament bleibt Inklusion dem Zufall überlassen.

„Haltung ohne Struktur bleibt fragil. Struktur ohne Haltung bleibt leer.“

Erst wenn Aufgaben, Prozesse, Unterstützungssysteme und klare Zuständigkeiten zusammenspielen, entsteht eine Verankerung im Betrieb, die unabhängig vom Engagement Einzelner funktioniert. Im Panel mit Christian Helferich, Bernise Rivière und Max C. Luscher wurde klar: Inklusion ist eine organisatorische Disziplin.

Wirtschaftlichkeit als Voraussetzung, nicht als Widerspruch

Ein Gedanke aus der Diskussion war besonders wichtig: Inklusion funktioniert nur, wenn sie wirtschaftlich tragfähig ist. Das bedeutet nicht, dass Menschen bewertet werden. Es bedeutet, dass Rahmenbedingungen gestaltet werden müssen, die beiden Seiten gerecht werden: dem Menschen und dem Betrieb.

Ein dauerhaft überforderter Betrieb kann keine stabilen inklusiven Arbeitsplätze bieten. Ehrlich über Anforderungen und Belastungen zu sprechen, ist kein Rückschritt, sondern unternehmerische Verantwortung.

Es gibt keine universelle Blaupause

Jeder Betrieb, jede Rolle und jeder Mensch ist individuell. Inklusion beginnt selten mit einem 50-seitigen Konzept, sondern mit einer simplen Analyse:

Welche Aufgaben im Haus sind klar strukturiert?
Wo können Tätigkeiten flexibel ausgeführt werden?
Wie nehmen wir das Team frühzeitig mit?

Entscheidend ist die Kommunikation: Wir müssen offen darüber sprechen, dass ein „anders“ nicht automatisch „schlechter“ bedeutet, sondern oft eine Bereicherung der gesamten Team-Dynamik ist.

Die Rolle der Netzwerke: Niemand geht den Weg allein

Zusätzlicher Abstimmungsaufwand und bürokratische Hürden sind real. Diese Unsicherheiten dürfen benannt werden. Doch die Praxis zeigt: Inklusive Teams sind loyaler, stabiler und werden von Gästen als besonders authentisch wahrgenommen.

Was wir 2026 noch brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen:

Klare Ansprechpartner bei sozialen Trägern.
Verständliche Förderlogiken ohne bürokratische Hürden.
Politische Anerkennung von Inklusion als Wirtschaftsfaktor.

Die Köpfe hinter der Debatte: Experten zum Thema Inklusion in der Hotellerie & GastronomieInklusion braucht Vorbilder, die zeigen, dass Anspruch und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen. Unser Panel vereinte drei Perspektiven, die den Weg für die Branche ebnen:

Max C. Luscher – Gründer der privatwirtschaftlichen Inklusions.Gastronomiekette: Coffee, Brownies & Downies: „Inklusion darf kein Nischenprojekt am Stadtrand sein. Wir müssen den Mut haben, inklusive Konzepte dorthin zu bringen, wo die Gesellschaft zusammenkommt: mitten in die Stadt, als Premium-Service und als selbstverständlicher Teil der Marktwirtschaft.“

Bernise Rivière – Gründerin & 1. Vorsitzende der gemeinnützigen Organisation SapoCycle Germany e.V.: „Nachhaltigkeit ist erst dann vollständig, wenn wir die soziale Komponente mitdenken. Es geht darum, Kreisläufe zu schließen – ökologisch durch Recycling und sozial durch die Einbindung von Menschen, die in unserer Arbeitswelt oft übersehen werden.“

Christian Helferich – Hoteldirektor Hotel-Restaurant Anne-Sophie in Künzelsau und Altes Amtshaus in Ailringen: „Wir betreiben kein Sozialprojekt, sondern Hotellerie auf Top-Niveau. Erfolg bedeutet, wenn der Gast nicht wegen der Inklusion zu uns kommt, sondern wegen der exzellenten Qualität und dann feststellt, dass die Vielfalt des Teams das Erlebnis erst perfekt macht.“

Fazit: Zurück zum Menschsein

Max Luscher formulierte es im Panel treffend: „Wann haben wir eigentlich verlernt, mit Menschen umzugehen?“ Vielleicht ist genau das der Kern dieser Diskussion. Inklusion ist kein Zusatzprogramm, sondern ein Spiegel unseres Verständnisses von Wertschätzung. Sie ist Teil eines Geschäftsmodells, das Menschen stärkt, ob mit oder ohne Behinderung.

Oder, um es mit den Worten von Bruce Springsteen zu sagen: „Nobody wins unless everyone wins.“ Genau da wollen wir hin. Gemeinsam.

Ein Beitrag von Anja Engel & Victoria Knauer-Hansen

 

Das könnte dir auch gefallen

Mehr ähnliche Beiträge