„Grönemeyer – Alles bleibt anders“: Geheimnis seiner langen Karriere

„Grönemeyer – Alles bleibt anders“: Geheimnis seiner langen Karriere

Was macht jemanden zur Konstante, während sich um ihn herum alles verändert? Diese Frage stellt die ARD-Dokumentation „Grönemeyer – Alles bleibt anders“ einem Mann, der am 12. April seinen 70. Geburtstag feierte. Ausgestrahlt wird der 90-minütige Film am 13. April um 20:15 Uhr im Ersten. In der Mediathek ist er bereits veröffentlicht.

Regisseur Robert Bohrer, der auch das Drehbuch verantwortet, und sein Co-Regisseur Robert Kummer haben für das Porträt tief gegraben – und Menschen um Herbert Grönemeyer versammelt, die ihn aus ganz verschiedenen Winkeln kennen. Das Ergebnis ist kein klassischer Jubiläumsfilm mit viel Retrospektive, sondern eine Annäherung an einen Künstler, der sich bis heute lieber Fragen stellt als Antworten zu verwalten.

Wolfgang Niedecken: So wird aus der „harten deutschen Sprache“ Musik

Neben seltenen Archivaufnahmen kommen Freunde und Weggefährten wie Anke Engelke, Star-Pianistin Anna Vinnitskaya, Fotograf und Filmregisseur Anton Corbijn sowie U2-Sänger Bono zu Wort. Sie versuchen zu erklären, wie der Künstler es über Jahrzehnte geschafft hat, neugierig, relevant und erfolgreich zu bleiben. Mit Hits wie „Bochum“ (1984), „Männer“ (1984), „Flugzeuge im Bauch“ (1985), „Kinder an die Macht“ (1986), „Mensch“ (2002) oder der Fußball-WM-Hymne „Zeit, dass sich was dreht“ (2006) hat der gebürtige Göttinger den Soundtrack von Generationen geschrieben und die deutsche Popmusik geprägt.

Nina Hoss (50), Schauspielerin und enge Freundin Grönemeyers, erinnert sich etwa an eine Art kollektives Aufwachsen mit seiner Musik: „Ich habe mit Shampoo oder mit Haarbürste in der Hand ‚Was soll das‘ hoch und runter vor dem Spiegel gesungen. Ich bin aufgewachsen mit seiner Musik. Er begleitet unser aller Leben, was ich wirklich phänomenal finde.“

Toni Kroos (36) beschreibt dasselbe Phänomen aus einer anderen Perspektive – der des Kindes, das der Vater zu Konzerten mitnahm: „Es ist ja ein Zeichen, wie generationenübergreifend Herbert einfach Menschen fesselt.“

Wolfgang Niedecken (75), selbst seit Jahrzehnten im Musik-Geschäft, lenkt den Fokus auf das handwerkliche Geschick hinter dem Phänomen Grönemeyer: „Er hat auch wirklich eine Art und Weise gefunden, mit dieser harten deutschen Sprache so umzugehen, dass man damit Musik machen kann.“

Sängerin Paula Hartmann (24), die zu einer jüngeren Musikergeneration gehört, beobachtet ihn wiederum auf der Bühne mit einem Staunen, das über Respekt hinausgeht: Bei den Zugaben kehre er zurück „als wäre es gerade entweder das erste Mal, dass er auf die Bühne kommt, oder das einzige und letzte Mal“, sagt sie in der Dokumentation.

Zwei, die sonst schweigen

Erstmals kommen in dem Film auch zwei Menschen öffentlich zu Wort, die Grönemeyers Alltag seit Jahren prägen: seine Managerin Claudia Kaloff und sein Tourmanager und Bodyguard Ingo Mertens. Beide bleiben normalerweise im Hintergrund – ihre Einblicke sind ungewohnt nah.

Grönemeyer selbst spricht über etwas, das man bei jemandem mit seiner Erfolgsgeschichte nicht zwingend erwartet: Angst. Die Sorge, dass die Fähigkeit zur Erneuerung irgendwann aufhören könnte. Wie er mit dieser Angst lebt, zieht sich als roter Faden durch das Interview – und macht den Film zu mehr als einem Porträt.

Verlust als Wendepunkt

Die Dokumentation nimmt sich auch Zeit für die Brüche in seinem Leben. Ende der 1990er-Jahre traf Grönemeyer innerhalb kürzester Zeit ein doppelter Schicksalsschlag: Er verlor seinen Bruder und seine Frau. Was folgte, war kein geordneter Rückzug, sondern ein langes Schweigen. Dass daraus Jahre später mit „Mensch“ eines der erfolgreichsten deutschen Alben aller Zeiten entstehen konnte, beschreibt der Film nicht als Triumph, sondern als das, was es wohl war: ein mühsamer Weg zurück.

Diese Fähigkeit neu anzufangen, zieht sich durch Grönemeyers gesamte Karriere – vom Theater in Bochum, wo er mit 20 Jahren bereits musikalischer Leiter war, über den Kinofilm „Das Boot“, der ihn 1981 international bekannt machte, bis zur ausverkauften Tour „Mittendrin“ im Jahr 2025. Auch gesellschaftlich hat er sich nie weggeduckt: Grönemeyer äußert sich seit Jahrzehnten zu politischen Fragen – von der Flüchtlingsdebatte bis zum Klimawandel – und gehört damit zu den deutschen Popkünstlern, die Haltung zeigen.

(ili/spot)

Bild: Herbert Grönemeyer stand für die Doku „Grönemeyer – Alles bleibt anders“ Rede und Antwort. / Quelle: WDR/Daniel Waldhecker

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