Franziska Weisz: „Gestorben wird auch bei Sonnenschein“

Franziska Weisz: „Gestorben wird auch bei Sonnenschein“

Sie hätte einfach wieder eine Kommissarin spielen können – und doch ist Doro Beitinger für die langjährige NDR-„Tatort“-Kommissarin (2016-2024) Franziska Weisz (45) weit mehr als eine Rückkehr ins gewohnte Fahrwasser. Die österreichische Schauspielerin ist ab 6. März, 20:15 Uhr im ZDF in der neuen Krimiserie „Mordufer“ zu sehen. Bereits seit dem 27. Februar sind alle vier Folgen in der ZDF-Mediathek abrufbar. Weisz spielt darin eine Frau, die nach Jahren der Familienarbeit wieder in den Polizeidienst einsteigt – mit allem, was das an Reibung und unerwarteten Erkenntnissen bedeutet.

„Sie ist total uneitel und mit sich im Reinen. Bodenständig, dennoch feinsinnig“, beschreibt Weisz ihre Figur im Interview mit spot on news. Und dann kommt der entscheidende Satz: „Meinen Gerechtigkeitssinn und den Hang zum trockenen Humor – die finde ich auf jeden Fall in Doro wieder.“

Zwischen Karriere-Knick und frischem Start

Die Serie stellt eine Frage, die viele Frauen kennen: Was passiert, wenn man nach Jahren der Familienarbeit zurück in den Beruf kommt – und die Welt sich weitergedreht hat, während man selbst vermeintlich stillstand? Doros männliche Kollegen sowie ihre neue jüngere Chefin Chiara Locatelli, gespielt von Maria Wördemann (geb. 1995), sind karrieremäßig an ihr vorbeigezogen.

„Als Doro nach 14 Jahren zurück in den Beruf kommt, trifft sie auf ihre männlichen Kollegen von damals. Die haben mittlerweile ebenso alle Familie, aber eben auch einen Haufen Sterne an ihren Schulterklappen. Doro musste sich entscheiden, die männlichen Kollegen nicht“, reflektiert Weisz diesen Konflikt. Auch die junge Vorgesetzte halte ihr den Spiegel vor: Lebt Chiara die Karriere, die sie hätte haben können? „Da denke ich allerdings, dass auch Doro so ehrlich zu sich selbst ist: In den frühen 2000ern hätte man in der Männerdomäne Polizei wohl keine junge Frau an die Spitze gesetzt“, so Weisz.

Nach der Zusammenarbeit mit der jungen Schauspielkollegin gefragt, gerät Weisz ins Schwärmen: „Von der ersten Minute an wunderbar. Es war sehr harmonisch und auch lustig. Es gab gewisse Szenen, da durften wir einander beim Spiel einfach nicht angucken, weil es in einem Lachanfall geendet hätte.“ Die großen Gegensätze seien ihren Figuren vorbehalten, „privat, denke ich, überwiegt das, was uns eint“.

Drei Hauptfiguren: zwei Kommissarinnen und ein See

„Mordufer“ ist in der reizvollen Bodenseeregion angesiedelt. „Beim Drehen hieß es schon immer: Wir haben hier eigentlich drei Hauptfiguren. Die beiden Kommissarinnen und den See“, erzählt Weisz. Der Kontrast zwischen der landschaftlichen Schönheit des Sommers am See und den Morden, ist Programm. „Ich bin froh, dass die Region in ihrer vollen Pracht eingefangen wurde. Alles andere würde ihr nicht gerecht“, so Weisz. Es sei erfrischend, dass sie die Leichtigkeit und Schönheit des Sommers sichtbar machen durften. „Die Mordfälle bringen ja ohnedies ihre Abgründe mit. Gestorben wird nun mal auch bei Sonnenschein“, sagt Weisz lapidar – und trifft damit den Ton der Serie ziemlich genau.

Vier Fälle, vier verschiedene Milieus: Schönheitschirurgie, Weinbau, Rüstungsindustrie, Grenzkriminalität. Als Ermittlerinnen-Duo stehen sich Doro Beitinger und die ambitionierte Chiara Locatelli gegenüber – ein Machtverhältnis, das Weisz als „Zeichen unserer Zeit“ deutet. „Man setzt auf frischen Wind, den jungen Blick, flache Hierarchien. Eine Chance, aber ebenso eine Herausforderung für beide Seiten.“ Altershierarchien à la Beamtenlaufbahn seien vielerorts Geschichte.

Unterstützung erhalten die beiden Kommissarinnen von den Zollbeamten Florian Jäger (Lucas Prisor) und Nico Arnold (Paul Ahrens), mit denen die besondere geografische Grenzlage regelmäßige Kooperation erfordert.

Bodensee als persönliches Erweckungserlebnis

Für Weisz war der Bodensee Neuland – und wurde zur Überraschung. „Mir war schlicht nicht klar, wie schön es da ist. Man muss nicht zwangsweise bis nach Italien weiterfahren“, sagt sie. Zwei Monate lang fotografierte sie jeden Abend den Sonnenuntergang. „Die Lebensqualität, nach dem Arbeitstag noch schnell und unkompliziert irgendwo in den See zu springen“ – hier könne man das Leben genießen. „Die Menschen strahlen so eine Zufriedenheit aus. Sie wissen, dass sie dort leben, wo andere gerne Urlaub machen“, fügt sie hinzu.

„Mordufer“ markiert für die Schauspielerin und ihre Figur einen Neuanfang. Auf die Frage, wie sie persönlich auf das Thema Neuanfang blickt, antwortet Weisz: „Ich denke, dass in jedem Tag ein Neuanfang steckt. Man muss sich nur dafür entscheiden.“

(ili/spot)

Bild: Neue Krimiserie „Mordufer“ mit Doro Beitinger (Franziska Weisz, l.) und Chiara Locatelli (Maria Wördemann). / Quelle: ZDF / Patrick Pfeiffer / Irenaeus Herok

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