Eva Löbau: „Tatort: Das jüngste Geißlein“ weckt „kindliche Urängste“

Eva Löbau: „Tatort: Das jüngste Geißlein“ weckt „kindliche Urängste“

Märchen sind nicht nur etwas für Kinder – das beweist der neue Schwarzwald-„Tatort“ auf eindrucksvolle Weise. Am 4. Januar (20:15 Uhr im Ersten) ermitteln Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) in „Das jüngste Geißlein“ in einer Welt zwischen Krimi und Schauermärchen. Ein Mädchen, das sich im Uhrenkasten versteckt, eine Leiche mit Steinen beschwert im See und die Frage: Wer ist der böse Wolf?

Die Atmosphäre des Films mit Horrorelementen wecke „kindliche Urängste“, verrät Hauptdarstellerin Eva Löbau (53) dem SWR. Für sie sind Märchen als Erwachsene ganz anders faszinierend als in der Kindheit: „Damals wollte ich nur, dass das gute Ende die Grausamkeiten dazwischen aufwiegt. Heute empfinde ich das vermeintlich gute Ende oft als am grausamsten.“

Die kluge Else und der Eisenhans

Ihr persönliches Lieblingsmärchen? „Die kluge Else“ – eine Geschichte, die Löbau als „lustig und schrecklich zugleich“ beschreibt. Die Fragen, die sich die Protagonistin stellt, kennt die Schauspielerin nur zu gut aus ihrem eigenen Alltag: „Arbeite ich erst oder esse ich erst? Arbeite ich erst oder schlafe ich erst?“

Kollege Hans-Jochen Wagner (57) hat – auch wegen seines Namens – einen anderen Favoriten: „Der Eisenhans“. Als Heranwachsender habe er sich oft gewünscht, „in einen Wald hineinrufen“ zu können, damit „ein starker Mann herauskäme, um mir die passende Rüstung für den Tag zu reichen“. Sein Fazit: „Hat leider nie geklappt.“

„Tatorte“ mit Märchenbezug

Märchenmotive im „Tatort“ haben durchaus eine Tradition. Erst im Herbst tauchten die Ermittlerinnen Grandjean und Ott (Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler) im Züricher Fall „Rapunzel“ in die Welt des Echthaar-Handels ein. Schon 2003 gab es den Leipziger „Tatort: Rotkäppchen“ mit den Kommissaren Ehrlicher und Kain (Peter Sodann und Bernd Michael Lade). Hier trug das ermordete Mädchen den Spitznamen wegen ihrer roten Haare – die Spur führte ins Rotlichtmilieu. 2007 dann „Dornröschens Rache“ aus Berlin: Die Kommissare Ritter und Stark (Dominic Raacke und Boris Aljinovic) ermittelten in einem brandenburgischen Dorf, das nach einem Mord vor 20 Jahren in einen „Dornröschenschlaf“ verfallen ist.

Auch der Kölner „Tatort: Pechmarie“ von 2018 mit Ballauf und Schenk (Klaus Behrendt und Dietmar Bär) trägt einen Märchentitel, doch der Bezug zu „Frau Holle“ erschöpft sich weitgehend in Schneebildern. Anders verhält es sich mit dem Konstanzer Fall „Bitteres Brot“ (2004), in dem eine Bäckerin im Ofen stirbt und Blum und Perlmann (Eva Mattes und Sebastian Bezzel) damit an die böse Hexe aus „Hänsel und Gretel“ erinnert.

Bereits 2001 schickte das Münchner Duo Batic und Leitmayr (Nemec und Wachtveitl) in „Ein mörderisches Märchen“ einen Märchenfall ins Rennen: Darin spielte Hilmar Thate einen freundlichen älteren Herrn, der von den Kindern des Viertels als Märchenerzähler geliebt wird – bis eine Frau beobachtet, wie er am helllichten Tag einen Sarg vergräbt. Drehbuchautor Daniel Martin Eckhart schüttelte damals die Grimm-Klassiker kunterbunt durcheinander, Thates Figur sprach nur noch in tödlichen Rätseln.

Der neue Schwarzwald-Fall hingegen macht das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein zum dramaturgischen Kern. Die neunjährige Eliza erklärt sich die Welt durch ihr Lieblingsmärchen, das sie ständig über einen Walkman hört. In ihrer Wahnvorstellung hat sie sechs Geschwister, mit denen sie gegen den bösen Wolf ankämpfen muss – Grusel und Gänsehaut vorprogrammiert.

(eyn/spot)

Bild: Der „Tatort: Das jüngste Geißlein“ startet mit einem Mädchen im Uhrenkasten. / Quelle: SWR

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