Für Matthias Koeberlin (52) wurde der neue Fall der erfolgreichen ZDF-Krimireihe „Die Toten vom Bodensee“ zu einer besonderen Herausforderung. In „Schicksalsrad“ (13. April, 20:15 Uhr im ZDF) muss sein Kommissar Micha Oberländer ausgerechnet in ein Riesenrad steigen – keine leichte Aufgabe für jemanden mit Höhenangst.
„Die Höhenangst begleitet mich, solange ich denken kann. Ich habe das Gefühl, dass sie mit den Jahren zunimmt“, verrät der Schauspieler im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Privat gehe er Situationen in großer Höhe lieber aus dem Weg – vor der Kamera musste er sich ihr stellen.
Ihre Figur Micha Oberländer leidet genauso wie Sie unter Höhenangst. Wie herausfordernd war das für Sie beim Dreh?
Matthias Koeberlin: Es ist enorm hilfreich, wenn die Figur, die man spielt, mit der gleichen Angst kämpft wie man selbst. Man kann es benutzen und der Szene hinzufügen. Die private Herausforderung wird dadurch allerdings nur minimal gemindert. (lacht)
Seit wann haben Sie Höhenangst – und wie stark schränkt sie Sie im Alltag tatsächlich ein?
Koeberlin: Die Höhenangst begleitet mich, solange ich denken kann. Ich habe das Gefühl, dass sie mit den Jahren zunimmt. Im Alltag gehe ich, wenn möglich, allem aus dem Weg, was mit dieser Angst zu tun hat. Die Berührung mit ihr findet eigentlich nur beruflich statt.
Was war Ihr erster Gedanke, als klar war: Sie müssen für diesen Film auf ein Riesenrad?
Koeberlin: Es ist nicht das erste Mal gewesen, dass ich im Drehbuch mit Höhe konfrontiert werde. Die Freude darüber hält sich bei mir in engen Grenzen. Aber natürlich nehme ich die Herausforderung an und bereite mich mental darauf vor – im Rahmen meiner Möglichkeiten.
Wie oft mussten die Szenen in der Höhe wiederholt werden?
Koeberlin: Da alle Beteiligten um meine Angst wissen, sind sie sehr gnädig und beschränken alles auf das absolut Nötigste. Von daher ist das Ganze in der Regel relativ schnell vollbracht.
Wie gelingt es Ihnen in solchen Momenten, die eigene Angst zu kontrollieren und trotzdem präzise zu spielen?
Koeberlin: Ich bekomme die Angst bei der reinen Arbeit ziemlich gut in den Griff. Schlimm sind nur die Momente außerhalb der Szene. Dann muss ich mich sehr konzentrieren. Vieles geht über die Atmung – und Humor ist immer hilfreich.
Haben Sie Fahrgeschäfte privat eher gemieden – oder mussten Sie sich Ihrem Unbehagen Ihrem Sohn zuliebe doch immer wieder stellen?
Koeberlin: Ich bin mit meinem Sohn immer gerne auf die Kirmes gegangen. Gewisse Fahrgeschäfte durfte er aber immer allein genießen. Niemand hat gerne einen ohnmächtigen Vater auf der Achterbahn neben sich. (lacht)
Sie haben in Ihrer mehr als 30-jährigen Karriere in zahlreichen Reihen und Filmen mitgewirkt, was war für Sie die bisher größte körperliche Herausforderung?
Koeberlin: In den 30 Jahren, in denen ich diesen Beruf ausüben durfte, waren viele herausfordernde Tage dabei. Da fällt es schwer sich festzulegen. Als besonders intensiv sind mir auf jeden Fall zwei komplette Drehtage auf dem offenen Meer in Kroatien in Erinnerung. Da musste ich in voller Montur schwimmen, tauchen und weiteres, alles bei ordentlichem Wellengang. Das war extrem anstrengend, müder bin ich selten ins Bett gefallen.
Sie stehen seit 2014 für „Die Toten vom Bodensee“ vor der Kamera. Was reizt Sie an der Rolle nach so vielen Jahren noch immer? Haben Sie im Lauf der Jahre auch schon einmal über einen Ausstieg nachgedacht?
Koeberlin: Die Rolle Oberländer ist für mich auch nach zwölf Jahren immer noch spannend und erfüllend. Das ist nicht selbstverständlich. Wir finden immer wieder neue Wege, die Figur weiterzuentwickeln. Solange ich das Gefühl habe, dass die Figur nicht zu Ende erzählt ist, gibt es für mich auch keinen Grund, über einen Ausstieg nachzudenken.
Natürlich stellt man ab und an alles auf den Prüfstand, aber ein Ausstieg war für mich bisher nie ein Thema.
Wenn es so weit ist, würden Sie sich einen spektakulären Serientod wünschen?
Koeberlin: Ich bin gar kein großer Freund von möglichst spektakulären Serientoden. Nicht jeder Abgang ist laut und spektakulär. Die meisten sind eher leise und kaum zu bemerken. So würde ich es im Fall der Fälle auch gerne halten.
(obr/spot)
Bild: Matthias Koeberlin steht seit 2014 für „Die Toten vom Bodensee“ als Kommissar Micha Oberländer vor der Kamera. / Quelle: ZDF/Lukas Gnaiger




