Mit der Geburt ihres ersten Kindes hat sich für Carolin Kebekus (45) die Tür zu einem ganz neuen Themenfeld geöffnet: Mutterschaft. In ihrem Solo-Programm „Shesus“ (ab 25. Februar in der ARD Mediathek) berichtet sie mit Offenheit, Haltung und Selbstironie über die neue Erfahrung. „Was Krasseres kann man in seinem Leben halt nicht machen“, erklärt die Komikerin im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news – und spricht über brutale Geburtserfahrungen, angebrachten Größenwahn und unangebrachte Erwartungen.
Ihr neues Comedy-Special heißt „Shesus“ und beginnt mit einem herrlich größenwahnsinnigen Intro. Was macht das mit einem, wenn man sich mal so maßlos wichtig nimmt?
Carolin Kebekus: Ich finde es geil! Besonders bei dem, was im Internet gerade so abgeht. Laute, selbstbewusste Frauen waren ja noch nie so richtig hoch im Kurs, aber momentan ist es ganz besonders schlimm. Da liebe ich es natürlich, mich so riesig zu inszenieren.
Sie sagen im Programm den schönen Satz: „Ich habe einen Menschen gemacht, ich bin jetzt offiziell Gott.“ Glauben Sie, Männer sind so wütend, weil sie diese Erfahrung nie machen können?
Carolin Kebekus: Ja, ich glaube es ist Angst vor dieser Macht. Die müssen sie irgendwie im Zaum halten und beherrschen.
Sie berichten auch von Ihrer Geburtserfahrung, die ziemlich lang gedauert haben muss. Ich hoffe, Sie haben dabei übertrieben?
Carolin Kebekus: Nein. Vier Tage dauerte die Einleitung.
Oh mein Gott.
Carolin Kebekus: Ja, in meinem Alter gibt es die Empfehlung, dass man die Geburt zum errechneten Termin einleiten soll. Ich dachte wir fahren ins Krankenhaus, ich kriege eine Tablette und dann kommt das Kind. So habe ich mir das vorgestellt. Aber der Muttermund ist nicht aufgegangen, ich habe einfach nur die ganze Zeit Wehen gehabt. Und abends hieß es, ich solle schlafen gehen. Und ich so: „Hä? Man geht doch ins Krankenhaus um das Kind zu kriegen, da geht man doch nicht schlafen?“
Irgendwann konnte ich nicht mehr. Dann haben wir entschieden, den Kaiserschnitt zu machen. Das ist nicht mein Optimal-Zustand – so aufgeschnitten zu werden, voller Hormone und Schmerzen und mit der Verantwortung für einen neuen Menschen. Das fand ich schon einen heftigen Ritt.
War das ein Schlüsselmoment für Sie – im Hinblick darauf, wie weibliche Erfahrungen behandelt werden? Oder anders gefragt: Wie sähe ein Kreißsaal aus, wenn Männer gebären würden?
Carolin Kebekus: Die würden das in Vollnarkose machen, die sie schon vorher beantragt haben und sich dann die ganzen Opiate intravenös reinknallen. Und dann würde das Wochenbett in so einer Art Pflegeheim stattfinden, wo man hinkommt und aufgepäppelt wird. Und da wird man immer gewaschen und das Baby auch und man darf die ganze Zeit den Katheter drin lassen, weil man nicht laufen will. So stelle ich mir das vor.
Sie sagen in Ihrem Programm auch, dass Frauen wahnsinnig gut sind im Aushalten. Glauben Sie, Frauen sind darin zu gut geworden?
Carolin Kebekus: Ja, das glaube ich tatsächlich. Man merkt ja auch immer, wenn eine Frau unbequem oder zornig wird und sagt, dass sie etwas nicht schafft oder so nicht will – dann ist sie schwierig und dann wird man wütend auf die Frau.
Die Gesellschaft verlässt sich ja auch darauf, dass Frauen das alles machen. Und ganz ehrlich, ich hätte auch gerne so eine traditionelle Ehefrau. Mein Gott, mein Leben wäre so einfach. Und dabei habe ich ja schon wahnsinnig viel Hilfe im Haushalt und mit dem Baby. Aber wir könnten gar nicht ohne die Mütter und Frauen.
Was macht für Sie eine wirklich gleichberechtigte Elternschaft aus?
Carolin Kebekus: Wirklich gleichberechtigt wird es, wenn der Vater nicht denkt: „Ich helfe meiner Frau“, sondern weiß: Wir sind beide verantwortlich.
Aber das ist beim Stillen natürlich schwierig – da macht die Mutter automatisch die Nächte. Auch das Thema Mental Load habe ich total unterschätzt. Dieses permanente Organisieren, auch abends im Bett: Haben wir Gummistiefel? Passen die noch? Sind die warm genug? Wann ist eigentlich die nächste Impfung? Shit, wo ist der Impfpass? Viele Männer haben so eine Leichtigkeit und denken „Ach, Spielplatz ist doch easy“ – ja, wenn man nicht parallel Gummistiefel bestellen, Essen planen und Termine organisieren muss. Da ist man einfach anders gestresst.
Woher kommt das Phänomen, dass dieses Organisieren meistens bei den Frauen landet?
Carolin Kebekus: Viele Frauen kennen das von ihren eigenen Müttern – und machen es dann lieber selbst. Aber man muss auch loslassen können und den Vater machen lassen. Mein Partner ist einmal ohne Wickeltasche los. Die kamen Stunden später zurück, das Kind war super glücklich, aber komplett dreckig und statt ’ner Windel hatte es ein Handtuch um. Aber geht auch!
Sollten Mütter lernen, weniger perfektionistisch zu sein?
Carolin Kebekus: Vor allem dürften Mütter lernen, egoistischer zu sein. Am Anfang weiß man ja nicht mal, wann man duschen soll, man verliert sich total und löst sich in dem Kind auf. Aber das Kind soll ja auch sehen, dass Mama sich auch um sich kümmert. Die schmiert nicht 24 Stunden am Tag Brote, sie hat auch ein eigenes Leben.
Wovor haben Sie in der Erziehung am meisten Angst?
Carolin Kebekus: Mein Kind ist zwei, jetzt beginnen die Machtkämpfe. Wenn es zum Beispiel keine neue Windel will, wehrt es sich mit durchgebogenem Rücken wie bei „Der Exorzist“. Da wäre es einfach zu sagen: gut, dann halt nicht. Und da nicht konsequent genug zu sein, davor habe ich gerade Respekt. Wenn ich Freundinnen mit Teenagern höre, denke ich allerdings: Das ist erst der Anfang.
Welchen Satz sollten Frauen im Kopf behalten, wenn sie aus Ihrer Show kommen?
Carolin Kebekus: „Ich habe einen Menschen gemacht, ich bin Gott.“ Sie sollten sich der eigenen Stärke bewusst werden, was sie können und was sie leisten. Und sich Hilfe holen. Das ist mir unheimlich schwergefallen im Wochenbett. Da habe ich nichts geschafft und das hat mich auch total überrascht.
Hatten Sie Bedenken im Hinblick auf das neue Programm?
Carolin Kebekus: Ich hatte befürchtet, dass mir vorgeworfen wird, dass ich jetzt „nur noch“ über das Baby spreche. Aber, na ja, mein Körper hat einen Menschen geschaffen. Was Krasseres kann man in seinem Leben halt nicht machen. Außerdem ist Mutter sein hochpolitisch.
Weil?
Carolin Kebekus: Weil es wichtig ist, dass man Frauen und Mütter besser behandelt, damit wir wieder mehr Bock haben, Familien zu gründen. Momentan sieht das ja eher schlecht aus.
Hätten Sie Ideen wie?
Carolin Kebekus: Bezahlbare Betreuung, mehr Teilzeit und natürlich mehr Frauen in entscheidenden Positionen. Wer sagt „Teilzeit ist Wellness“ hat einfach keine Ahnung vom echten Leben einer Mutter.
„Shesus“ ist ab sofort in der ARD Mediathek zu sehen, am 28. Februar um 23:35 Uhr im Ersten und am 7. März um 21:45 Uhr im WDR.
(mia/spot)
Bild: Nun offiziell Gott – wie jede Mutter: Carolin Kebekus in „Shesus“. / Quelle: WDR Kommunikation/Redaktion Bild


