Bülent Ceylan: Der Rocker aus der Kurpfalz wird 50

Bülent Ceylan: Der Rocker aus der Kurpfalz wird 50

Er trägt lange Haare. Er liebt Heavy Metal. Und er steht regelmäßig auf großen Bühnen, die sonst Gitarrenriffs und Headbanging vorbehalten sind. Ob Machos oder Mütter, schräge Zeitgenossen oder Sensibelchen – sein Millionenpublikum unterhält und berührt Bülent Ceylan mit Alltagsbeobachtungen. Und die sind oft leiser als erwartet. Heute wird der Comedian und Musiker 50 Jahre alt. Anlass genug, auf die Karriere eines der berühmtesten Söhne Mannheims zurückzublicken. Denn kaum ein deutscher Künstler vereint so viele Gegensätze – und hat daraus so konsequent Erfolg gemacht.

Bülents Grundprinzip: Erwartungen brechen

„Der Türk“ – so bezeichnet sich Ceylan selbst in der dritten Person. Dabei spricht der gebürtige Mannheimer abgesehen von ein paar Brocken gar kein Türkisch. Vor allem seine türkischen Fans irritiert das gelegentlich. Ärger für seine mangelnden Türkisch-Kenntnisse drohte ihm aber höchstens von seiner türkischen Verwandtschaft aus Wuppertal. Wenn die ihn und seine Patchwork-Familie früher im Mannheimer Stadtteil Waldhof-Ost besuchte, hieß es manches Mal: Bülent ist zu deutsch aufgewachsen.

Doch im Haushalt bei Mutter Hilde, Vater Ahmet und den drei älteren Geschwistern ist Deutsch Amtssprache. Bülents Alltag ist deutsch, die Schule auch. Gleichzeitig bleiben Name, Aussehen und damit verbundene Erwartungen und Vorurteile. Mit Genuss erzählt Ceylan deshalb, dass seine schwarzen Haare und dunklen Augen von Mutter Hilde stammen – und nicht von seinem hellhäutigen und blauäugigen Vater Ahmet. „Uffbasse!“ rät er daher in seinem typischen Kurpfälzer Dialekt. In jungen Jahren bildet sich sein Markenzeichen heraus: aufpassen und genau hinschauen, wo Menschen Bilder und Erwartungen erzeugen – um dann mit Vergnügen etwas ganz Anderes zu liefern.

Helmut Kohl verhilft zum Image-Wandel

Auf beengten 68 Quadratmetern wächst Ceylan mit seinen Eltern und den drei deutlich älteren Geschwistern Angela, Fritz und Anja aus erster Ehe auf. Sein Vater sorgt als Fahrer eines Betonmischers für das Einkommen der sechsköpfigen Ceylan-Familie. Er verlässt frühmorgens das Haus, kehrt abends heim und spielt – urdeutsch – im Verein Skat. Vor allem Mutter Hilde und Schwester Anja kümmern sich liebevoll um Nesthäkchen Bülent. Seine Mutter heitert er mit kleinen Gags auf, als deren eigene Mutter stirbt. „So hat alles angefangen“ bekennt Celayn bei „3 nach 9.“

Dabei muss er in jungen Jahren so manch harte Kröte schlucken. In der Schule bleibt Ceylan lange Außenseiter und Mobbing-Opfer, wie er in seiner Biografie „Ankommen: Wo war ich eigentlich?“ erzählt. Auf der Straße wird er auf Kurpfälzisch als „Kanakle“ beschimpft. Umso stolzer ist er, als er es als „einer der wenigen halben Kanaken“ seines Jahrgangs aufs Gymnasium schafft, so Ceylan ironisch. Er gilt als eher schüchterner, humorloser Streber. Dann überrascht er mit ersten kleinen Imitationen von Persönlichkeiten wie Helmut Kohl und Boris Becker alle. Ceylan erspielt sich sein erstes Publikum.

Dialekt-Comedy als Karriere-Killer?

Nach dem Abitur träumt Ceylan von einer Musiker-Karriere. Er verfügt über das Stimmvolumen eines Opernsängers, spielt gleichzeitig in einer Rockband mit Hang zum Schwermetall. Während eines Praktikums bei VIVA arbeitet er Moderator Tobias Schlegl (48) zu. Er hegt die naive Hoffnung, so seine Band ins Musikfernsehen zu hieven. Typisch Ceylan: Kein Traum ist ihm zu groß. Gleichzeitig betritt er ab 1998 erstmals als Comedian mit seinem ersten Programm „Produzier‘ mich net“ die kleineren Bühnen der Republik. Niemand traut ihm damals zu, Jahre später Hallen und Stadien zu füllen. Allein aufgrund seines ausgeprägten „Monnemer“ Dialekts werden ihm kaum Karrierechancen eingeräumt. Ceylan aber fügt geschickt alle Elemente seiner bisherigen Biografie zu seinem einzigartigen Erfolgsrezept zusammen.

Comedy ohne Sprachgrenze

Dass Ceylan kein Türkisch spricht, ist kein Makel, sondern Teil seiner Geschichte. Integration bedeutet für ihn Anpassung, aber nicht Abgrenzung. Gerade das macht ihn für ein breites Publikum in Deutschland anschlussfähig. Seine Comedy erklärt keine fremde Kultur – sie beobachtet eine gemeinsame. Er erzählt vom deutschen Alltag, von Eltern, Nachbarn, Beziehungen und Identitätsfragen, ohne je belehrend zu wirken. Statt Sprache nutzt Ceylan Figuren. Für seine Bühnenfigur „Harald“ steht ein ehemaliger Nachbar in der Kleingartensiedlung der Familie Pate. Auch „Hasan“, „Anneliese“, „Thor“ und all die anderen Kunstfiguren sind längst Teil der deutschen Popkultur. Sie sind überzeichnet, laut, manchmal unbequem, aber nie bösartig. Sie funktionieren so gut, weil man über sie lachen kann, ohne sich ertappt zu fühlen.

Heavy Metal als Haltung

Wer Bülent Ceylan nur als Comedian sieht, übersieht einen entscheidenden Teil seiner Persönlichkeit: die Liebe zur Musik und speziell zum Heavy Metal. Metal ist für ihn mehr als Musik. Es ist Haltung und Ventil zugleich. Von Ceylans Metal-Alter Ego zeigen sich bei Instagram selbst Show-Ikonen wie Otto Waalkes (77) tief beeindruckt. Ceylan baut seine Metal-Lust immer wieder in seine Live-Programm ein. Tour-Titel wie „Haardrock“ zeugen davon. Statt es ironisch zu brechen, integriert er das Metal-Genre glaubhaft und erschließt sich dadurch eine weitere Zielgruppe. Seit 2011 tritt er beim berühmten „Wacken“-Festival auf. 2024 wird ihm die Ehre zuteil, das Metaller-Treffen zu eröffnen. Und sein Freund Peter Maffay (76) lässt es sich nicht nehmen, extra für den gemeinsamen Auftritt einzufliegen. Gerade im Kontrast zwischen Metal-Posen und Macho-Rollen wird Ceylans Bandbreite deutlich. Er spielt mutig mit Rollenbildern, ohne seine Fans zu verprellen.

Politische Klarheit und soziales Engagement

Keinen Spaß versteht der vierfache Familienvater, wenn es um Politik geht. Seine Ablehnung gegenüber Rassismus und autoritären Staats- und Regierungsformen äußert er unverhohlen. Sein neuestes Programm ab Februar 2026 trägt den Titel „Diktatürk.“ Seine unmissverständliche Botschaft auch hier: „Uffbasse!“ Gleichzeitig engagiert sich Ceylan seit langem für die Gesellschaft, in der er aufgewachsen ist. So macht er sich für die Mannheimer Aidshilfe und das dortige Kinderhospiz Sterntaler stark. Er geht in Schulen und spricht als Deutsch-Türke mit besonderer Glaubwürdigkeit mit Kindern und Jugendlichen.

Seit 2017 setzt er sich mit seiner „Bülent Ceylan Stiftung“ vielerorts für Kinder und deren Belange ein. Seine positive Lebenshaltung lässt sich Ceylan auch in schweren Zeiten nicht nehmen. Als 2012 sein Vater stirbt, unterbricht er seine Tour kurz. Als er wieder zurückkommt, bezeugen ihm seine Fans mit stehenden Ovationen Respekt und echte Liebe. In den vergangenen 25 Jahren hat sich Ceylan vom Newcomer zu einem der bekanntesten Entertainer des Landes entwickelt. Regelmäßig lockt er Tausende in Hallen und Stadien. Und statt ihm den Erfolg zu neiden, freuen sich alle für ihn. Vielleicht ist das der größte Erfolg des Rockers aus der Kurpfalz.

(jök/spot)

Bild: Immer mit Haltung: Bülent Ceylan wird 50. / Quelle: Daniel Haussmann

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