Wer in der neuen Sat.1-Sendung „Die Millionenidee – mit Ralf Dümmel“ gewinnt, findet sein Produkt schon am nächsten Morgen in allen Lidl-Filialen in Deutschland. 6.598 Menschen haben sich für das Format beworben, in dem Unternehmer Ralf Dümmel (59) Erfinderinnen und Erfinder von der ersten Skizze bis zum fertigen Produkt begleitet. Dümmel trägt dabei das volle Risiko, der Gewinn wird nach Abzug aller Kosten 50:50 geteilt.
Der „Die Höhle der Löwen“-Investor lernt die Kandidaten dabei über Wochen kennen, was die Entscheidung im Finale nicht leichter macht. „Beruflich gehört diese Sendung zu den bewegendsten Erfahrungen meines Lebens“, betont Dümmel im Interview mit spot on news. Er verrät außerdem, welche Geschichte ihn gleich in der ersten Folge aus der Fassung brachte und ob die Sendung seine Zukunft bei „Die Höhle der Löwen“ beeinflusst.
Was ist das Besondere an „Die Millionenidee“?
Ralf Dümmel: Was ich an diesem Format liebe, ist, dass wirklich jeder mitmachen kann. Unsere jüngste Teilnehmerin war elf Jahre alt, der älteste Kandidat 82. Ich habe immer gesagt: Von den rund 83 Millionen Menschen in Deutschland haben bestimmt 40 Millionen irgendeine Idee. Da ist natürlich auch viel Skurriles und Mist dabei, aber eben auch unglaublich viel Gold. Wir haben wirtschaftlich gerade eine schwierige Zeit, die Menschen halten sich beim Konsum zurück und überall wird gejammert. Deshalb kommt diese Sendung genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie zeigt, dass jeder eine Chance hat. Wir haben 6.598 Bewerbungen bekommen, obwohl niemand das Format kannte. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Ideen uns erreichen, wenn die Menschen erst einmal sehen, wie leicht es gehen kann.
Wie unterscheidet sich die Sendung von „Die Höhle der Löwen“?
Dümmel: Am Anfang gab es natürlich die Sorge, dass wir ein „Höhle der Löwen“ 2.0 machen. Aber die Formate haben wenig miteinander zu tun. Bei uns darf das Produkt noch gar nicht fertig entwickelt sein oder verkauft werden. Manche Bewerber kommen mit einem selbst gebastelten Prototyp, andere nur mit einer Zeichnung oder einer Idee im Kopf. Außerdem nehmen wir die Zuschauer bei der gesamten Produktentwicklung mit. Sie erfahren, welche Herausforderungen es gibt und was bei der Entwicklung wichtig ist. Das hat manchmal fast etwas von der „Sendung mit der Maus“. Dazu kommt, dass „Die Millionenidee“ ein komplett neu entwickeltes Format ist, das es so weltweit noch nicht gibt. Bei „Die Höhle der Löwen“ kenne ich den Ablauf ganz genau. Hier wussten wir teilweise selbst nicht, was während der Dreharbeiten passieren oder wie die Menschen reagieren würden.
Die ersten Szenen zeigen bereits: Es wird auch emotional …
Dümmel: Gleich in der ersten Folge gibt es eine unglaublich bewegende Geschichte. Die Familie hat viele Schicksalsschläge erlebt. Dann sitzt da ein 19-jähriger Junge vor mir, der trotz allem lebensfroh ist und sein Leben meistert. Eigentlich möchte er mir nur seine Idee vorstellen, aber seine Geschichte hat mich so mitgenommen, dass ich mich erst einmal sammeln musste. Dazu kommen viele Überraschungsmomente. Ich besuche Menschen zu Hause, überrasche jemanden auf dem Fußballplatz oder stehe plötzlich mit einer Geburtstagstorte vor der Tür. Es sind eben nicht nur die Ideen, sondern vor allem die Menschen dahinter, die diese Sendung so besonders machen.
Das klingt auch nach einer großen Herausforderung?
Dümmel: Beruflich gehört diese Sendung zu den bewegendsten Erfahrungen meines Lebens. Ich bin ihr größter Fan und liebe sie, aber es gab auch Momente, in denen ich sie gehasst habe. Man begleitet die Menschen über einen längeren Zeitraum, trifft sie drei- oder viermal und lernt ihre Geschichten kennen. Sie glauben an mich, verlassen sich auf mich und wünschen sich nichts mehr, als dass ihre Idee Wirklichkeit wird. Und dann kommt das Finale, bei dem es nur zwei Möglichkeiten gibt: Das Produkt schafft es ins Regal oder eben nicht. Einem Menschen, den man über Wochen begleitet hat, in die Augen zu schauen und zu sagen, dass es nicht gereicht hat, ist unglaublich schwer.
Sie sind seit Jahrzehnten im Geschäft. Woran erkennen Sie, ob aus einer Idee ein erfolgreiches Produkt werden kann?
Dümmel: Ich sage immer: Ich kann nicht viel, aber was ich seit 38 Jahren mache und liebe, sind Produkte, Produkte, Produkte. Natürlich habe auch ich keinen Garantieschein und liege nicht immer richtig. Zum Glück aber häufiger richtig als falsch. Entscheidend ist für mich, ob ein Produkt möglichst viele Menschen anspricht und ihren Alltag einfacher, besser oder schöner macht. Ob das ein Fitnessprodukt, ein Kinderspielzeug oder ein Küchenhelfer ist, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass es ein Problem löst, in den Handel passt und für die Menschen bezahlbar bleibt.
Sie gehen in „Die Millionenidee“ bei der Produktentwicklung ins volle Risiko. Der Gewinn wird nach Abzug aller Kosten 50:50 geteilt. Haben Sie deshalb besonderen Druck verspürt?
Dümmel: Das Risiko gehört zu meinem täglichen Geschäft. Viele vergessen, dass „Die Höhle der Löwen“ und „Die Millionenidee“ gewissermaßen meine Nebenjobs sind. Ich bin jeden Tag in meiner Firma und muss ständig Entscheidungen treffen. Investieren wir in ein Produkt? Lassen wir Werkzeuge bauen, ohne zu wissen, ob es sich später verkauft? Dahingehend war der Druck für mich gar nicht so groß. Der Unterschied bei „Die Millionenidee“ ist die persönliche Verbindung. Normalerweise schaue ich mir ein Produkt an und entscheide, ob es etwas ist. Hier kenne ich die Menschen dahinter. Und wenn jemand traurig vor mir sitzt und mich bittet, seine Idee umzusetzen, ist das eine ganz andere Verantwortung.
Wie wichtig war es Ihnen, dass die Gewinnerprodukte direkt am nächsten Tag im Handel erhältlich sind?
Dümmel: Für die Erfinderinnen und Erfinder ist das wahrscheinlich der schönste Moment überhaupt. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Idee im Kopf und sehen irgendwann Ihr eigenes Produkt in einer tollen Verpackung im Laden stehen. Ich würde als Erfinder wahrscheinlich den ganzen Tag bei Lidl verbringen und beobachten, ob jemand meins in den Einkaufswagen legt (lacht). Dass es die Gewinnerprodukte direkt am nächsten Tag zu kaufen gibt, ist gleichzeitig wichtig für die Glaubwürdigkeit der Sendung. Die Zuschauer sehen, dass aus den Ideen tatsächlich Produkte werden, die sie sofort haben können.
Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert, dass Sie sich mit einer eigenen Sendung noch mehr Arbeit aufhalsen?
Dümmel: Es gab schon einige, die gefragt haben, wann ich das eigentlich noch alles machen will. Wir hatten unglaublich viele Drehtage, deutlich mehr als bei der „Höhle der Löwen“. Das war wirklich ein Brett. An einem Drehtag saß beispielsweise schon morgens um 7:15 Uhr ein Kameramann bei mir im Auto und hat mich auf dem Weg zur Arbeit begleitet. Zwar haben wir viel bei uns in der Firma gedreht, aber wir waren auch ständig unterwegs. Das war schon unglaublich zeitintensiv. Aber während der Dreharbeiten denkt man darüber gar nicht so viel nach, weil man mit so viel Begeisterung dabei ist. Ich habe in der einen oder anderen Nacht eben eine Stunde weniger geschlafen. Das war es mir aber auf jeden Fall wert. Es war nicht nur für mich, sondern für unser gesamtes Unternehmen eine besondere Erfahrung. Viele meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören zum Expertenteam und standen zum ersten Mal vor der Kamera. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Um die Fans von „Die Höhle der Löwen“ zu beruhigen: Werden Sie auch weiterhin als Löwe zu sehen sein?
Dümmel: Ich bin der größte Fan von „Die Höhle der Löwen“. Ich liebe diese Show und lebe sie auch. Ich kann sagen, dass ich gerne weitermache und mich darauf freue, wieder dabei zu sein. Trotzdem war es auch mal schön, nicht gegen andere Löwen um einen Deal kämpfen zu müssen. Diese Battle-Momente in der Höhle hasse ich nämlich (lacht). Bei „Die Millionenidee“ ist die Verantwortung dafür fast noch größer. In der „Höhle“ entscheiden fünf Menschen, bei „Die Millionenidee“ entscheide ich gemeinsam mit meinem Expertenteam, in welchen Ideen wir so viel Potenzial sehen, dass wir ins Risiko gehen und daraus ein echtes Produkt entwickeln. Am Ende müssen wir dann auch den Handel davon überzeugen. Alle Teilnehmer glauben an mich und hoffen, dass ihre Idee gewinnt. Aber natürlich können wir nicht jede Idee bis dahin bringen.
Sat.1 zeigt „Die Millionenidee – mit Ralf Dümmel“ ab Sonntag, 8. November, immer sonntags um 18:15 Uhr. Die Show ist außerdem auf Joyn zu sehen.
(jom/spot)
Bild: Für Ralf Dümmel ist „Die Millionenidee“ eine der „bewegendsten Erfahrungen meines Lebens“. / Quelle: Joyn/Marc Rehbeck

